Zwei Lehrlinge in der Ausbildung: Eine Berufsschule wird es im Landkreis nicht so schnell geben. Foto: Archiv

Neue Berufsschule ist vorerst vom Tisch

Landkreis - Eine große Berufsschule als kreiseigene Bildungseinrichtung wird es in absehbarer Zukunft nicht geben. Ganz vom Tisch ist das Thema aber nicht.

Es ist ein Thema aus dem Landratswahlkampf. Der später knapp unterlegene SPD-Kandidat Ernst Böhm hatte angeregt zu prüfen, ob man im Landkreis nicht eine Berufsschule gründen könnte. Dabei ging es auch um die bestehende Berufsschule am Berufsbildungswerk der Stiftung St. Zeno in Kirchseeon. Dort werden Jugendliche mit besonderem Förderbedarf ausgebildet. Andere Berufsschüler einzubinden, wäre doch im Sinne der überall geforderten Inklusion eine gute Idee, hieß es vor einigen Monaten.

Die SPD stellte dazu einen Antrag an dem Kreistag, mit dem sich jetzt der zuständige Ausschuss beschäftigte. Deutlich wurde: Um die Genehmigung für die Schulgründung zu bekommen, muss laut Regierung von Oberbayern der entsprechende Bedarf nachgewiesen werden. Mindestens 40 Klassen, bedeutet 1200 Schüler. Gleichzeitig heißt es aber auch, die neue Schule dürfte nicht zu Lasten bestehender Einrichtungen gehen. Diese gibt es rund um den Landkreis Ebersberg. 36 sind es in der Landeshauptstadt, weitere neun im Umland. Sie müssen jedoch alle damit fertig werden, dass die Schülerzahlen seit Jahren sinken. Eine neue Schule im Landkreis Ebersberg könnte die Entwicklung verschärfen. „Keine einzige Schule im Umkreis von Ebersberg ist voll“, so Kreishandwerksmeister und CSU-Kreisrat Johann Schwaiger. „Es wäre schön, eine eigene Schule zu haben, aber es funktioniert nicht.“

Ein weiterer Punkt sind die Kosten für einen Schulneubau. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) sprach von 40 bis 50 Millionen Euro. Gegengerechnet werden müssten die Kosten, die dem Landkreis entstehen, weil Berufsschüler aus dem Landkreis externe Schulen besuchen. Laut Hubert Schulze vom Landratsamt werden „Gastschulbeiträge“ für 1588 Auszubildende entrichtet, deren Ausbildungbetriebe im Landkreis liegen, die aber außerhalb zur Schule gehen. Kosten: 2,7 Millionen Euro pro Jahr. Der gesamte Betrag kann allerdings nicht in die Überlegungen einbezogen werden, da auch an einer neuen Berufsschule im Landkreis Ebersberg nie alle gewünschten Berufe angeboten werden können.

Für die SPD-Fraktion, die den Antrag gestellt hatte, verwies Kreisrat Götz Schindler darauf, dass der Landkreis weiter wachse. Im Ausschuss war man sich dann einig, dass es aktuell zu keiner Schulneugründung kommen soll. Jedoch soll das Thema weiter im Auge behalten werden. Und der Landkreis will Werbung für die Berufsschule der Stiftung St. Zeno machen. Dort gibt es rund 300 Plätze, belegt sind jedoch nur rund zwei Drittel.

Deutlich wurde im Ausschuss auch: Bei Realschulen und Gymnasien im Landkreis steigen die Schülerzahlen weiter an. Das Gymnasium in Vaterstetten bleibt mit über 1600 Schülern die größte Bildungseinrichtung ihrer Art. Das Gymnasium Kirchseeon hat heuer erstmals einen Abiturjahrgang und inzwischen mehr Schüler als das Gymnasium Grafing.

Robert Langer

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