Poetische Kraft: Die Band „Zeitzeuge“. Foto: jro

Neue CD von "Zeitzeuge": Ein Brief, den keiner mehr schreibt

Ebersberg - Wer schreibt schon noch Briefe in Zeiten von Email und Facebook? Was man da bekommt, sind höchstens Rechnungen. Ganz anders und wunderbar nostalgisch hat die Band „Zeitzeuge“ ihre CD gestaltet.

Wer die Zellophanhülle entfernt hat und neugierig das CD-Cover öffnet, dem leuchtet ein kleiner Briefumschlag entgegen. Er enthält einen eng getippten Brief, eine volle Seite von jemandem, der viel zu sagen hat. Er teilt ein Herzensanliegen mit: „Es herrscht Bürgerkrieg im Herzland“, gleichzeitig Titel der CD.

Ein altes Schwarzweißfoto fällt mit heraus. Es zeigt die Verfasser, die Band „Zeitzeuge“, die auf diesem persönlichen Weg ihr Publikum ansprechen. Allen voran Moritz Michael, der die tiefgründigen Texte schreibt, singt und mit E-Gitarre begleitet. Ihm zur Seite stehen Benedikt Michael, Klavier, Korbinian Kneidl, E-Gitarre, Tobias Mückenberger, E-Bass und Alex Kölbl, Schlagzeug.

Um diese CD also geht es am Premierenabend im alten kino. Es wundert nicht, dass viele Fans von „Zeitzeuge“ zur Record-Release-Party erschienen sind. Sie alle warten gespannt auf die neuen Songs. Doch zunächst wird ihre Geduld auf die Probe gestellt. Gleich zwei Vorbands machen die Sache spannend. Die drei Jungs von „Sunspiration“, mit Danny Bachmeier, Florian Heimbacher an den Gitarren und Stefan Gackstatter am Schlagzeug spielen selbst geschriebene, sonnig-temperamentvolle Songs zum Auftakt. Sie werden stürmisch bejubelt.

Die Stimmung steigt und wird noch angeheizt vom Auftritt von „Torpus & The Art Directors“. Die Hamburger Band, die an diesem Abend zu fünft um Bandleader Sönke Torpus auftritt, eröffnet mit dem Eindruck irischer Folklore und Sönke Torpus’ tiefer, rauer Stimme, die nach Bier und Whiskey klingt. Es ist ein rebellischer Sound, der zum Auftritt der Hauptakteure des Abends hinführt und mit „Zeitzeuge“ einiges gemeinsam hat. Mal fragil und leise, dann wieder laut und voller Power, immer kritisch und wach und so scharen sie die Fans um sich, die an diesem Abend vor allem eines wollen - Party machen! Gemeinsam mit „Zeitzeuge“ lässt das Publikum die CD hochleben, feiert, was das Zeug hält und versinkt im Musikrausch. Grooviger Sound prasselt auf ihre Ohren nieder, sie tanzen, sie jubeln und wer es nuancierter mag, der kann sich die CD mit nach Hause nehmen. Die Texte kommen dann erst zur Geltung. Sie beeindrucken in ihrer Nachdenklichkeit und poetischen Kraft. Zusammen mit der dynamischen Musik in guter, handwerklicher Produktion der CD, sind sie es wert, dass der Hörer darüber nachdenkt. Und das wäre so ganz anders als ein kurzes „Like this!“ im Facebook. Fast wie aus einer anderen Zeit und wie ein Brief, den heute sonst keiner mehr schreibt.

von Nicole Sutherland

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