Auf dem Areal am Feuerwehrgelände könnte der neue Kindergarten gebaut werden. foto: sro

Neuer Kindergarten: Bürgermeister verordnet Denkpause

Vaterstetten - Die Vater-stettener Gemeinderäte tun sich sichtlich schwer mit der Planung eines neuen Kindergartens. Bei der an der Feuerwehr vorgesehenen Einrichtung gibt es nach der jüngsten Sitzung des Bauausschusses eine „Denkpause“.

In der Sitzung präsentierte Ralf Schloemilch vom gemeindlichen Bauamt drei Planungs-Vorschläge aus einem Architekten-Wettbewerb. Vier Kindergarten-Gruppen sollen in der Einrichtung Platz finden. Geplant ist ein einstöckiges Gebäude ohne Keller. Grob geschätzte Kosten: Je nach Ausführung zwischen 2,1 und 2,3 Millionen Euro. Das rund 1800 Meter große Grundstück ist im Eigentum der Gemeinde. Georg Kast, zuständiger Abteilungsleiter im Rathaus, betonte: „Wir haben die Chance, innerhalb von eineinhalb Jahren ein fertiges Gebäude hinzustellen.“

Doch das geht einigen Gemeinderäten zu schnell. Günter Lenz (SPD) kritisierte, dass dem Ausschuss praktisch fertige Pläne vorgelegt würden. Im Vorfeld sei weder mit dem Gemeinderat noch im Ältestenrat über den Standort oder die Planungen gesprochen worden. „Wenn jetzt neue Ideen kommen, dann wird es schwierig.“ Aber Lenz könnte sich beispielsweise, abweichend von der vorliegenden Planung, in einer zweiten Etage Räume für zusätzliche Kindergartengruppen oder für Wohnungen vorstellen.

Beides wurde von der Verwaltung abgelehnt. Mehr Kinder könnten nicht betreut werden, weil die gesetzlich geforderte Gartenfläche dann wegen des begrenzten Grundstücks nicht ausreiche. Wohnungen würden nicht genehmigt, weil man die notwendigen Stellplätze für Autos auf dem Grundstück nicht unterbringen könne.

Ein weiteres Problem ist die Zufahrt für die Feuerwehr, die direkt am neuen Kindergarten vorbei führen würde. Offenbar gibt es eine Stellungnahme der Floriansjünger zum Kindergartenprojekt, die jedoch den Gemeinderäten nicht vorgelegt wurde. „Die Bedenken fände ich schon wichtig“, so die Reaktion von Stefan Ruoff (Grünne). Er fragte: „Kann man die Feuerwehr noch erweitern“, wenn das angesichts der wachsenden Gemeinde nötig sei, „oder müssen wir dann ein neues Feuerwehrhaus bauen?“ Und Theo Bader erklärte, auf dem gemeindlichen Grundstück habe die Feuerwehr bisher Übungen abgehalten. Bader wollte wissen: „Habt ihr mit der Feuerwehr gesprochen?“. Die klare Antwort von Schloemilch: „Nein.“

Lenz forderte schließlich, die Entscheidung zu verschieben und die Planung zu optimieren. „Da ist Kreativität gefragt.“ Gegen eine Verschiebung war Vizebürgermeister Martin Wagner (CSU). „In vier Wochen werde ich auch keine andere Meinung haben als jetzt. Es ist entscheidungsreif.“ Zudem sprach sich Wagner mit Blick auf die angespannten Gemeindefinanzen für die günstigste Variante aus.

Das rief Wolfgang Will (FDP) auf den Plan: „Hätten wir uns für die große Schule entschieden, hätte wir uns 15 Millionen gespart. Da wäre das alles kein Problem.“ Hintergrund: Die Gemeinde baut derzeit eine neue Schule als Ersatz für den Standort Gluckstraße. Vor allem SPD und FDP hatten gefordert, dort auch die Kinder aus der Wendelsteinschule unter zu bringen. Die CSU sprach sich gegen die so genannte „große Lösung“ aus und will den Standort Wendesteinschule zunächst erhalten. Diese Variante ist aber teurer als die „große Lösung“.

Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) beendete die Debatte und zog seinen Antrag zurück. Abstimmen sollten die Ausschussmitglieder darüber, welcher der Architekten aus dem Wettbewerb den Kindergarten planen sollte. „Wir wollen nichts übers Knie brechen“, so der Bürgermeister. „Wir haben eine Denkpause.“ Das Thema soll in der nächsten Sitzung wieder auf die Tagesordnung. Eine Verzögerung von vier Wochen „können wir uns leisten, ohne in Verzug zu kommen“.

Robert Langer

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