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Die Tiere sind nebenan im Stall, geforscht aber wird im Labor.

Antibiotika-Resistenz und Kälber-Enthornung

Neues „Kompetenzzentrum Tier“ in Grub - „Wegweisend für Deutschland“

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Mehr Kompetenz auf einem Fleckchen Erde geht nicht: In Grub (Kreis Ebersberg) arbeiten ab sofort 13 bayernweit tätige Organisationen bei Tiergesundheit und -wohl zusammen: im neuen „Kompetenzzentrum Tier“.

Grub – Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) hat schon Recht, wenn er sagt: „Poing kennen nicht viele, aber Grub die ganze Welt.“ Der Ortsteil der Gemeinde Poing, 18 Kilometer östlich von München, beherbergt eine große Versuchsstation der Landesanstaltschaft für Landwirtschaft (LfL) und die Besamungsstation (Bayern-Genetik), außerdem Bayerns größte Musterhaus-Ausstellung sowie das Logistikzentrum des weltweit tätigen Mode-Vertriebsunternehmens Schustermann & Borenstein.

Den Tiergesundheitsdienst (TGD) gibt es in Grub schon seit 1971, er resultiert aus dem damaligen Zusammenschluss von Rinder-, Kleintier-, Schweine- und Schafgesundheitsdienst. Heute, 46 Jahre später, ist der nächste Schritt erfolgt, ein sehr großer: Im „Kompetenzzentrum Tier“ arbeiten ab sofort 13 verschiedene landesweit tätige Organisationen zusammen – vom TGD über die Tierzuchtforschung (Tzf) München bis hin zur Ringgemeinschaft Bayern. „Geballte Kraft und Kompetenz zum Wohle der bayerischen Landwirtschaft“, wie Agarminister Helmut Brunner (CSU) bei der Einweihung sagte. „Dieses Kompetenzzentrum Tier ist wegweisend für Deutschland“, lobte er am sommerlich-heißen Eröffnungsnachmittag im Festzelt, das bei 32 Grad Außentemperatur zur Sauna geworden war. Die gut 200 Festgäste hielten die eineinhalb Stunden offizielles Programm (80 Minuten Reden, 10 Minuten ökumenischer Segnungsgottesdienst) tapfer durch. Schließlich ist man nicht jeden Tag Zeuge des Startschusses eines Projekts, das Brunner als „europaweit einmalig“ bezeichnet.

TGD und Tzf hatten in den vergangenen Jahren den Zusammenschluss auf den Weg gebracht. Acht Millionen Euro habe man in Grub investiert, sagte Tzf-Vorsitzender Stefan Neher. Sein Institut verlegt den Stammsitz von München nach Grub, wo der TGD eh schon zuhause ist. Dessen Gebäude wurde generalsaniert, auf dem Gelände ein weiteres errichtet.

373 Menschen in den Büroräumen und Labors beschäftigt

In den Büroräumen und Labors arbeiten nun insgesamt 373 Beschäftigte im Dienste der Tiergesundheit. In den Labors des Kompetenzzentrums wird unter anderem die Frage geklärt, wie der Antibiotikaeinsatz bei Tieren verringert werden kann. Erste Erfolge habe man in der Vergangenheit bereits erzielen können, betonte Landwirtschaftsminister Brunner, und damit das Risiko von Antibiotikaresistenzen im Fleisch gesenkt. Weitere wichtige Versuchs- und Schulungsthemen: schonende Kälber-Enthornung, Ferkelkastration, Verzicht auf das routinemäßige Schnabelkupieren bei Legehennen.

„Tiergesundheit bedeutet nicht allein, dass unsere Nutztiere gesund sind, sie ist genauso relevant für die öffentliche Gesundheit und die Lebensmittelsicherheit“, sagte Brunner. Einfache Rechnung: Gesunde Tiere = gesunde Lebensmittel. Im Kompetenzzentrum trage Bayern mit wichtiger wissenschaftlicher Arbeit einer gesellschaftlichen Veränderung Rechnung: „Artgerechte Tierhaltung ist auf Platz Nummer 1 der Erwartungen an die Landwirtschaft gerückt“, zitierte Brunner aus einer Statistik. Mit den Forschungseinrichtungen der benachbarten LfL biete der neue Campus in Grub „gebündelte Kompetenz in allen Fragen der Tierhaltung - zur Sicherung unseres Tierstandortes Bayern“. Brunner zufolge erwirtschaften die 70.000 tierhaltenden Betriebe (zwei Drittel aller Bauernhöfe) mehr als 70 Prozent aller Verkaufserlöse der bayerischen Agrarwirtschaft.

Mittlerweile gibt es Bürgermeister Hingerl zufolge in dem Ortsteil Grub gut doppelt so viele Arbeitsplätze wie Einwohner (550). Wie viele Tiere in der LfL-Versuchsstation sowie in der Besamungsstation untergebracht sind, variiert stetig. Spötter witzeln, dass in Grub mehr Kühe, Bullen, Schafe, Ziegen und Schweine leben, als Menschen.

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