Film ab: Ein Team des Bayerischen Rundfunks drehte gestern am Waldsportpark die Ebersberger Waldspielgruppe. Der Beitrag wird heute Abend gesendet. Foto: Stefan Rossmann

Neun Eis-Zwerge im organisierten Dickicht

Ebersberg - Tannenzapfen statt Lego, Wollfilz-Elfen, die Geschichten erzählen, ein Garderobenbaum, Matsch und ganz viel frische Luft. So sieht der Alltag der Waldspielgruppe Ebersberg aus. Am Mittwoch, 24. Februar, kommt sie groß raus. Ein BR-Fernsehteam folgte ihr in den Wald.

Klappe, die Erste: „Wir rutschen heute wieder in den Wald rein“, sagt Betreuerin Stefanie Wagner. Und schon rollen, kugeln und purzeln neun Waldspielgruppenkinder einen vereisten Hügel herunter. Dann wuseln sie in dicken Schneeanzügen, übergroßen Skihandschuhen und bunten Bommelmützen durch den Wald. Der Magnet: eine Eis-Matsch-Grube, die die Zwei- bis Dreijährigen mit Sandschaufeln bearbeiten. Die kleinen Brotzeit-Rucksäcke sind feinsäuberlich am Garderobenbaum aufgehängt.

Von dem Kamerateam lassen sich die Kleinen nicht ablenken. Sie tun, was sie immer tun. Was genau, das ist am Mittwoch, 24. Februar, zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr in der Abendschau im Bayerischen Fernsehen im Regionalteil „Schwaben und Altbayern“ zu sehen.

„Das Konzept Waldkindergarten“, sagt BR-Reporterin Gabi Zimmermann, „wird bei Eltern immer beliebter. Deshalb wollen wir eine kleine Reportage darüber machen, was anders ist als in einem normalen Kindergarten.“ Dass sich die Kinder auch bei eisigen Temperaturen draußen vergnügen, kann das Fernsehteam gar nicht glauben.

Laienschauspielerin Lina, zwei Jahre alt, stapft mit Mama Silke Hoffmann in Richtung Tipi, wo ein Heizstrahler für zwischendurch wartet. „Ich finde es gut, wenn die Kinder draußen spielen. Und nachmittags habe ich wenig Zeit, um mit Lina raus zu gehen“, sagt Hoffmann, die in Kirchseeon lebt. Seit September ist Lina in der Waldspielgruppe. „Die Kinder laufen über Stöcke, das ist gut für die Motorik. Und sie sind an der frischen Luft.“ Bei so viel Frischluft ist Lina in einen Kleiderberg eingemümmelt: Schneeanzug, zwei Fleecepullis, dicke Strickstrumpfhose. „Wasserdichte Kleidung ist oberstes Gebot“, so Wagner. „In den Bauwagen gehen wir je nach Bedarf und Wetter“, sagt ihre Kollegin Mia Veritsis.

Doch heute ist kein Bauwagenwetter. Es ist Feierwetter: „Ich hab heute Geburtstag“, ruft Hanna, das Mädchen mit der Hasenohren-Mütze. Die perfekte Tarnkappe. Dann stürzt sie sich ins „freie Spiel“: Birkenrinde, Tannenzapfen und matschige Erde heißen ihre Spielsachen. Am Kaufladen, also an einem Brett, das zwischen zwei dicke Baumstämme gestemmt ist, kann sie ihre Ware feil bieten. Garantiert bio.

„Mit den Waldmaterialien können die Kinder ihre Fantasie frei ausleben“, erklärt Claudia Ball, Mitbegründerin der Waldspielgruppe sowie des Waldkindergartens, der am 1. März startet. Dort dürfen sich die etwas älteren Kinder austoben. Auch ihre eigene Tochter Paula schickt sie ab März zum Spielen in das organisierte Dickicht. Zur Fantasiebeflügelung fliege ab und zu eine Wollfilzelfe vorbei, die spannende Geschichten erzählt.

„Wir fördern eine situationsbedingte Pädagogik“, so Ball. Das heißt, wenn ein Kind malen will, soll es malen. Wenn nicht, dann nicht. „Aber es gibt bei uns auch Grenzen“, mahnt Ball und deutet auf den Zaun der Waldspielgruppe, genauer gesagt ein paar Äste, die in einem Karree zwischen Bäume aufgestellt sind. Eine Grenze, die vielleicht bald aus dem Weg geräumt wird: „Rrrr. Wir fällen Bäume“, erklären zwei Buben, die mit Stöcken gewappnet sind. Das Beste an der Waldspielgruppe: „Wenn die Kinder mal laut schreien, regt sich niemand auf“, sagt Ball.

Von Marlene Kadach

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