Der Platz wird knapp: In der ehemaligen Vaterstettener Polizeistation, die zur Obdachlosenunterkunft umfunktioniert wurde, wohnen derzeit fünf Menschen ohne Dach über dem Kopf. Demnächst soll noch eine Familie einziehen. Die Gemeinde sucht nach Alternativen. Foto: Stefan Rossmann

Obdachlose bereiten Kopfzerbrechen

Vaterstetten - Die Gemeinde Vaterstetten ist auf der Suche nach geeigneten Unterkünften und sieht das landkreisweites Diakonieprojekt als „Notnagel“.

Auch in der reichen Gemeinde Vaterstetten sind Menschen von Obdachlosigkeit betroffen, beispielsweise nach Räumungsklagen. Die Gemeinde muss sich um ihre Unterbringung kümmern. Doch das wird offenbar immer schwieriger. Jetzt beschloss der Gemeinderat einem landkreisweitenProjekt der Diakonie beizutreten. Ausreichen wird dies jedoch nicht.

Hintergrund: Lange Zeit wurde die gemeindliche Obdachlosenunterkunft am Vaterstettener Wertstoffhof ausschließlich für alleinstehende Männer genutzt. In den vergangenen Jahren musste das Rathaus aber auch Frauen dort unterbringen. Unter den jetzigen Bewohner sind psychisch kranke Personen, die für den Wohnungsmarkt als „nicht mietfähig“ eingestuft werden, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Diese Menschen hätten auf lange Sicht keine Aussicht auf einen Auszug aus der Unterkunft. Die wird jedoch abgerissen, sobald dort die Asylbewerbereinrichtung gebaut wird. In dieser erhält die Kommune ein Belegungsrecht für acht Obdachlose.

Nachdem die Polizeistation neben dem Rathaus aufgelöst wurde, stehen dort vier Zimmer für Obdachlose zur Verfügung, darunter ein Familienzimmer und ein Einzelzimmer für Frauen. Die anderen beiden Räume müssen im Notfall mit bis zu drei Personen belegt werden. Derzeit leben in der ehemaligen Polizeistation fünf Alleinstehende, vier Männer und eine Frau. Kurzfristig müsse die Gemeinde noch eine Familie mit Kindern unterbringen. Eine weitere fünfköpfige Familie ist aktuell übergangsweise in einer Personalwohnung der Kommune untergebracht.

Eine weitere Möglichkeit wäre, Obdachlose vorübergehend in Pensionen einzuquartieren. Mittlerweile sei es jedoch sehr schwierig geworden, eine Unterkunft für längere Zeit anzumieten, so Andreas Ruoff, zuständiger Abteilungsleiter im Rathaus. Während Messe- oder Oktoberfestzeiten sei an eine Unterbringung in Pensionen schlichtweg unmöglich.

Die Diakonie Rosenheim, die seit vielen Jahren die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit in Ebersberg betreut, hat in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt den Vorschlag erarbeitet, gemeindeübergreifende Obdachlosenunterkünfte einzurichten, eine für den südlichen, eine für den nördlichen Landkreis, jeweils mit zehn Plätzen. Die „Standorte stehen noch nicht fest“, so Ruoff. Ein Pro-Argument sei, dass die Obdachlosen durch Sozialpädagogen betreut würden. Und es geht auch um die Kosten. Die Unterbringung in einer Pension schlägt pro Person und Tag mit etwa 50 Euro zu Buche, also rund 1500 Euro im Monat. Für die Lösung der Diakonie müssten 510 Euro pro Monat gezahlt werden. Abgerechnet würde nach Tagen.

Klar ist aber auch: Zehn zusätzliche Plätze, aufgeteilt auf eine Reihe von Gemeinden, sind nicht viel. „Für uns ist das ein Notnagel“, so Bürgermeister Georg Reitsberger.

Künftig wird sich die Situation noch verschärfen - wenn anerkannte Asylbewerber keine Wohnung finden, ist die Gemeinde ebenfalls zuständig. Diese Flüchtlinge sollten dann sinnvollerweise in den Obdachlosenräumen an der Asylunterkunft einziehen, so der Plan. Doch das sind nur acht Plätze. Der Bedarf wird wohl deutlich höher sein. Dazu kommen die anderen Obdachlosen. „Wir müssen bald handeln“, so der Bürgermeister auf Anfrage der Ebersberger Zeitung. Im Gespräch sei unter anderem eine Containerlösung für diesen Personenkreis. Für Montag kündigte der Bürgermeister weitere Informationen an.

Robert Langer

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