+
Bärbel Zankl schwört auf LED-Technik: „Bringt besseres Licht, ist energieeffizient, vermeidet CO2, spart Geld.“  „Gemeinsam und mit gezielter Unterstützung externer Experten können wir den Klimaschutz in den Kommunen voranbringen“

Bärbel Zankl (58) aus Oberpframmern

Klimaschützerin: „Wir sind es unseren Kindern schuldig“

Mathe und Physik sind Wissenschaften, bei deren alleiniger Namensnennung manchen Menschen ein eiskaltes Grauen über den Rücken kriecht - in Erinnerung an ergebnislose Büffelei. Nicht so bei Bärbel Zankl.

Oberpframmern –  Bärbel Zankl (58) mag den rein logischen Beweis. Schon während der Schulzeit spielte sie sich mit Differentialgleichungen und liebäugelte mit der wissenschaftlichen Erforschung der Naturerscheinungen. Heute arbeitet die Diplom-Ingenieurin als Spezialistin für alles rund um LED-Beleuchtung, Energiespartipps und Öffentlichkeitsarbeit bei der Energie-Agentur Ebersberg-München in Ebersberg.

Die Oberpframmernerin stammt aus einer kleinen Buchdruckerei in der niedersächsischen Universitätsstadt Göttingen. Nach dem Unterricht half sie im Familienbetrieb, der noch traditionell im Bleisatz auch für die Göttinger Uni druckte. Doch Bärbels Herz schlug mehr für die Technik als für bedrucktes Papier. So wusste sie, ihr Studium musste ein technisches sein und sie schrieb sich an der Münchner FH für die physikalische Chemie mit Schwerpunkt Umwelttechnologie ein.

Wie das im Leben manchmal so ist, blieb sie der Liebe wegen nach bestandenem Diplom im Raum München. Bei einem Hersteller von Analysegeräten für Labore ergab sich die Chance für den Berufseinstieg. Diese Firma durfte sie dann auch auf Messen vertreten. „Mein tollstes Erlebnis war gleich zu Anfang eine Messe in Peking. Damals war ich noch sehr schüchtern, hab’ das aber gut gemeistert und bin daran gewachsen“, erzählt sie im Rückblick. Beim Gerätehersteller blieb sie zwei Jahre, dann folgte mit der Geburt ihrer drei Kinder eine gewollte, längere Familienzeit. 1995 zog sie mit ihrer Familie nach Oberpframmern, da war der jüngste Sohn sechs Wochen alt. Der Versuch, zwischen den Kindern in Teilzeit in ihr Berufsfeld zurückzukehren, gelang auf Grund mangelnder Angebote nicht.

2001 bot sich Bärbel Zankl eine, wie sie sagt „unglaubliche Chance“ durch einen Kurs der Vhs Ebersberg, der Frauen nach Familienzeit den Weg zurück ins Berufsleben erleichtern sollte. Das obligatorische Praktikum eröffnete ihr erst eine Teilzeitstelle, im Laufe der Jahre brachte sie es bis zur Gruppenleiterin in der technischen Dokumentation eines großen Konzerns. Nach elf Jahren zwang sie eine Erkrankung zu einer längeren Auszeit und schließlich zu einer Neuorientierung. 2013 setzte in Oberpframmern die Gemeinderätin Katrin Scheller den Impuls für den Arbeitskreis Energie, Bärbel Zankl war von Anfang an dabei. Gemeinsam mit engagierten Mitstreitern haben sie seitdem mit verschiedensten Aktionen und Veranstaltungen die Energiewende im Ort angeschoben. „Wir sind es unseren Kindern schuldig, jetzt zu handeln, um die Klimakatastrophe aufzuhalten – jeder für sich im Kleinen wie auch im Großen durch die Politik. Nichtstun oder Aufschieben ist keine Option angesichts dessen, was mit zwei oder gar mehr Grad Erderhitzung an dramatischen Veränderungen auf uns zukommt“, beschreibt sie die Motivation für ihr Engagement.

Dabei lernte sie auch den Klimaschutzmanager des Landkreises Hans Gröbmayr kennen und bewarb sich 2014 um ein Praktikum im Bereich Klimaschutz. „Ich hatte Hans Gröbmayr bei verschiedenen Veranstaltungen erlebt, war von seiner Begeisterungsfähigkeit fasziniert und von seinem unerschütterlichen Glauben daran, dass alles irgendwie zu schaffen ist“, berichtet Zankl. Sie bekam das Praktikum und wirkte bei der Entwicklung des Energie-Lehrpfades Glonn mit – insbesondere bei der Dokumentation. „Der Glonner Energiepfad zeigt wunderbar an 26 Stationen in vielfältigen Themen, wie Klimaschutz vor Ort umgesetzt werden kann“, begeistert sie sich für das Projekt.

Wieder wurde aus der Praktikumsstelle zunächst eine Teilzeitstelle, heute arbeitet Bärbel Zankl mit großer Freude in Vollzeit für die Energieagentur Ebersberg-München. Neben der Öffentlichkeitsarbeit ist das Hauptarbeitsfeld der Umweltspezialistin die LED-Beleuchtung, ob es nun um die Umstellung der Straßenbeleuchtung in den Landkreiskommunen, die Flutlichtanlagen der Sportvereine, die Beleuchtung von Firmenparkplätzen oder das Licht in privaten Haushalten geht. Bärbel Zankl schwört auf LED: „Bringt besseres Licht, ist energieeffizient, vermeidet CO2, spart Geld“, wirbt sie energisch. Seit zwei Jahren unterstützt die Energieagentur Kommunen auf dem Weg zur Sanierung der Straßenbeleuchtung. Eben hat Bärbel Zankl alle Bürgermeister und Gemeindebeauftragten für den 15. März zum nächsten Treffen des „Interkommunalen Arbeitskreises Straßenbeleuchtung“ ins Landratsamt Ebersberg eingeladen. „Gemeinsam und mit gezielter Unterstützung externer Experten können wir den Klimaschutz in den Kommunen voranbringen und manche Hürde nehmen“, ist sie überzeugt.

Ihr Spezialgebiet, die LED-Leuchtmittel, bestehen aus mehreren Leuchtdioden sowie einer elektronischen Schaltung; die versorgt die LEDs mit Strom – das ist ein rein physikalischer Vorgang. Wie das im Detail funktioniert, kann Bärbel Zankl genau erklären, Physik ist nach wie vor ihr Steckenpferd geblieben.

Susann Niedermaier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Blumenstrauß ohne Konfliktpotenzial“
„Brainstorming“ nennt sich neudeutsch das, was jetzt mit dem künftigen Baugebiet nördlich der Glonner Straße in Aßling geschieht.
„Blumenstrauß ohne Konfliktpotenzial“
Der erste Unfall am neuen Kreisel
Kaum zwei Tage in Betrieb, ist der Kreisel an der Seeschneider Kreuzung Schauplatz eines ersten Unfalls geworden. 
Der erste Unfall am neuen Kreisel
Zuwachs im grünen Wohnzimmer
25 Jahre Bergfeldpark – ein Habitat für alle Bewohner. Zum Jubiläum errichten die Gemeinde Poing und die ARGE Poing „Am Bergfeld“ 25 Insektenhotels in den Grünanlagen.
Zuwachs im grünen Wohnzimmer
Heimat entdecken
25 Radtouren in und um Poing hat Herbert Rauch vor fünf Jahren zusammengestellt. In einer Serie stellen wir einige vor.
Heimat entdecken

Kommentare