Firmenchef Stefan Christner mit dem Alles-Könner-Unimog für über 400 000 Euro.
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Firmenchef Stefan Christner mit dem Alles-Könner-Unimog für über 400 000 Euro.

Sehr gefragt: 26 Monate Wartezeit

Firma Bimobil aus Oberpframmern: Highend-Reisemobile für über 400 000 Euro

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Das Unternehmen baut im Industriegebiet Aich ausgefallene Wohnmobile. Mit Camping-Romantik aus den 1980er-Jahren haben Reisen mit Bimobilen nichts zu tun.

Oberpframmern – Bimobile im Süden der USA, Bimobile in der mongolischen Steppe, Bimobile in der Sahara. Wer durch die Geschäftsräume des Reisemobil-Bauers Bimobil aus Oberpframmern geht, bekommt Fernweh. Überall hängen Bildzeugnisse der Reise- und Expeditionsmodelle auf abenteuerlichen Reisen. „Wir bauen Fernreise-Mobile im Highend-Bereich“, sagt Firmenchef Stefan Christner.

Christner, 52, eigentlich Luft- und Raumfahrttechniker, sitzt im Führerhaus eines Wohnmobil-Monsters. Es ist ein Unimog, 9,8-Tonner. Mit Camping-Romantik aus den 1980er-Jahren haben Reisen mit diesem weinrot-silbernen Koloss nichts zu tun. In 1,20 Meter tiefem Wasser kann das Fahrzeug fahren, es verfügt über eine Umfeldbeleuchtung, eine ins Freie ausklappbare Sitzgruppe und ein Trinkwasser-Filtersystem. Reisende können mit dem Riesen dreckiges Seewasser in genießbares Trinkwasser umwandeln. 1000 Kilometer Reichweite, autarke Wasser- und Stromversorgung. Das ist entgrenzte Freiheit. Die hat allerdings ihren Preis: 431 231 Euro.

Christner: Das „Camping-Virus“ sei nicht heilbar

Wer kauft das? „Der Großteil unserer Kunden ist über 60. Es sind Akademiker, Ärzte, Menschen, die ihre Firmen verkauft haben“, sagt Geschäftsführer Christner. Seine Kunden seien schon in jungen Jahren viel gereist. Das „Camping-Virus“ sei nicht heilbar.

Der Großteil unserer Kunden ist über 60. Es sind Akademiker, Ärzte, Menschen, die ihre Firmen verkauft haben

Geschäftsführer Stefan Christner

Bimobil liefert 80 bis 100 Wohnmobile im Jahr aus. 70 Mitarbeiter sorgen für die nötige Expertise, Tendenz steigend. Der Mittelständler verkauft Fahrzeuge an Kunden aus ganz Deutschland, in Elmshorn und der Schweiz gibt es Händler. Die Käufer kommen nicht nur aus Europa, ein Kunde stammt aus der Mongolei.

Sein dreiachsiges Monstrum steht abholbereit auf dem Hof der Firma. Der Besitzer, durch Kohle und Erdöl reich geworden, will den Lkw für Jagdausflüge nutzen. Seine Bediensteten sollen das Gefährt in die Steppe fahren und kochen. Der reiche Mann und seine Besucher kommen mit dem Helikopter nachgeflogen, sagt Christner. Luxus-Camper, „Made in Oberpframmern“.

Sandwichplatten-Presse: Das kann nicht jeder Wohnmobilhersteller

Der Mann von Stefan Christners Tante, Raimund von Liebe, gründete 1977 das Unternehmen. Der Name damals: „Von Liebe Wohnmobile“. In Höhenkirchen verwandelte der Ingenieur vor allem Kastenwagen in Wohnmobile. 1979 erhielten die Fahrzeuge den Markennamen Bimobil – von der zweifachen Verwendung als Wohnmobil und Pritschenwagen abgeleitet. Der Trick: Die Wohnkabine kann vom Pick-up abgenommen werden, ohne Aufbau fährt man einen ganz normalen Pritschenwagen.

1988 zog die Firma zum neuen Firmengelände. Fortan produzierte Bimobil im Industriegebiet Aich in der kleinen Gemeinde Oberpframmern. 2011 kommt eine zweite Produktionshalle dazu, darin untergebracht ist seitdem eine größere sogenannte Sandwichplatten-Presse. Damit können Mitarbeiter im großen Stil Einlagen in den Sandwichverbund einleimen. Platten auf einer Länge von zwölf Metern können hergestellt werden. Das Dach einer Kabine kann so von vorne bis zum unteren Heck ohne Naht produziert werden. Das kann nicht jeder Wohnmobilhersteller.

26 Monate muss ein Kunde auf sein Bimobil warten

Arbeit gibt es genug. Seit rund vier Jahren liegen Reisemobile stark im Trend, sagt der Firmenchef. 26 Monate muss ein Kunde auf sein Bimobil warten. Der Kauf: gut überlegt. Zwei Jahre vergehen oft vom Erstkontakt bis zum Kaufvertrag. Ein bis zwei Tage dauert die Beratung.

Blick ins Innere eines Oldtimer-Bimobils: An Komfort soll es unterwegs nicht mangeln.

„Die Urlaubsform Camping hat mit Corona noch einen Schwung gekriegt“, sagt der Ingenieur. Volle Campingplätze spielen der Firma zusätzlich in die Karten: Reisende wollen sich ihre Stellplätze selbst suchen. Ein Allrad-Antrieb ist dabei von Vorteil, so Christner.

Der Unternehmer selbst verbringt rund ein Drittel des Jahres im Wohnmobil. Manchmal arbeitet er in der klimatisierten Kabine. Im Urlaub oder während Messeveranstaltungen schläft er darin. „Hotels sind keine Option für mich“, sagt Firmenchef Christner.

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