Ein Mitarbeiter des Oberpframmerner Helferkreises berichtet

Asyl: Frust auf allen Seiten

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Christof Bachmeier sagt ganz offen, dass es natürlich ein schwieriges Thema sei und dass dieses natürlich kontrovers diskutiert werden dürfe. Bachmeier sagt aber auch: Viel Fehlinformationen und Halbwissen präge die Debatte. Es geht um Asylbewerber in Deutschland – genauer: in Oberpframmern.

Oberpframmern – Christof Bachmeier ist Mitglied im Helferkreis Asyl. Er hat klare Ziele. Den Menschen Fakten über Flüchtlinge aufzeigen. Und den Flüchtlingen helfen.

Christof Bachmeier, Mitarbeiter desAsylhelferkreises.

Wer Bachmeier unterstellt, er sei undifferenziert und unkritisch, dem antwortet er so: „Wir als Helfer haben gelernt, kritisch hinzuschauen, sowohl auf die Politik, als auch auf die Flüchtlinge. Uns ist bewusst, dass nur ein geringer Teil der Asylbewerber langfristig hier bleiben kann.“ Und: „Unsere Aufgabe ist, den Menschen, die in Not zu uns gekommen sind, zu helfen. Erst einmal, damit sie überleben, ein Dach über dem Kopf haben.“ Bachmeier will nicht moralisieren. Er sagt, dass es Flüchtlinge gebe, an denen das Engagement der Helfer vergeudet sei. Er sagt aber auch, dass viele Potenzial hätten und auch eine Chance für das Land seien.

Die Situation in Oberpframmern sei gut. „Dank des kraftvollen Einsatzes unserer Helfer“, sagt Bachmeier. Im Februar 2016 habe sich der Kreis aus ehrenamtlichen Helfern gegründet, 30 Freiwillige betreuen aktuell elf Asylbewerbern aus Nigeria in der Unterkunft in einer Münchener Straße. Außerdem lebt eine Familie aus Syrien, Eritrea und Nigeria in Oberpframmern. Es sind Sprachkurse, die die Helfer um Christof Bachmeier und den Vorsitzenden Klaus Pastusiak anbieten. Formalien, die sie mit Behörden klären. Oder einfach da sind, wenn die Menschen jemanden zum Reden brauchen.

Doch Stück für Stück mache sich Frustration breit, bei den Helfern, bei den Behörden und bei den Flüchtlingen. Bachmeier ist sauer und verärgert. Bachmeier berichtet, dass ein klarer Plan der Politik fehle. Die freiwilligen Helfer würden die Integration übernehmen, kennen die Flüchtlinge ganz genau, doch von der Politik komme nichts, kein Zugeständnis, keine klare Linie. „Wir haben Insiderwissen, welches Politiker nicht haben“, sagt Bachmeier. „Wir sollten miteinbezogen werden.“ Die Beamten, im Landratsamt zum Beispiel, seien frustriert, weil sie abarbeiten müssten, „was von oben angeordnet werde“.

Und die Flüchtlinge seien frustriert, weil sie „oft nur rumsitzen können“, wie Bachmeier sagt. Es gebe Asylbewerber, die dürften nicht arbeiten, weil sie keine Papiere besitzen und noch nie ihrem Leben, auch in ihrem Heimatland, besessen hätten (in Nigeria gebe es keine Ausweispflicht). In Bayern bekommen so Nigerianer nur ganz schwer eine Arbeitserlaubnis, da die Staatsregierung seit Dezember 2016 diese für Asylbewerber mit „geringer Bleibeperspektive“ verweigere, sofern sie keinen offiziellen Identitätsnachweis vorlegen können.

Der Appell Bachmeiers: Die Politik müsse ein Zeichen setzen, Flüchtlinge individueller betrachten und nicht einfach nur „ruhigstellen“. Bei einer Mitgliederversammlung des Helferkreises Asyl, am Dienstag, 27. Februar, um 19 Uhr, im Sitzungssaal der Gemeinde Oberpframmern werden Bachmeier und seine Kollegen die mahnenden Worte wiederholen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Winfried Roth

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