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Annette Bayer trägt einen herkömmlichen Badeanzug, die Hände schützt sie mit Neopren-Handschuhen.

Annette Bayer (57) aus Oberpframmern

Die Eisschwimmerin vom Steinsee

Annette Bayer aus Oberpframmern hat die Badesaison eröffnet - am Steinsee in der Gemeinde Moosach. Der 57-Jährigen kann das fünf Grad kalte Wasser nichts anhaben. 

Oberpframmern – Leise kraust der Wind am Steinsee das Wasser zu Wellen, bläst Gischt obendrauf. Die Märzsonne schiebt Wolken beiseite, Wärme täuscht sie nur vor um diese Jahreszeit. Ein bisschen verrückt ist es schon, bei gerade Mal fünf Grad Wassertemperatur und ersten Sonnenstrahlen ins Wasser zu gehen. Die einsame Schwimmerin zieht noch eine letzte kurze Runde, bricht ab, nähert sich sachte dem Ufer.

„Grüß Gott, zum Steinsee- Saisonbeginn“, ruft sie mit kräftiger Stimme und winkt aus dem eisigen Nass. Vor dem Schwimmen taucht Annette Bayer (57) stets das Thermometer in den See. „Da waren Spaziergänger“, ruft sie, „die steckten einen Finger ins Wasser und zogen ihn blitzartig wieder heraus.“ Einen kleinen Schwimmzug noch, jetzt hat sie genug.

Kein Stöhnen, kein Zittern, nicht mal Frösteln

Wie kommt eine Frau bei fünf Grad wohl aus dem flüssigen Eis? Starr gefroren? Schlotternd? Die Pframmernerin steigt locker aus dem Wasser, sie hat schwarze Handschuhe an, über die Ohren ein breites schwarzes Band, schwarze Schuhe bis zu den Knöcheln. Auf den ersten Blick ist ihr nichts anzumerken, dass sie eben ein wildfrostiges Erlebnis hinter sich hat. Kein Stöhnen, kein Zittern, nicht mal ein Frösteln. Einzig ihr hochroter Körper gibt Signal, dass er im Inneren heftig um den Erhalt der Körpertemperatur kämpft.

 Geht das aufs Herz, das Schwimmen bei diesen Wassertemperaturen? „Nicht unbedingt“, weiß Annette Bayer aus ihrer jahrelangen Erfahrung. „Je kälter das Wasser, umso langsamer schwimme ich, langsames Schwimmen belastet den Kreislauf nicht so sehr.“

Badeanzug aus normalem Stoff

„Alles Neopren“. Sie hebt eine Handschuhhand hoch und streift das Stirnband ab. Deutet auf den hellblauen Badeanzug. „Der ist aus normalen Stoff“, betont sie stolz. Geht auf einen großen Baum zu, holt sich das Handtuch, reibt sich kräftig Beine und Arme ab und wickelt schnell das gelbe Tuch um den Körper. Schlüpft rasch in den weißen Bademantel, wechselt die Schuhe und fährt nach Hause zu heißer Dusche und Holundertee.

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Hier im Ort in Oberpframmern führt sie ein Leben zwischen Haushalt, Beruf, Nachbarschaftshilfe und anderen Ehrenämtern. Als völlig normale Frau. Die Schwimmerin am See – ist ihr anderes, ein wilderes Leben.

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Der Wind bläst jetzt stärker, kein weiterer Schwimmer im See. Ein Seil schlägt unruhig an den Rettungsmasten am Steg der Wasserwacht. Hilfe gibt es keine hier, die Station ist im März nicht besetzt.

Susann Niedermaier

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