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Ein Bild des Schreckens: Der total zerstörte Mercedes des 51-Jährigen an der Unfallstelle bei Schlacht.

Prozess in München

Mann (52) verliert seine Frau bei Unfall - und steht vor Gericht

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Oberpframmern - Bei dem Unfall im Juli 2014 hatte er seine Frau verloren. Bei einem Unfall, den er selbst verschuldete. Es folgte ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht, das den 52-jährigen Mann aus Oberpframmern freisprach. Jetzt stand er vor dem Landgericht München.

Es ist eine tragische Geschichte. Das stellte auch die Richterin gleich klar. Ein Ehepaar aus Oberpframmern war am 13. Juli 2014 im Mercedes in Richtung Glonn unterwegs, als das Auto bei regennasser Fahrbahn mit einem entgegenkommenden BMW zusammenstieß. Die Ehefrau (50) auf dem Beifahrersitz des Mercedes starb bei dem Unfall, die Insassen des BMW wurden verletzt. Gegen den Ehemann (52) lief seitdem ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung. Jetzt fand das Verfahren ein Ende – nach einer hitzigen Verhandlung am Landgericht. Mit der Frage: Ist der Mann nicht schon gestraft genug?

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft München II einen Strafbefehl gegen den Spengler beantragt. Laut einem Sachverständigen war der Mercedes mit ungarischem Kennzeichen in einer Linkskurve ins Schleudern geraten und dort mehrfach mit dem BMW kollidiert. Die Ermittler waren zum Ergebnis gekommen, dass die hinteren Reifen, einer 14 und einer 13 Jahre alt, schon zu viele Jahre auf dem Buckel und deshalb keinen Grip mehr hatten. Der 52-Jährige habe demnach seine Pflicht verletzt, das Fahrzeug in sicherem Zustand zu halten. Das Amtsgericht Ebersberg erließ den Strafbefehl allerdings nicht, sondern verhandelte am 13. August 2015. Das Ergebnis: Freispruch. Doch die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, so dass am Landgericht München II erneut verhandelt wurde.

Der Angeklagte saß – mit ungarischem Dolmetscher – in sich gekehrt auf der Anklagebank und wusste nicht viel zu berichten. Er sei von oben nach unten gefahren, in einer Kurve, „die Straße kippt dort ein bisschen“. Er sei „normal“ gefahren. Den entgegenkommenden BMW habe er nicht gesehen. Und sein Fahrzeug habe sich auch nicht gedreht. „Bis ich den explosionsartigen Knall gehört habe, habe ich meine Spur nicht verlassen.“ Der BMW könne aber halb auf seiner Spur gewesen sein. Dem Gutachten des Verkehrs-Sachverständigen konnte er nicht glauben. Sein Verteidiger betonte, dass der 52-Jährige wegen des Todes seiner Frau große Probleme mit der Erinnerung an den Unfall und dessen Verarbeitung habe.

Die Feuerwehrbilanz 2015: Knapp eine Million Notrufe

Richterin: Halter ist verantwortlich für sein Fahrzeug

Die Richterin erkannte die Tragik des Unfalls, sprach aber gleichwohl wegen der alten Reifen von einem „wackligen Freispruch“. „Der Halter ist verantwortlich für sein Fahrzeug“.

Verteidiger Peter Klein setzte sich nun vehement für seinen Mandanten ein und legte sich auch lautstark mit Staatsanwalt Florian Burckhardt an. Der 52-Jährige sei zwar mitverantwortlich, aber nicht im strafrechtlichen Sinne. Er sehe sich im Freispruch richtig aufgehoben. Das Reifenprofil sei okay gewesen. „Es war ein tragischer Unfall.“ Der Verteidiger verstand nicht, „warum man bei so einem tragischen Unfall auf Biegen und Brechen eine Verurteilung betreiben will“. Der Oberpframmerner sei „genug sanktioniert“.

Der Staatsanwalt verwehrte sich gegen den Vorwurf, „auf Biegen und Brechen“ eine Verurteilung betreiben zu wollen. Diese Aussage sei „grenzwertig“. Es gehe hier immerhin darum, dass ein Mensch getötet worden sei, eine Person schwer und eine weitere mittelschwer verletzt worden seien. „Der Verteidiger tut so, als ob ich eine persönliche Fehde gegen den Angeklagten führen würde.“ Die schlichtenden Worte der Richterin führten schließlich dazu, dass beide Seiten einer Einstellung des Verfahrens zustimmten. Als Auflage muss der Oberpframmerner 1800 Euro zahlen.

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