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Ockel: Kirchseeon ist extrem sicher

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Die Marktgemeinde Kirchseeon, hier die Ortsmitte, soll sicherer werden, fordert die SPD. Foto: Stefan Rossmann
Die Marktgemeinde Kirchseeon, hier die Ortsmitte, soll sicherer werden, fordert die SPD. Foto: Stefan Rossmann

Kirchseeon - Gemeinderat fegt SPD-Antrag vom Tisch: Sozialdemokraten wollten mit Arbeitskreis auf Einbruchserie reagieren.

Auf die Einbruchsserie im westlichen Landkreis wollte die SPD-Fraktion im Kirchseeoner Gemeinderat mit der Gründung eines Arbeitskreises „Schutz und Sicherheit“ reagieren. Einen entsprechenden Antrag haben die Sozialdemokraten in der jüngsten Sitzung eingebracht - und sind damit bei allen anderen Fraktionen abgeblitzt.

Auslöser waren einige Kirchseeoner gewesen, die sich in den vergangenen Monaten mit der Bitte ans Rathaus gewandt hatten, mehr gegen die vermehrten Wohnungseinbrüche zu unternehmen. Diesem Wunsch wollte die SPD nun mit der Gründung eines überfraktionellen Arbeitskreises Rechnung tragen. Gemeinsam mit Fachleuten und interessierten Bürgern wollte man sich Gedanken machen, was die Gemeinde für mehr Sicherheit und Schutz leisten könne.

„Keinesfalls soll der Arbeitskreis polizeiliche Aufgaben übernehmen“, sagte SPD-Rätin Manuela Obert. Vielmehr denke man an eine vermehrte Information der Bevölkerung, Präventionsarbeit und eine Vernetzung mit umliegenden Gemeinden. Außerdem wolle man ein Zeichen setzen und sich mit einem offenen Brief an Innenminister Joachim Herrmann wenden, die vom Staat sicherzustellende Sicherheit einfordern. „Die Polizei speckt personell ab und gleichzeitig schnellen die Einbruchszahlen bundesweit in die Höhe“, sagte Obert. „Da kann man nicht die Augen davor verschließen, was vor der Tür steht.“ Zumindest sollte man den Versuch starten, etwas zu unternehmen, bevor sich die Kirchseeoner noch selbst helfen wollen und Bürgerwehren gründen. „Das sollten wir tunlichst vermeiden“, ermahnte Obert: „Vielleicht können wir Lösungsansätze formulieren, die Kriminalität in Zukunft einzugrenzen. Einen Versuch ist es wert.“

Die anderen Fraktionen sahen das anders und fegten den SPD-Vorschlag vom Tisch. Sie glaubten nicht an den Erfolg eines Arbeitskreises. Man habe mit Informationsabenden und Tipps im Gemeindeblatt bereits alles getan, um die Bürger zu sensibilisieren und darüber zu informieren, wie sie sich und ihr Haus am besten schützen könnten. Außerdem habe es Einbruchserien schon immer gegeben, bemerkte Klaus Seidinger von den Freien Wählern. CSU-Rat Paul Hörl, selbst pensionierter Polizist, erklärte das Phänomen. Immer wieder schwappten Einbruchsserien wie Wellen über einen Landstrich. Jedoch selbst mit größtem Personaleinsatz sei es für die Polizei extrem schwierig, die professionellen Banden zu schnappen. Hörl legte außerdem aktuelle Kriminalitätsstatistiken von Körperverletzung über Einbruch bis hin zu Vandalismus vor. „Unterm Strich ist es bei uns extrem sicher“, fasste Bürgermeister Udo Ockel (CSU) zusammen. Einig war man sich, das Thema Sicherheit ernst nehmen zu müssen. Jedoch sahen Freie Wähler, CSU und Grüne nicht, was ein Arbeitskreis leisten sollte. „Das wird alles schon von Fachleuten der Polizei bearbeitet. Auch wir können das Rad nicht neu erfinden“, sagte Ockel.

Die Ablehnung empfinde Obert als niederschmetternd und enttäuschend: „Ich bin entsetzt“, sagt sie. Obert ist der Meinung: „Es gibt nichts, was nicht verbessert werden kann. Das muss man doch nicht persönlich nehmen, als ob hier etwas schief läuft.“ Im Gegenteil müsse sich die Gemeinde darum bemühen, weiterhin als Wohnort für Familien attraktiv zu bleiben.

Zwar gesteht Obert ihr Scheitern im Gemeinderat ein: „Das ist leider Fakt.“ Dennoch bleibe sie am Ball, verspricht sie. Ihr schwebt etwa ein Netzwerk mit den SPD-Fraktionen aus den Nachbargemeinden vor, zum Erfahrungsaustausch. Frustriert ist sie dennoch. „Es war uns wichtig, den Arbeitskreis überfraktionell zu besetzen, damit aus der Mitte unserer Gemeinde heraus das Signal gekommen wäre, dass wir etwas tun.“

Eine Entscheidung, ob die Kommune einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt, steht noch offen. Dieses Thema war in der vorletzten Sitzung aufs Tapet gebracht worden.

Uta Künkler

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