Durch dieses heute landwirtschaftlich genutze Gebiet führt die geplante Grafinger Ostumfahrung. Foto: Robert langer

Ostumfahrung: Die Grünen wetzen die Messer

Grafing - Die Grünen in Grafing opponieren weiter gegen die geplante Ostumfahrung. Ihr Ziel: Der Stadtrat soll in einer seiner nächsten Sitzung die neuen Pläne nicht einfach passieren lassen.

„Wir geben als erste Partei in Grafing den Startschuss für eine neue Runde in der Diskussion über die Ostumfahrung“, sagte Heinz Fröhlich am Montagabend bei der „Grünen Runde“ selbstbewusst vor den versammelten Mitgliedern und Interessiertern. „Wir haben alle Berechtigung, darauf hinzuweisen, was im Rosenheimer Straßenbauamt nun geplant worden ist.“ Für die Grünen sei nämlich weiterhin die Straße abzulehnen, die Änderungen seien schlicht ungenügend, ließ der Ortsvorsitzende durchblicken. „Wir müssen überlegen, was wir weiter tun können, dass es diese Straße nicht gibt. Wir müssen kreativ sein, wie man die politischen Kräfte zum Widerstand mobilisieren kann“.

Ins Auge gefasst sei zumindest schon eine große Veranstaltung vor dem entscheidenden Stadtratsbeschluss Mitte November. Schließlich sei vom Rosenheimer Straßenbauamt der Stadtratsbeschluss, die Trasse niveaugleich oder in gar in Trogbildung auszuführen, nicht umgesetzt worden, konstatierte Fröhlich. Stattdessen gebe es zwischen der Rosenheimer und Rotter Straße immer noch einen Damm, wenn auch nur noch knapp 1,70 Meter hoch. Der Preis seien gleich drei Dämme, zwei, auf denen die Straße verlaufe und im Bereich der Schule und des Sportgeländes ein bis zu drei Meter hoher Lärmschutz. Dies sei „mit das übelste Ding, das jetzt geplant“ werde. Hinzu komme der bis zu sechs Meter hohe Damm am Anschluss an die Ebersberger Südumgehung. Die dort schon gebaute Brücke geben einfach dieses Niveau vor.

Verbesserungen hätten nur die Geh- und Radwegverbindungen erfahren. Aufschlussreich ist für Fröhlich auch die den Unterlage zur Planfeststellung neu beigefügte Verkehrsprognose für das Jahr 2025. Die gehe von einer Verkehrszunahme um zehn Prozent aus, trotz verkehrsfördernder Maßnahmen auf der Staatsstraße zwischen Rosenheim und dem Flughafen, etwa durch den Bau der Flughafentangente oder die Beseitigung von Engstellen, etwa jene bei Weiching. Diese machten die Straße zwar schon bürgerfreundlich, nämlich für den Autofahrer, „nicht aber für den Grafinger Bürger“, sagte Fröhlich. „Es geht also nur um eine rein regionale Ertüchtigung, auf Grafing nimmt dabei keine Rücksicht.“

Fakt sei nämlich auch, dass die am Marktplatz errechnete Verkehrsentlastung nach wie vor sehr bescheiden sei, nämlich nur 13 Prozent betrage. Der Marktplatz werde „also bei weitem keine Piazza italiana“. Als weiter großes Problem erscheine ihm die für die Rotter Straße prognostizierte Verkehrzunahme um 26 Prozent. „Da wird eine massive Verkehrsballung, die ganz arg enge Einmündung am Marktplatz wird zum Dauerproblem.“ Dagegen werde für Grafing-Bahnhof nur noch von einer Entlastung um zwei Prozent ausgegangen. Und „sehr aufschlussreich“ ist für Fröhlich auch die Prognose, dass die nördliche Wasserburger Straße nicht mehr um 100, sondern nur noch um 80 Prozent entlastet werde. „Das ist ein eindeutiger Hinweis, dass die Straße nach Ebersberg entgegen aller Beteuerungen der Bürgermeister, doch offen bleibt.“

Landschaftsfreundlich könne die 7,2 Millionen teure Straße auch nicht genannt werden, fügte Fröhlich an. Von Lärm- und Schadstoffeinträgen in Wohngebieten sei in den Planunterlagen die Rede. Auch von einer Flächenversiegelung von acht Hektar. Zudem würden Schädigungen für Boden, wasser, Tier- und Pflanzenwelt vorhergesagt. All das führe zu einem „klaren Resümee“.

Da sei der Blick auf die Grafinger CSU eigentlich nur noch „eine kleine Petitesse“: „Wir wissen ganz genau, dass es einflussreiche CSU-Mitglieder gibt, die die Straße in dieser Ausgestaltung auch nicht wollen.“ Denn die Straße könne wie von ihnen gefordert, weder bürgerfreundlich, noch landschaftsfreundlich sein. „Daran kann auch diese aktuelle Tektur nichts ändern.“ Die CSU sei tief gespalten, sie habe den Fehler gemacht, sich „auf eine wachsweiche Angelegenheit eingelassen“ zu haben. „Dafür wetzen wir jetzt die Messer“, gab sich Fröhlich kämpferisch.

Von Eberhard Rienth

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