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Der Saal bleibt erhalten: Karl „Charly“ Müller im ersten Stock der Post.

Ehemaliger Kirchenpfleger übernimmt „Alte Post“ in Parsdorf

„Charly“ und sein Wirtshaus 

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Die Traditionsgaststätte „Zur alten Post“ in Parsdorf, ehemals im Eigentum der katholischen Kirche, hat einen neuen Besitzer. Der ist im Ort kein Unbekannter. Karl „Charly“ Müller war zwölf Jahre lang, bis 2012, Kirchenpfleger der Kuratie Neufarn und damit auch für die Post zuständig. Er kennt das Gebäude, dessen Geschichte bis in das Jahr 1443 zurückreicht, wie kaum ein anderer.

Die Traditionsgaststätte „Zur alten Post“ in Parsdorf, ehemals im Eigentum der katholischen Kirche, hat einen neuen Besitzer. Der ist im Ort kein Unbekannter. Karl „Charly“ Müller war zwölf Jahre lang, bis 2012, Kirchenpfleger der Kuratie Neufarn und damit auch für die Post zuständig. Er kennt das Gebäude, dessen Geschichte bis in das Jahr 1443 zurückreicht, wie kaum ein anderer.

Parsdorf - Zuletzt war die Wirtschaft über mehrere Jahre geschlossen. Derzeit wird renoviert. Die Wiedereröffnung ist für den Vatertag kommenden Jahres geplant, also an Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 10. Mai. „Das ist ein sportliches Ziel. Ich weiß derzeit noch nicht, ob wir den Termin einhalten können“, sagt Müller. Durch den Kaufvertrag ist er verpflichtet, die Gaststätte 25 Jahre lang zu erhalten. Dadurch soll verhindert werden, dass das wertvolle Grundstück anderweitig bebaut wird. Es gibt aber eine Ausstiegsklausel für Notfälle.

Unter der legendären Wirtin Helga war die „Alte Post“ samt großem Biergarten eine Institution. Der Saal mit rund 200 Plätzen war das Kulturzentrum im Norden der Gemeinde Vaterstetten. Große Veranstaltungsstätten sind in der Kommune absolute Mangelware. Die Debatte um den Bau eines Bürgersaals ist ein leidiges Thema.

Doch 2013 gab Helga Clement krankheitsbedingt auf. Ein neuer Wirt wurde gefunden. Doch der hielt sich nicht lang. Die Gaststätte wurde schon bald wieder geschlossen. Dass mangelnder Brandschutz der Grund war, weist Charly Müller zurück.

Ein von der Kuratie in Auftrag gegebenes Gutachten zu den nötigen Instandhaltungsmaßnahmen ging von Kosten von knapp 500 000 bis 1,24 Millionen Euro aus, je nach Umfang der Arbeiten. Die Kirche versuchte, die Gaststätte als Erbbau-Objekt zu verkaufen, auch um sich Einfluss auf die Nutzung zu sichern. Zudem nutzte die Kirchen-Gemeinde Räume im Gebäude. Das Bieterverfahren scheiterte jedoch, obwohl die Frist verlängert wurde. Besorgte Parsdorfer schlossen sich mit dem Ziel zusammen, die Gaststätte zu retten. Es ging um eine Genossenschaftslösung.

Gastlichkeit seit 1443: Die alte Post in Parsdorf wird derzeit renoviert und teilweise entkernt.

Es gab mehrere Ansätze. Unter anderem war ein Tausch im Gespräch. Der Vorschlag: Die Kirche gibt die Gaststätte an die Gemeinde und erhält dafür ein Ersatzgrundstück. Doch auch daraus wurde nichts. Schließlich kaufte die Gemeinde die Immobilie für 850 000 Euro. Für den gleichen Preis wurde die Gaststätte schließlich an die Familie Müller weiter veräußert. Die Verhandlungen gestalteten sich aber schwierig und zogen sich hin. „Das war sehr bürokratisch. Ich war manchmal kurz davor, alles hinzuschmeißen. Aber wenn ich nicht zugeschlagen hätte, wäre die Post noch weiter geschlossen geblieben.“ Vaterstettens Vizebürgermeister Martin Wagner habe sich immer wieder als Vermittler eingeschaltet. „Das hat geholfen.“

Derzeit wird das Gebäude teilweise entkernt. Eine feuchte Wand aus uralten Steinen, so genannten „Feldbummerl“, zwischen der Küche und dem Stüberl, in dem früher die Gemeinderatssitzungen stattfanden, wird entfernt. Zuvor muss die Decke abgestützt werden. Erhalten werden soll die sehr alte Außenwand zum Biergarten. „Dort sind noch Spuren des Brandes zu sehen, der Ende des 18. Jahrhunderts fast den ganzen Ort und auch einen Teil der Wirtschaft zerstörte“, sagt Müller. Aus der ehemaligen Metzgerei soll eine Gaststube werden. „Es ist viel zu tun. Der jahrelange Leerstand war nicht gut für das Gebäude“, so Müller.

Einen Wirt, der die Gaststätte führen soll, hat Müller bereits gefunden. Auch den Entwurf der Speisekarte gibt es bereits. „Es wird traditionelle bayerische Küche angeboten werden“, erklärt Müller. „Und natürlich ein Postpfanderl.“

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