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So ist es geplant: Der neue Gewerbekomplex in Parsdorf mit großen Hallen und Photovoltaik auf dem Dach.

Bund Naturschutz warnt

Großprojekt Gewerbegebiet birgt Risiken

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Ist das neue Gewerbegebiet in Parsdorf ein ökonomisches Risiko für die Gemeinde Vaterstetten? Der Bund Naturschutz hegt diese Befürchtung und hat deshalb erneut eine Stellungnahme an das Bauamt der Gemeinde gerichtet.

Vaterstetten – Dass die Bedenken der Ortsgruppe des Bund bisher an der Kommune abgeperlt sind und lediglich zur Kenntnis genommen wurden, sorgt für Unverständnis. Deshalb wurde in einem weiteren Schreiben noch einmal nachgelegt.

Ortsvorsitzender Heinz Vierthaler wie auch Kreisvorsitzender Olaf Rautenberg glauben nämlich nicht daran, dass die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde Vaterstetten wegen des Großprojektes langfristig gesichert werden können. „Das halten wir für eine fatale Fehleinschätzung.“

„Geringer Gewerbesteueranteil“

Der Bund untermauert seine Skepsis so: Da das von BMW geplante Logistikzentrum kein eigenständiges Unternehmen sei, würde der Gewinn der BMW AG zur Ermittlung der Gewerbesteuer je Gemeinde „entsprechend ihrer jeweiligen Lohnsumme zerlegt. Da dieses Lohnvolumen für die geplanten 200 Mitarbeiter des Logistikzentrums eher unter dem BMW-Durchschnitt liegen dürfte, ist davon auszugehen, dass der Gewerbesteueranteil für die Gemeinde Vaterstetten nur sehr bescheiden ausfallen wird“, sagen Vierthaler und Rautenberg, die das Projekt aus ökonomischen und ökologischen Gründen ablehnen.

Die starke Abhängigkeit von den erhofften hohen Gewerbesteuereinnahmen würde ein erhebliches Risiko für den kommunalen Haushalt der Gemeinde darstellen. Das gelte sinngemäß auch für das zweite Unternehmen, das sich dort ansiedeln will, nämlich die KraussMaffei Technologies GmbH.

„Größter Rückschlag“

Was für den Bund ebenfalls schwer wiegt: „Nach unserer Einschätzung wäre das so geplante Gewerbegebiet die Maßnahme im Landkreis Ebersberg, die gerade durch das induzierte Verkehrsaufkommen und den Energieverbrauch der größte CO2-Emittent wäre und damit der größte Rückschlag für das vom Kreistag mehrmals einstimmig beschlossene Ziel, bis zum Jahre 2030 unabhängig zu sein von fossilen und anderen nicht erneuerbaren Energieträgern.“

Vierthaler und Rautenberg berufen sich bei dieser Argumentation auf eine hypothetische Anzahl von 4000 Fahrzeugbewegungen täglich „allein für die Mitarbeiter“ die man aus der Anzahl der insgesamt vorgesehenen 1735 Parkplätze ableiten könnte. Andererseits aber lägen keine Informationen darüber vor, „auf welchem Weg die geplanten 2100 Beschäftigten im Gewerbegebiet „ihren Standort in Parsdorf erreichen werden“ – nämlich etwa mit der S-Bahn.

Die Größe der Parkhäuser erscheint dem Bund unter diesem Aspekt eher willkürlich gewählt und sei widersprüchlich. „Entweder die geplante Kapazität der Parkhäuser ist erheblich höher als benötigt, oder die Anzahl der Arbeitsplätze ist zu niedrig angesetzt“, geben Vierthaler und Rautenberg zu bedenken.

BN glaubt nicht an neue Arbeitsplätze

Dass mit dem neuen Gewerbegebiet signifikant neue Arbeitsplätze für Beschäftigte aus der Gemeinde Vaterstetten entstehen werden, glaubt der Bund nicht. Die würden vermutlich weiterhin durch eigene Mitarbeiter der beiden Unternehmen eingenommen werden, „die dann entweder von ihrem bisherigen Wohnort nach Vaterstetten einpendeln oder durch einen Wohnortwechsel nach Vaterstetten den Druck auf den heimischen Wohnungs- und Immobilienmarkt vehement verstärken werden.“ In Vaterstetten herrsche dabei ohnehin Vollbeschäftigung, wie aus aktuellen Daten des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum hervorgehen würde.

Lesen Sie auch: So wird‘s in Parsdorf aussehen

Nicht nur der Bund Naturschutz ist skeptisch, was die Dimension des neuen Gewerbegebietes in Parsdorf betrifft. Auch die Vaterstettener SPD-Fraktion kritisierte bereits, dass es zu wenig Bemühungen gebe „auch mal kleinere lukrative Betriebe mit weniger Flächenverbrauch anzusiedeln“.

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