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Kirche und Gemeinde haben sich geeinigt: Die Kommune kauft die Alte Post in Parsdorf.

Gemeinde kauft „Alte Post“ in Parsdorf

Vaterstetten schenkt sich ein Wirtshaus zum Geburtstag

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Vaterstetten - „Frohe Kunde zur Weihnachtszeit: Die Parsdorfer Traditionsgaststätte „Alte Post“ ist gerettet.“ Das teilte das Rathaus Vaterstetten mit. Zugleich blieben die kirchlich verwendeten Räume im Gasthaus erhalten. Eigentümer war bisher die katholische Kirche.

Die Gremien des Erzbischöflichen Ordinariats haben laut Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler) dem Verkauf des Anwesens zu einem Preis von 850 000 Euro zugestimmt. Somit wird die Gemeinde Vaterstetten Eigentümerin ihrer Geburtsstätte. Die Posthalterei und die Gaststätte an diesem Platz waren bei der Gemeindegründung am 26. Juni 1818 ausschlaggebend, dass Parsdorf zum Gemeindesitz benannt wurde. Der damalige Gemeinde Vorsteher Melchior Rohrmoser unterzeichnete die Gründungsurkunde.

Gemeinde Vaterstetten wird Eigentümerin ihrer Geburtsstätte

Der heutige Bürgermeister Georg Reitsberger hofft nun, die Gaststätte bis zur 200-jährigen Wiederkehr des Ereignisses wieder im alten Glanz erstehen lassen zu können. Im Saal soll der Geburtstag der Gemeinde gebührend gefeiert werden. Wenn es nach dem Bürgermeister geht, soll das Gebäude nicht abrissen, sondern saniert werden. Die Kosten dafür wurden zwischen 650 000 und deutlich mehr als zwei Millionen Euro geschätzt.

Hintergrund: Die seit 1443 bestehende Gaststätte ist seit 1979 im Eigentum der Kirchenstiftung der katholischen Kuratie Neufarn. Nachdem die legendäre Wirtin Helga Clement gesundheitsbedingt aufgeben musste, hatte die Gaststätte einen neuen Pächter. Das ging aber schief. Im August 2014 kam die Kündigung. Auch der Brandschutz spielte damals eine Rolle. Die „Post“ blieb zu.

Zuerst war ein Tauschgeschäft geplant

Angedacht war dann ein Tauschgeschäft. Die Gemeinde sollte die „Post“ samt dem Grundstück erhalten, die Kirche im Gegenzug das Grundstück des Kindergartens neben der Feuerwehr in Parsdorf. Doch das kam nicht zustande. Ein „Verein zur Rettung der Alten Post Parsdorf“, wurde gegründet, der unter anderem auf eine eine Genossenschaftslösung setzt.

Im September war klar, das die Gemeinde die Gaststätte selbst erwerben wollte. Der Gemeinderat steckte in nichtöffentlicher Sitzung einen Finanzrahmen für die Verhandlungen ab. Laut einem Gutachten bestanden im historischen Gebäude gravierende Brandschutzmängel und Bauschäden, „die das normale Maß der altersbedingten Abnutzung überschreiten“. Das Bestandsgebäude wurde deshalb wie ein „Abbruchobjekt beurteilt“, hieß es im Rathaus.

Bürger-Engagement hat sich ausgezahlt

Letztendlich habe sich das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger ausgezahlt, dauerhaft ein Objekt von herausragender historischer Bedeutung zu erhalten, heißt es jetzt aus dem Rathaus. „Nun gilt es, die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb zu schaffen“ betont Reitsberger. „Dazu gibt es bereits Überlegungen. Das Ratsgremium der Gemeinde Vaterstetten wird sich sehr bald mit diesem Thema befassen.“

Reitsberger bedankt sich ausdrücklich bei den kirchlichen Gremien, die sich in ihren Beschlüssen sehr klar zum Erhalt des Objekts geäußert haben. „Unseren Bürgern wünsche ich, dass der Ortskern von Parsdorf mit seinem Wirtshaus wieder ein lebendiger Mittelpunkt unserer Gemeinde wird, ein Blickfang und freundlicher Ort für viele Gäste.“

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