Pflanzengift im Körper

Landkreis - Der Bund Naturschutz stellt Glyphosat im Urin von Bürgern aus dem Landkreis fest und spricht von Gesundheitsrisiko.

Glyphosathaltige Spritzmittel sind weltweit die am meisten verwendeten Pflanzengifte. Das Toxin wird über die Blätter aufgenommen und verteilt sich in der ganzen Pflanze.

„Aber Glyphosat tötet nicht nur alle grünen Pflanzen sondern bedroht auch die menschliche Gesundheit“, sagen Olaf Rautenberg, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz und Klaus Schöffel, Sprecher des Arbeitskreis Gentechnik.

Deshalb habe die Kreisgruppe Ebersberg im Rahmen der Aktionen zur Aufklärung über die Risiken des Pflanzengift Glyphosat Ende letzten Jahres Untersuchungen des menschlichen Urins veranlasst.

Alle Studienteilehmer hatten das Gift im Urin 

„15 Personen aus zehn Landkreisgemeinden haben daran teilgenommen. Alle Personen stammen nicht aus der Landwirtschaft und verwenden im privaten Bereich keine glyphosathaltigen Spritzmittel. Trotzdem ist bei allen Probanden das Gift im Urin gefunden worden“, berichten Schöffel und Rautenberg.

Die Werte würden zwischen 0,4 und 2,2 Mikrogramm pro Liter schwanken. Da stellten sich vor allem zwei Fragen: 1. Wie kommt das Ackergift in den menschlichen Körper? 2. Sind die gefundenen Werte gesundheitsgefährdend? Glyphosat könne sowohl über die Nahrung als auch über die Atmung in den menschlichen Körper gelangen. Wer in der Nähe von Ackerflächen wohne, könnte das Gift über die Luft aufgenommen haben.

„Getreideprodukte könnten ebenfalls kontaminiert sein, wenn das Getreide vor der Ernte mit Glyphosat gespritzt wurde“, warnen die Naturschützer. Auch tierische Produkte könnten Glyphosat enthalten, „wenn die Tiere mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert wurden. Dies trifft vor allem für Billigprodukte von Fleisch und Milch zu“.

Glyphosat werde nie alleine, sondern immer als Gift-Cocktail mit weiteren Stoffen ausgebracht (bekannt ist vor allem Roundup). Sowohl die Begleitstoffe als auch das Abbauprodukt von Glyphosat seien sehr toxisch, „wurden aber im konkreten Fall nicht untersucht. Aber bereits die Tatsache, dass bei allen Probanden Glyphosat gefunden wurde, halten wir für sehr bedenklich“.

Überdies sei davon auszugehen, dass im menschlichen Körper weit höhere Konzentrationen von Glyphosat als im Urin vorhanden sind. Vor etwa einem Jahr habe die Weltgesundheitsorganisation WHO dieses Gift als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Untersuchungen aus Argentinien würden darauf hindeuten, dass Glyphosat erbgutschädigend sei. Mehrere wissenschaftliche Studien belegten eine verminderte Fruchtbarkeit und Störungen der Embryonalentwicklung.

Bereits niedrige Mengen Glyphosat können schwere Folgen haben

„Bereits niedrigste Konzentrationen des Pflanzengifts könnten Krebs auslösen bzw. das Hormonsystem schädigen. In Europa klagen Viehhalter über kranke Kühe und missgebildete Ferkel aufgrund von glyphosathaltigem Futter“, so Schöffel und Rautenberg.

Ihr Fazit: „Es ist zu vermuten, dass Menschen, die Glyphosat im privaten Bereich (Garten, Friedhof) oder beruflich (Landwirte, Gärtner) verwenden, höhere Konzentrationen des Pflanzengifts im Urin haben. Sie wären damit einem höheren Gesundheitsrisiko ausgesetzt als die untersuchten Personen. Wir warnen daher eindringlich vor Glyphosat haltigen Spritzmitteln. Generell rät der Bund Naturschutz von dem Gebrauch chemischer Spritzmittel ab.“

Der Arbeitskreis Gentechnik des Bund Naturschutz beabsichtigt, die Gartenbauvereine und die Eigentümervereinigungen über die Gesundheitsgefahren von chemischen Spritzmitteln zu informieren. Dies soll im zeitigen Frühjahr geschehen. ez

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