En bisschen Wasser und Kapillarwirkung – fertig ist das Perpetuum Mobile, sagt Hans Weidenbusch. Foto: Jürgen Rossmann

Das philosophische Perpetuum Mobile

Vaterstetten - Man stelle sich vor, man hat eine Geldbörse. Man steckt einen Hundert-Euro-Schein hinein und gibt ihn aus. Einige Tage später bemerkt man, dass sich die Brieftasche aber immer wieder von selbst mit einem Hundert-Euro-Schein füllt. Klingt richtig gut, oder?

Dieses Prinzip, in ein System einmal Energie hineinzustecken und auf ewig daraus Nutzen ziehen zu können - in diesem Beispiel Geld -, haben die Physiker Perpetuum Mobile (PM) genannt: Etwas, das sich ständig bewegt und dabei noch physikalische Arbeit verrichtet. Zusammen mit dem Traum vom Fliegen hat das Perpetuum Mobile schon seit mehreren hundert Jahren Erfinder in Atem gehalten.

Aber im Gegensatz zur Luftraumerkundung ist das Perpetuum Mobile noch nicht Wirklichkeit geworden - weil die Lehre der Physik es kategorisch ausschließt. „Wissenschaft beruht darauf, dass bestimmte Dinge unmöglich sind“, sagt der englische Physiker John D. Barrow zur Möglichkeit eines Perpetuum Mobiles. Energie oder Masse aus dem Nichts zu erschaffen, verstößt gegen alle Grundsätze der Theorie und damit Ende. Dass ein Perpetuum Mobile doch möglich ist, behauptet nun der Berufsmusiker und Hobbyerfinder Hans Weidenbusch aus Ottobrunn. Seine Version eines ewig laufenden Konstrukts stellte er am Samstag, im Rahmen des Tages der Offenen Tür der Realschule Vaterstetten dort erstmals der Öffentlichkeit vor.

Der ehemalige Schüler der Schule hat einen Mechanismus gebaut, der anscheinend ohne Energie von außen immer weiter Arbeit verrichtet: in einem Wasserbad steht eine Vorrichtung, die Luft aus der Umgebung unter Wasser zieht und dann in kleinen Bläschen an eine wenige Millimeter dicke Nadel abgibt, welche sich dann nach oben in Richtung eines engen Röhrchens bewegt. Im Laufe dieses Vorgangs wird Energie benötigt, die aber niemand vorher hinzugefügt hat.

Dieser Prozess wiederholt sich immer wieder; das System verrichtet also mehr physikalische Arbeit als es laut den Grundsätzen der Wissenschaft eigentlich sollte und produziert dabei sogar noch ein wenig Energie.

Weidenbusch erklärt, der Prototyp seines Experiments laufe bei ihm zu Hause bereits seit vier Monaten ununterbrochen und betreibe mit der Energie sogar eine Armbanduhr. Als Beweis für die Rechtmäßigkeit seines Experimentes, das - wenn es bewiesen würde - eine Sensation wäre und die Physik auf den Kopf stellen würde, führt Weidenbusch mehrere Referenzen an. Die meisten von ihnen sind Fakultäten diverser deutscher Universitäten, wobei diese der Annahme, ein Perpetuum Mobile vor sich zu haben, nicht zustimmen, sondern „lediglich mit dem Sachverhalt vertraut sind“.

Trotz der aller Skepsis bleibt die Frage im Raum: Wo kommt die Energie her, die das Weidenbusch-Mobile bereits seit Monaten am Leben hält, denn dafür haben auch die unterrichteten Lehrstühle laut Weidenbusch noch keine Erklärung. Den Einwand, dass seine Erfindung in großem Maße von der Umgebung abhängen könnte, lässt der Erfinder nicht gelten, auch wenn er sein Perpetuum Mobile bisher noch nicht unter Laborbedingungen ohne Einflüsse von außen durchgeführt hat.

Auch Ralf Gruber, Physiklehrer der Realschule, hält es für möglich, dass schon kaum messbare Temperaturänderungen im Wasser des Versuchsaufbaus die fortlaufende Energie für die Bewegung der leichten Nadel liefern könnten. Diese Energie käme dann ständig von außen hinzu und würde ein Perpetuum Mobile ausschließen. Aber das ist reine Spekulation, denn bewiesen oder berechnet ist noch gar nichts.

Ob Weidenbuschs Mechanismus tatsächlich unerklärlich bleibt oder jemand einen Denkfehler im System findet - ein nettes Kuriosum zum Ansehen bleibt solch ein Konstrukt alle mal. Mit Perpetua Mobilia ist es schließlich so eine Sache. Weidenbusch ist beileibe nicht der erste, der sich an dieser Erfindung - diesem heiligen Gral der Wissenschaft - versucht hat: Das deutsche Marken- und Patentamt schützt nach zahllosen theoretisch begründeten Anträgen aufgrund der mangelnden Durchführbarkeit dieser Erfindung Perpetua Mobilia nicht einmal mehr. Aber mit Sicherheit wird der Ottobrunner Erfinder nicht der letzte sein, der sich damit beschäftigt. Auch wenn also ein wissenschaftliches Perpetuum Mobile nach dem Stand der heutigen Forschung unmöglich ist, wird die Suche nach diesem wohl ewig weitergehen: Zumindest in dieser Hinsicht gibt es also ein Perpetuum Mobile, wenn auch nur philosophischer Natur.

Von Christine Pollithy

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