Eine Frau und ein Mädchen vorm Laptop
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Elternbeiratsmitglied Sophia Pfeffer mit Tochter Annika. Sophia Pfeffer unterstützt die Schule und Eltern bei Teams.

In Pliening

Homeschooling im Lockdown: Eltern unterstützen Lehrer und Eltern - gemeinsam Konzept für Schule entwickelt

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Distanzunterricht mit dem Microsoft-System Teams: Da blickt nicht jeder durch. In Pliening funktioniert‘s, weil engagierte Eltern Lehrer und Eltern unterstützen.

Pliening - Katrin Dung sagt: „Ohne Eltern hätten wir es so nicht auf die Reihe bekommen.“ Eltern haben die Grundschule Pliening unterstützt, den Online-Distanzunterricht so einzurichten, wie er jetzt läuft: via Microsoft-Teams. Eine Umfrage unter Eltern nach der ersten Woche Teams-Unterricht nach den Weihnachtsferien ergab: Drei Viertel der Erst- bis Viertklässler arbeitet selbstständig am Computer. Ein Viertel der Eltern hat geantwortet: „Mein Kind braucht noch Hilfe“.

Corona in Pliening: Eltern unterstützen Lehrer und andere Eltern beim Homeschooling

Dass Eltern ihre Kinder beim Umgang mit dem Programm Teams unterstützen können, dabei helfen wiederum Eltern, erzählt Katrin Dung, die Rektorin der Plieninger Grundschule. Insbesondere die beiden Elternbeiratsmitglieder Sophia Pfeffer und Thomas Hemmerle. Diplom-Soziologin Pfeffer (41), die bei einem großen Telekommunikationsunternehmen arbeitet und deren Tochter Annika in die 3. Klasse geht, hat im Oktober und November in vielen Stunden das Lehrerkollegium in Teams beraten.

Distanz-Unterricht in Pliening: Mutter berät Lehrerkollegium - Konzept für Grundschule entwickelt

Klar, erzählt Pfeffer, die Lehrer hätten auch eine professionelle Schulung durch einen IT-Spezialisten erhalten. Doch wie all die Theorie, zum Teil erstmals gehört, umsetzen im Schulalltag? „Da konnte ich meine beruflichen Erfahrungen – in unserem Unternehmen arbeiten wir ausschließlich mit Teams – und meine Sicht als Mutter einbringen“, erzählt Pfeffer. Entstanden ist ein Konzept für die Grundschule Pliening, das so anwenderfreundlich und verständlich wie möglich ist – für alle.

Schulleiterin Katrin Dung: „Ohne Eltern hätten wir es so nicht auf die Reihe bekommen.“

Sophia Pfeffer engagiert sich komplett ehrenamtlich, bis heute steht sie der Schule sowie Eltern mit Rat und Tat zur Seite. Warum? „Weil ich gerne helfe und bemerkt habe, dass ich was bewegen kann. Und: Nicht nur meine Tochter hat was davon, sondern alle Schüler.“

Sie macht kurz Pause am Telefon im Gespräch mit unserer Zeitung, dann sagt sie: „Es ist herausragend, was die Kinder leisten. Und es ist gar nicht schlecht, dass sie früh in Kontakt mit sozialen Geräten kommen.“ Das, so Pfeffer weiter, könne fürs spätere Schul- und Berufsleben wichtig sein.

Homeschooling in Pliening: Drei Viertel der Schüler brauchen keine Hilfe mehr

Freilich habe es vorm Start mit Teams auch kritische Stimmen von Eltern gegeben. Sophia Pfeffer, Thomas Hemmerle und andere engagierte Eltern aber hätten die Rektorin ermutigt, den Online-Unterricht so durchzuführen, berichtet die 41-jährige Mutter. Und jetzt? „Es klappt super“, sagt Sophia Pfeffer. Katrin Dung verweist auf E-Mail-Nachrichten von Eltern, die im Laufe der letzten Wochen eingegangen sind.

Fast durchweg positiv. Beispiele: „Es läuft deutlich besser als beim ersten Lockdown.“ „Teams ist top gewählt.“ Und, eine E-Mail von einem Vater: „Die Grundschule Pliening ist eine Insel der Glückseligen.“ Warum und wie es dazu kam, erläutert die Schulleitung demnächst in einer Videokonferenz mit anderen Grund- und Mittelschulen. „Damit wir voneinander lernen“, so Dung.

Manchmal ist es so, dass Kinder ihre Eltern überholen.

Rektorin Katrin Dung über die Computerkenntnisse von Kindern.

Damit Eltern wissen, wie der Computer mit Teams funktioniert, wo Unterlagen hochgeladen, abgeholt und bearbeitet werden, vereinfacht gesagt: Was ihre Kinder da so machen, fahren die Elternbeiratsmitglieder Sophia Pfeffer und Thomas Hemmerle auch mal zu den Eltern und helfen, wo und wie es geht.

Sei es beim Installieren des Programms oder bei scheinbar banalen Dingen wie dem Anmelden. „Manchmal ist es so, dass Kinder ihre Eltern überholen“, sagt Schulleiterin Dung und lächelt. Damit Eltern auf Augenhöhe sind, wird der Elternbeirat demnächst eine Teams-Schulung für Eltern durchführen, kündigt Sophia Pfeffer an.

Distanzunterricht in Pliening: Wochenplan mit Pausentipps - viel Lob von Rektorin

Von 8 Uhr bis 11.30 Uhr dauert der Unterricht für die 220 Erst- bis Viertklässler der Grundschule Pliening. Darin enthalten sind zwei Live-Online-Einheiten via Teams. Alle Einheiten und Aufgaben sind im Wochenplan aufgelistet, den die Lehrerinnen und Lehrer den Schülern freitags in Teams zum Ausdrucken bereitstellen. „Wer keinen Drucker hat, kann den Plan bei uns in der Schule abholen“, so Rektorin Dung. Im Wochenplan sind jeden Tag auch die zwei Pausen aufgeführt, mit entsprechenden Anweisungen. Beispiel: 9 bis 9.10 Uhr: „Trinke und iss eine Kleinigkeit. Mache 20 Hampelmänner.“

Zurück zu Teams und dem Online-Unterricht. Bei der Umsetzung haben alle an einem Strang gezogen, lobt Schulleiterin Katrin Dung und zählt auf: das Lehrerkollegium, Eltern, die Gemeinde Pliening als Sachaufwandsträger (die ohne Diskussion für die Schule 14 neue Computer angeschafft und ausreichend WLAN eingerichtet habe, sodass die Lehrerinnen und Lehrer weiter von der Schule aus unterrichten können), und die Kinder. „Es ist unglaublich, was die Kinder derzeit leisten“, sagt Dung.

Corona in Pliening: Firma spendet 30 Laptops für Distanzunterricht

Damit die Kinder zuhause einen Laptop haben, habe die Schule 13 Geräte von der Regierung abgerufen und ausgegeben, berichtet die Rektorin, außerdem zehn alte und zurückgesetzte Lehrergeräte und ein weiteres Gerät von der Gemeinde Pliening. Dennoch habe nicht jedes Kind, insbesondere bei Geschwistern, einen eigenen Laptop zuhause, was manchmal zu Konflikten und Problemen führen könne.

Das soll sich bald ändern, berichtet Katrin Dung: Die Firma Interhyp werde der Schule 30 Laptops spenden. Dabei handle es sich um gebrauchte, gut erhaltene Geräte, die etwa ein Jahr alt sind und zurückgesetzt werden. Engagierte und IT-affine Eltern werden das Programm Teams aufspielen, erzählt die Schulleiterin. Wie es zu der Spende kommt? „Eltern hatten mitbekommen, dass es bei einigen Familien zu wenig Endgeräte gibt. Am Schlittenberg haben sie einen Vater angesprochen, der bei der Firma arbeitet, ob das Unternehmen nicht Laptops übrig habe.“

Wir wollen Eltern so gut es geht entlasten, und nicht belasten.

Schulleiterin Katrin Dung

Auch wenn der Distanzunterricht jetzt gut funktioniere, ein Dauerzustand könne dieser nicht sein, sagt Katrin Dung. „Es fehlt das direkte Feedback der Kinder: Die Kinderaugen, an denen man als Lehrer sehen kann, ob sie was verstanden haben, oder nicht.“ Die Rektorin hofft, dass bald zumindest wieder Wechselunterricht möglich ist.

Lockdown in Pliening: Rektorin hofft auf Wechselunterricht

Die Zeiten des Homeschoolings sei für alle herausfordernd. Katrin Dung betont: Kinder und Eltern können sich bei jeglichen Fragen, ob bei Hausaufgaben oder bei Teams, an die Schule wenden. Sie sagt: „Wir wollen Eltern so gut es geht entlasten, und nicht belasten.“

Auch in der Dominik-Brunner-Realschule Poing ist das Homeschooling seit Januar anders aufgestellt - es klappt. Und die Grünen im Landkreis wollen weitere Information zu einem Corona-Drama im AWO-Pflegeheim im Markt Schwaben. 19 Corona-positive Bewohner der Einrichtung waren gestorben. Alles aus der Region gibt‘s im Ebersberg-Newsletter.

(Von Armin Rösl)

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