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Erst vor wenigen Tagen erhielt Manfred Obermaier (Mitte) den Bundesehrenpreis in Gold. Zum 38. Mal in Folge hat der Betrieb diese höchste Auszeichnung der deutschen Ernährungswirtschaft bekommen.

Mit höchsten Preisen ausgezeichnet

Deutschlands bester Metzger macht dicht - der Hintergrund ist traurig - „Kann so nicht mehr weitermachen“

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So oft mit höchsten Preisen ausgezeichnet ist keine andere Metzgerei in Deutschland, wie die von Manfred Obermaier in Pliening. Jetzt aber schließt er seinen Laden. 

Pliening – Die Metzgerei Obermaier in Pliening gilt als bester Metzgerhandwerksbetrieb in Deutschland, erst vor wenigen Tagen hat Inhaber Manfred Obermaier in Berlin den Bundesehrenpreis in Gold erhalten – die höchste Auszeichnung der deutschen Ernährungswirtschaft. Diese bekam der Plieninger Betrieb zum 38. Mal in Folge – unangefochtener Rekord. Die Metzgerei mit Laden in Pliening gibt es seit 1971 – ab sofort aber ist das Geschäft geschlossen. „Ja, ich mache zu und habe bereits allen Verkäuferinnen gekündigt“, bestätigt Manfred Obermaier auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Metzgerei und den Laden zu stemmen, das sei ihm nicht mehr möglich, sagt der 46-Jährige.

Bester Metzger Deutschlands: Nach Tod der Mutter Schluss im Laden

Nach dem Tod seiner Mutter Katharina (77) im März, die sich um die Organisation und den Betrieb des Verkaufsladens gekümmert hatte, sei die Arbeit zu viel geworden. „Alleine kann ich das nicht mehr machen“, so Manfred Obermaier. Deshalb habe er lange überlegt und schweren Herzens den Entschluss gefasst, den Laden an der Geltinger Straße 4 aufzugeben. Auch dieser niederbayerische Metzger müsste schließen. Aber geht nun einen anderen Weg.

Bester Metzger: Produkte bald bei Edeka

Die Produktion geht nach der Sommerpause weiter, der Ladenverkauf nicht mehr.

Die Metzgerei im Rückgebäude werde wie gehabt weiter betrieben, mit allen dortigen sechs Mitarbeitern, erläutert Obermaier: „Künftig werde ich Großhandel machen.“ Mit Edeka Pfeilstetter, der in Poing, Pliening und Kirchheim Filialen betreibt, habe er bereits Gespräche geführt und es sei geplant, dass die drei Märkte künftig Fleisch- und Wurstwaren von ihm, Obermaier, beziehen. Die letzten Details würden noch besprochen. Außerdem, so der 46-jährige Plieninger weiter, habe Pfeilstetter angekündigt, alle Verkäuferinnen zu übernehmen.

Deutschlands beste Metzgerei als „Klotz am Bein“

„Ich kann so nicht mehr weitermachen“, sagt Manfred Obermaier. Der Laden sei nach dem Tod der Mutter für ihn „ein Klotz am Bein“ geworden. „So etwas kannst Du nur als Familienbetrieb machen, aber das sind wir nicht mehr.“ Weil er keine Aussicht auf Besserung gesehen habe, habe er den Laden nun geschlossen. Auch mit Blick auf ihn selbst, sagt Manfred Obermaier. Mit Blick auf seine Gesundheit, auf sein Leben. „Mehr Zeit, mehr Freizeit“ erhofft er sich durch den Schritt.

Metzger mit Auszeichnung: Hoffnung auf mehr Freizeit

Des Weiteren gibt es seiner Meinung nach generell große Probleme für kleine Handwerksbetriebe, genügend Nachwuchs bzw. Mitarbeiter zu finden. „Es gibt keine Verkäuferinnen mehr“, sagt er beispielsweise hinsichtlich des Metzgereihandwerks und stellt die rhetorische Frage: „Wer macht das heutzutage schon noch?“ Sein Sohn absolviere zwar die Ausbildung zum Metzger, erzählt Manfred Obermaier, „aber er will in der Produktion weitermachen“. Und nicht gleichzeitig auch noch einen Laden führen.

Ehemals beste Metzgerei: Ladenräume sollen Wohnungen werden

Der Ruf von Manfred Obermaier reicht weit über die Grenzen von Pliening hinaus, der vielfach prämierte Metzgerei-Betrieb hatte viele Kunden und Stammkunden. „Geld ist zweitrangig“, sagt der 46-Jährige über seine Entscheidung. Der Beruf, die Fleisch- und Wurstproduktion, mache ihm weiter Spaß – aber nicht mehr zu jedem Preis und nicht mehr, um rund um die Uhr zu arbeiten. „Was bringen Dir die ganzen Auszeichnungen, wenn Du nichts vom Leben hast?“

Video: Fleisch-Vergleich - Metzger, Supermarkt, Discounter

Metzgerei aus Pliening erhält höchste Auszeichnung

Freilich seien die Gold-Prämierungen schön und ein Qualitätssiegel, und natürlich werde er in seinem Handwerk weiterhin auf beste Qualität setzen. Diese wird es künftig allerdings nicht mehr im eigenen Laden geben, sondern bei Edeka.

Was mit den Verkaufsräumen an der Geltinger Straße geschehen, dafür hat Manfred Obermaier bereits einen Plan: Es sollen Wohnungen entstehen.

Armin Rösl

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