Gisela Bruhn an jenem Tisch, an dem die Tasche mit 14.450 Euro hing.
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Fundstück Umhängetasche

Die ehrliche Gisela: 62-Jährige findet knapp 15.000 Euro - und verzichtet auf Lohn

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Gisela Bruhn hat eine Tasche gefunden, Inhalt: 14.450 Euro Bargeld. Die Polizei hat den Besitzer ausfindig gemacht. Die 62-Jährige verzichtet auf Finderlohn.

  • Mann vergisst Tasche in Backshop, Inhalt: 14.450 Euro
  • Erster Gedanke von Verkäuferin Gisela Bruhn, als sie die Tasche öffnete: „Um Gottes Willen!“
  • 62-Jährige verzichtet auf Finderlohn: "Ein ehrliches Dankeschön ist mir mehr wert."

Gisela Bruhn sagt: „Ein ehrliches Dankeschön ist mehr wert als ein Finderlohn.“ Ein Dankeschön hat sie bekommen: „Er hat mich angerufen und gesagt, ich hätte ihm sein Leben gerettet.“ Auf den Finderlohn verzichtet sie: 418,50 Euro. Das würde den gesetzlich festgelegten drei Prozent der Gesamtsumme entsprechen. 14.450 Euro befanden sich in der Herrenhandtasche, die Bruhn gefunden hatte.

Ich hab‘ einen ganz schönen Schreck bekommen.

Gisela Bruhn, als sie das viele Bargeld in der Tasche sah.

„Als ich die Tasche öffnete, sah ich nur grüne Scheine und dachte mir: Um Gottes Willen!“, erzählt die 62-jährige Bäckereifachverkäuferin aus Poing. Sie hatte im Backshop im Edeka-Markt im Nachbarort Pliening Dienst, als drei Männer dort frühstückten. Nachdem sie gegangen waren, räumte Gisela Bruhn ab, dabei entdeckte sie an einer Stuhllehne die Umhängetasche. Als sie hineinblickte, „habe ich einen ganz schönen Schreck bekommen“. So viel Geld auf einmal habe sie noch nie gesehen.

Telefonnummer auf Corona-Liste angerufen: Kein Anschluss

Die 62-Jährige entdeckt in der Tasche persönliche Dinge wie einen Reisepass. Demzufolge gehört die Tasche einem Franzosen, der ebenfalls 62 Jahre alt ist. Gisela Bruhn inspiziert die Liste, in die sich wegen Corona alle Gäste des Backshops, die dort essen und trinken, eintragen müssen. Sie wählt die Telefonnummer, eine automatische Stimme antwortet: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“ Na toll, dachte sich die Verkäuferin, da hat jemand einfach irgendeine Nummer angegeben. Später aber stellte sich heraus, dass es sich um eine französische Telefonnummer handelt.

Finderlohn

Ehrliche Finder haben Anspruch auf einen Finderlohn.. Die Höhe ist in  § 971 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt. Ist die Fundsache bis zu 500 Euro wert, erhält der Finder einen Lohn in Höhe von fünf Prozent. Übersteigt der Geld- oder Sachwert 500 Euro, beträgt der Finderlohn drei Prozent. So auch im Falle der 14.450 Euro, die Gisela Bruhn gefunden hat.

Bruhn schloss die Tasche samt Inhalt im Tresor ein, für den Fall, dass der Besitzer zurückkommt. Das tat er nicht. Am Abend informierte der Edeka-Marktleiter die Polizei. Die konnte den Mann aufgrund des Reisepasses schnell ausfindig machen, ihn verständigen und ihm die Tasche samt Inhalt überreichen. 14.450 Euro. Es habe sich um Firmengeld gehandelt, habe der Mann erklärt, so Bruhn. Mit Arbeitskollegen sei er zum Frühstück im Backshop bzw. auf dessen Außenfläche gewesen.

„Ich bin halt ehrlich“, sagt Gisela Bruhn. Keinen Moment habe sie gezögert, ihr sei gleich klar gewesen, dass sie versuchen werde, Tasche und Geld zurückzugeben. „Das würde doch jeder machen, oder?“ Im Bericht der Polizei steht: „Der 62-Jährige war sichtlich erleichtert, als ihm die verlorenen Gegenstände ausgehändigt wurden.“

Was tun, wenn man auch nur Kleingeld findet, zum Beispiel auf der Straße?

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