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Ungefähr im 3. Jahrhun dert vor Christus wurde diese Frau begraben. Die Archäologen fanden am Skelett unter anderem einen Armreif aus Glas.

Archäologie 

Jahrtausende alte Siedlungen und Gräber in Landsham entdeckt

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Das 2,7 Hektar große Areal in Landsham-Süd, auf dem das neue Wohngebiet entsteht, war schon mehrmals Siedlungsgebiet. Das haben Archäologen bei ihren Erkundungen herausgefunden.

Landsham – „Über die gesamte Grabungsfläche und darüber hinaus erstreckte sich eine weilerartige Siedlung aus der Frühbronzezeit“, berichtet Stefan Biermeier vom Büro SingulArch Grabungen aus München, das von der Gemeinde Pliening mit den Arbeiten beauftragt worden war. Die Bronzezeit wird datiert auf 2200 bis 800 vor Christus. Die Archäologen entdeckten Grundrisse von insgesamt zehn Häusern.

Funde aus der Bronze- bis zur Römerzeit: Das künftige Neubaugebiet in Landsham-Süd wurde in den vergangenen Jahrtausenden schon besiedelt.

Etwa 150 Meter davon entfernt stießen die Wissenschaftler auf einen kleinen Friedhof aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. (Mittellatène-Zeit). Per Zufall stieß man mit einem Minibagger auf ein Brandgrubengrab, in dem Teile einer Lanze, eines Schwerts und eines Schildbuckels lagen. „Ein Glücksfall“, sagt Biermeier. In seinem Abschlussbericht schreibt er: „Im Zuge der Grabung wurden ein weiteres Brandgrubengrab und vier Körperbestattungen aufgedeckt, von denen sich eines durch besonderen Beigabenreichtum auszeichnete. Die in jungen Jahren verstorbene Frau aus einem Grab besaß eine Halskette mit Glas- und Bernsteinperlen. An der linken Armbeuge trug sie je einen Ring aus Bronze, Eisen und Glas. Das Fibelensemble aus fünf Eisenfibeln komplettierte eine an der rechten Schulter getragene Scheibe aus Bronzeblech. Neben der eisernen Gürtelkette könnten zwei Bronzeknöpfe zum Verschluss des Gewandes gedient haben. In einem Köcher aus einem Unterschenkel von Schaf oder Ziege, der sich innen am rechten Arm fand, steckte eine große Nähnadel.“

Gegenüber dieser Grablage wirkten die drei übrigen Körpergräber mit fast stereotypem Ausstattungsmuster aus bronzenen und eisernen Drahtarmringen und/oder ein oder zwei Eisenfibeln eher ärmlich, führt Stefan Biermeier weiter aus. Ungewöhnlich seien die „abnormalen Positionierungen“ der gefundenen Skelette. Biermeier vermutet, dass die toten Körper bei der Bestattung „aus Gründen der Wiedergängerfurcht“ manipuliert ins Grab gelegt wurden.

Hinweis auf „Villa Rustica“: Diese Überreste stammen von einem Brunnen einer Siedlung aus der Römerzeit. 

Neben den Funden aus der Bronze- und Mittellatène-Zeit schufen die Archäologen noch Relikte aus der späteren Römerzeit (circa 15 vor bis 488 nach Christus) zu Tage. Die Verfärbungen und Reste in der Erde deuten auf eine „Villa Rustica“ hin, wie es sie in dieser Gegend mehrmals gegeben hat. Beispielsweise im benachbarten Poing. Wie dort, haben die Archäologen auch in Landsham-Süd unter anderem Reste eines Brunnens aus jener Zeit entdeckt.

Sämtliche Funde sind mittlerweile in verschiedene Institute zur Restaurierung und Lagerung gebracht worden. Jetzt haben die großen Bagger das Areal übernommen. Die Wasser- und Abwasserleitungen sind verlegt, ab März werden die Straßen für die nächste Siedlung auf dieser Fläche errichtet. In dem Gebiet östlich der Gruber Straße wird Wohnraum für rund 200 Menschen geschaffen. 20 bis 22 Grundstücke (allesamt für Doppelhaushälften) wird die Gemeinde Pliening als Einheimischenmodell vergeben. Die restlichen knapp 30 Flächen für Einzel- und Doppelhäuser verkauft die Kommune auf dem freien Markt. Außerdem will die Gemeinde zwei Mehrfamilienhäuser errichten, deren 16 Wohnungen staatlich gefördert und so einkommensorientiert zur Miete angeboten werden. Damit, erläutert Bürgermeister Roland Frick, wolle die Kommune bezahlbaren Wohnraum schaffen. 

Die Dokumentation zu den Funden in Landsham-Süd steht auf www.singularch.com 

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