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Kurt Strehlow in seiner kleinen Uhrmachermeister- und Tüftler-Werkstatt.

Uhrmachermeister Strehlow

Tüftler in der Idylle

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In der Idylle von Landsham-Moos spielt Zeit eine andere Rolle. Werkstattbesuch bei Kurt Strehlow, der antike Uhren repariert, für die es keine Ersatzteile mehr gibt. Er erfindet sie selbst.

Landsham – Ganz so abgeschieden wie der Bauernhof von Pettersson aus „Pettersson und Findus“ liegt die Werkstatt von Kurt Strehlow nicht – auch wenn hinter Landsham-Moos nicht mehr viel kommt, außer Felder und der Speichersee. Die Vögel zwitschern, die einzige Straße, die durch den Ortsteil der Gemeinde Pliening führt, ist leer. Hallo, ist da jemand? Kurt Strehlow öffnet die Tür seiner kleinen Werkstatt, die direkt an der Straße liegt. Bart, Brille, alte Geräte – das Aussehen und die Gemütlichkeit des 63-Jährigen und seiner Werkstatt lassen Bilder aus den Kinderbüchern hochsteigen. Auf die Ähnlichkeit mit Pettersson angesprochen sagt Strehlow mit einem Schmunzeln: „Ja, stimmt wohl ein bisschen.“

So, wie der Schreiner aus den Kinderbüchern, tüftelt Kurt Strehlow in seiner Werkstatt mit Leidenschaft. Nicht mit Holz, sondern mit Uhren. Mit Zifferblättern, Zeigern, Uhrwerken, Zahnrädern und -rädchen, Metallstiften, er arbeitet mit kleinen und großen und zum Teil sehr alten Werkzeugen. Die braucht er für sein Spezialgebiet, sein „Alleinstellungsmerkmal“, wie er es nennt: Die Reparatur von antiken Uhren, für die es keine Ersatzteile mehr gibt. Die stellt Strehlow selbst her, erfindet manchmal etwas, um das Uhrwerk wieder zum Laufen zu bringen. Keine Armband- und Taschenuhren, sondern Turmuhren, Standuhren, Wohnraumuhren.

Jahrzehnte lang hatte er es mit viel größerer Technik zu tun gehabt: Kurt Strehlow ist gelernter Flugzeugmechaniker, studierte später Maschinenbau und war als Ingenieur tätig. Bis zum Jahr 2000. Im Alter von 44 Jahren nahm er Elternzeit, nachdem er und seine Frau ein Kind adoptiert hatten. In dieser Zeit reifte in ihm die Idee zur Selbstständigkeit, aber nicht im alten Beruf. Weil er sich schon immer für Uhren interessiert hatte, machte er die Ausbildung zum Uhrmachermeister. Im Jahr 2004 schloss er die Meisterprüfung mit Note 1 ab. „Ich war mit Abstand der Älteste“, erzählt er schmunzelnd. 48 Jahre, um genau zu sein.

Feinarbeit hinterm Zifferblatt.

Seit 15 Jahren hat er seine eigene kleine Werkstatt. Dort repariert er gerade eine alte englische Turmuhr aus der Zeit um 1900. Der Antrieb fürs Kontrollzifferblatt geht nicht mehr. Ersatzteil? Fehlanzeige. Kurt Strehlow probiert Verschiedenes aus, um die Mechanik und Zahnräder wieder zum Laufen zu bringen. „Die Uhr gehört einem Sammler, der sie, nachdem sie fertig ist, dem technischen Uhrenmuseum in Chemnitz als Leihgabe gibt“, erzählt der Uhrmachermeister.

Ortswechsel hinter die Werkstatt: Tick-tack, tick-tack, dazwischen, zur vollen Stunde, ertönen Gongschläge. Das Wohnzimmer von Kurt Strehlow ist ein kleines Museum. Er ist nicht nur Uhrmachermeister, sondern auch Uhrensammler. Wecker und Reiseuhren aus den 1930er- bis 60er-Jahren stehen in Regalen, an einer Wand lehnt eine große Standuhr aus Macclesfield, das als eine der zehn britischen Städte mit den wohlhabendsten Einwohnern gilt. Die Uhr stammt aus dem Jahr 1760. Strehlow öffnet die Tür unter dem Zifferblatt, dahinter hängen zwei große Gewichte und ein Pendel. Wenn die Uhr nicht ticken würde, könnte man meinen, die Zeit wäre stehen geblieben.

Zurück in die Werkstatt. Die Ideen für den Bau von Ersatzteilen holt sich Strehlow aus alten Büchern und bei Museumsbesuchen. Er inspiziert alte Modelle bis ins Detail, um das passende Stück herstellen zu können, das fehlt. „Ich tüftle gerne“, sagt der 63-Jährige und lächelt. Das sei schon immer so gewesen. Bis er das richtige Teil hat, könne es schon mal einige Zeit dauern. Das wissen seine Kunden. Die Zeit bleibt zwar auch hier, in LandshamMoos, einer Idylle am Rande der lärmenden Großstadt München, nicht stehen. Aber in der kleinen Werkstatt von Kurt Strehlow spielt sie eine völlig andere Rolle.

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