Zwei Frauen und ein Mann stehen auf einem Balkon.
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Sie war Wirtin einer Eckkneipe in München: Hedwig Kob aus Landsham hat ihren 100. Geburtstag gefeiert. Auf Kurzbesuch waren Angelika Diefenthaler (Seniorenreferentin des Gemeinderats) und Bürgermeister Roland Frick.

Älteste Bürgerin Plienings

Lebensfreudige Wirtin und Wanderin: 100 Zeilen über die 100-Jährige Hedwig Kob

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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„Schreiben S‘ nicht so viel!“ bittet Hedwig Kob und lacht. Schwierig, die älteste Bürgerin der Gemeinde Pliening kann viel erzählen. 100 Zeilen über eine 100-Jährige.

Landsham – Wegen der Corona-Pandemie wollte Plienings Bürgermeister Roland Frick Hedwig Kob eigentlich gar nicht besuchen. So, wie er in diesen Zeiten auf Besuche bei runden Geburtstagen generell verzichtet. Er rief bei der Frau in Landsham an, um zu gratulieren, aber: „Ich habe dem Bürgermeister gesagt, er soll zu mir in die Wohnung kommen. Maske aufsetzen, dann geht das schon.“ Davon erzählt Hedwig Kob am Tag danach. Am Tag nach ihrem 100. Geburtstag. Die Landshamerin ist die älteste Einwohnerin der Gemeinde Pliening.

Ich bin 100 Jahre alt, vor was soll ich noch Angst haben?“

Hedwig Kob

„Ich bin 100 Jahre alt, vor was soll ich noch Angst haben?“ Diesen Satz sagt Hedwig Kob laut und fröhlich, mit einem Lachen. Wer Lebensfreude spüren möchte, unterhält sich mit ihr. Mittendrin sagt sie, dass sie manches Mal mit Blick in den Himmel denke: „Was ist da oben los bei euch, habt ihr immer noch keinen Platz für mich?“ Wieder lacht die 100-Jährige, dann ruft sie: „Hurra, ich lebe noch!“ Und wie! Wenn kein Corona ist, geht Hedwig Kob in die Sitztanzgruppe für Senioren, jahrzehntelang ist sie so gut wie jedes Wochenende wandern gewesen – das geht jetzt mit Rollator nicht mehr. „Das einzige, was ich bedauere“, sagt die Landshamerin. Aber sonst? Lebensfreude.

Lebensfreude mit 100 Jahren

Ihr Mann ist früh gestorben, Kinder gibt es keine. „Ich habe einiges erlebt und war immer allein“, erzählt sie. „Wenn es mal nicht mehr weiterging und ich am Boden war, habe ich mir gesagt: ,Hedwig, reiß’ dich zusammen, da musst du durch!’“ Und noch etwas: „Herrgott, hilf mir, du bist der einzige, der da ist.“ All das sage sie sich auch heute noch – „und so bin ich 100 Jahre alt geworden“.

Wirtin im „Grünen Eck“ in Schwabing

Geboren in Oberschlesien, lebt Hedwig Kob seit 1969 in Landsham. Eine Station in ihrem langen Leben war das Wirtshaus „Zum Grünen Eck“ an der Marktstraße in München-Schwabing, einen Steinwurf von der Münchner Freiheit entfernt. „Ein Arbeiterlokal“, wie sie sagt. In den 1950er- und 60er-Jahren war sie Wirtin, zunächst zusammen mit ihrem Mann, nach dessen Tod allein. Allein unter Männern. „Ich hatte immer die Bude voll“, erzählt Hedwig Kob. Die Stammkunden passten auf sie auf, die Wirtin war unantastbar.

Früher Wandern, heute Sitztanz

Danach hat sie in einer Kantine gearbeitet, mit 60 ist sie in Rente gegangen. Die letzten 40 Jahre? Wandern, aktiv sein und „einfach so dahin wursteln“, wie sie es ausdrückt. „Ich mache jeden Tag aus dem, was kommt, das Beste.“ Zum Geburtstag ist Bürgermeister Roland Frick zusammen mit der Seniorenreferentin des Gemeinderates, Angelika Diefenthaler, zu Hedwig Kob gekommen. Später zwei ihrer Neffen. „Hach, das war schön“, schwärmt die 100-Jährige.

Notabene: Dieser Text hat exakt 100 Zeilen (in der Printausgabe unserer Zeitung) und gilt als Versuch, der Forderung von Hedwig Kob zu entsprechen: „Schreiben S’ fei nicht so viel über mich!“

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