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„Mit dem Schnaps ist es wie mit einer heißen Suppe: Nur nippen, man muss den Gaumen darauf vorbereiten. Und genießen“: Ludwig Widmann aus Pliening, einer der besten Kleinbrenner im Freistaat.

Ludwig Widmann (64) aus Pliening

Der ausgezeichnete Schnapsbrenner

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Pliening - Für Menschen, die einen Schnaps schnell hinunterschütten, hat Ludwig Widmann nichts übrig. „Des is a totaler Schmarrn!“, sagt der 64-Jährige in tiefstem Bairisch. „Mit dem Schnaps ist es wie mit einer heißen Suppe: Nur nippen, man muss den Gaumen darauf vorbereiten. Und genießen.“

Im herrlich runden Gesicht des Plieningers ist ein breites Lächeln, fast andächtig hält er eine Flasche edlen Getränkes in der Hand. Sein eigenes, ausgezeichnetes Produkt. Bei der bayerischen Obstbrand-Prämierung, die vor Kurzem in Würzburg stattfand, holte sich Widmann als einziger von mehreren hundert Teilnehmern neun Mal die Goldmedaille, dazu drei Mal Silber. Im Jahr 2012 (prämiert wird alle zwei Jahre) waren es acht Gold- und drei Silbermedaillen. Es ist nicht übertrieben zu behaupten: Ludwig Widmann ist einer der besten Kleinbrenner im Freistaat.

Seine Destillerie liegt versteckt am Siglweg 11 in Pliening. Kein Schild an der Durchgangsstraße, der Geltinger Straße, das auf ihn hinweist. Nur, wer den Schotterweg an der Postagentur vorbei und danach links in den großen Hof des landwirtschaftlichen Anwesens fährt, dem öffnet sich das, ja: Schnaps-Paradies. In einer kleinen, ehemaligen Garage hat Ludwig Widmann alles, was er braucht: eine Destillerie-Anlage, daneben ein großer Holztisch mit zwei Bänken, ein Holzschrank, in dem die abgefüllten 0,35- und 0,5-Liter-Flaschen stehen, ein Waschbecken, und an der Wand hängt das Geweih eines Hirschen, den der Plieninger selbst erlegt hat. Der Brandner Kasper und der Boandlkramer würden sich hier fühlen wie im Paradies.

Über 40 Jahre war Ludwig Widmann in der alten Kartoffelbrennerei in Landsham beschäftigt. Das private Hof-Brennrecht besitzt er schon lange. 2008 kaufte er die Anlage, 2010 schickte er eine Auswahl seiner Obstbrände erstmals zur Prämierung – zwei Mal gab’s Gold, ein Mal Silber. Jährlich besucht er Fortbildungen und Schulungen, sämtliche Erzeugnisse brennt er sortenrein, ohne Zucker und ohne künstliche Aromastoffe.

Die meisten Früchte baut der 64-Jährige zusammen mit seinen drei Söhnen selbst an, erntet und verarbeitet sie zu Hochprozentigem. Im Nebenerwerb. Der Rest stammt von Bauern aus der Umgebung. Die einfache Rechnung: 100 Kilogramm Frucht sind drei Liter Schnaps.

Groß Werbung macht Widmann nicht, in Einkaufsmärkten findet man seine Obstbrände nicht. „Dafür bin ich viel zu klein“, sagt er. Die Etiketten druckt und schneidet Sohn Matthias (37) zurecht, „die ganze Familie ist mit eingespannt“, grinst der Vater. Inklusive seiner Frau Annelies. Apropos: Verkauft werden die edlen Obstbrände zu Preisen, die sich jede Familie leisten kann. „Wir kalkuliere so, dass wir über die Runden kommen“, sagt der Schnapsbrenner.

Wenn am „Schuster-Hof“ (so lautet der alte Hofname des Anwesens) die Brennerei mit Holz angeheizt wird, heißt es Geduld haben. Bis die richtige Temperatur erreicht und der erste Tropfen Destillat herauskommt, kann es schonmal zwei, drei Stunden dauern, erzählt Ludwig Widmann, der seine Gäste in schneidiger Tracht empfängt. Danach wird probiert und abgeschmeckt. „Nein, besoffen wirst da nicht so schnell“, antwortet er lachend. Ein paar Tropfen auf den Finger, damit über die Lippen und die Zunge wischen – mehr nicht. Hinterher gleich ein Wasser trinken, um die Geschmacksnerven wieder auf Ausgangsposition zu bringen.

So testen auch die Profis, die Edelbrandsommeliers. Bei den Wettbewerben werden die eingereichten Obstbrände zudem analytisch untersucht, von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. An der bayerischen Obstbrandprämierung nehmen Mitglieder der Verbände aus Südostbayern, Franken und Lindau teil.

Einen Lieblingsschnaps hat Ludwig Widmann nicht. „Ich muss ja alle probieren, ob sie gut sind. Hätte ich einen Favoriten, könnte ich nicht mehr objektiv beurteilen.“ Wieder dieses herrliche Lächeln in seinem Gesicht. „Wenn nicht hinter jedem Schnaps Herzblut steckt, dann geht’s gar nicht.“ Der Erfolg gibt ihm recht.

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