Zwei Straßen
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Am Übergang Westring (li.) und Plieninger Straße (Kreisstraße EBE 2) ist ein Kreisverkehr geplant. Er wird laut Gutachten zu einem guten Verkehrsfluss beitragen.

Neues Gutachen

Mehr Verkehr wegen Poinger Neubaugebiete, aber: Keine Erstickungsgefahr für Pliening

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Poings Neubaugebiete W7 und W8 überlasten die Straßen in Poing und der Nachbargemeinde Pliening nicht. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktuelles Verkehrsgutachten.

Pliening – Der Schlusssatz ist eindeutig: „Es sind keine verkehrlichen Probleme aufgrund des Bauvorhabens zu erwarten.“ Zu diesem Ergebnis kommt die Ingenieurgesellschaft Schlothauer & Wauer mbH (Haar), die die Auswirkungen der Neubaugebiete W7 (Lerchenwinkel) und W8 in Poing auf den Verkehr in den Gemeinden Poing und Pliening untersucht hat. Nach Fertigstellung des Neubaugebiets (in dem Wohnraum für 2000 Menschen geschaffen sowie ein Gymnasium für rund 1000 Schüler und eine Kindertagesstätte gebaut werden) wird auf der Geltinger Straße in Pliening eine Verkehrszunahme von vier Prozent (etwa 500 Fahrzeuge in 24 Stunden) erwartet, in Ottersberg etwa 1000 Kfz/24 Stunden, was einem plus von zehn Prozent entspricht. Für die Berechnung hat die Ingenieurgesellschaft für den Lerchenwinkel 4060 Fahrten pro 24 Stunden angesetzt. Für das weitere Poinger Baugebiet, das W8, geht das Gutachten von 3330 Fahrten aus.

Bautafel für den Lerchenwinkel in Poing.

Zu einem relativ guten Fluss des künftigen Verkehrs (nach Fertigstellung von W7 und auch W8) tragen laut Untersuchung die beiden Kreisverkehre bei, die in Poing geplant sind. Zum einen am Westring/Plieninger Straße (EBE 2), kurz vorm Ortseingang Ottersberg, zum anderen am Übergang Bergfeldstraße/Kirchheimer Allee (hier haben die Arbeiten vor Kurzem begonnen). Im Gutachten heißt es: „Die Leistungsfähigkeit beider Knotenpunkte kann auf gutem Niveau nachgewiesen werden, verkehrliche Probleme sind nicht zu erwarten.“ Den Hauptverkehrsstrom, der von den Neubaugebieten ausgeht, erwarten die Gutachter durch Poing, in Richtung Gruber Straße bzw. A94.

Poing: Der meiste Mehrverkehr fließt zur A94

Grundlage für das Gutachten sind mehrere Erhebungen an Knotenpunkten sowie Verkehrsbefragungen an fünf Punkten im Jahr 2019, außerdem bereits vorliegende Erhebungen aus anderen Nachbargemeinden.

Das aktuelle Gutachten, das jetzt im Gemeinderat Pliening vorgestellt worden ist, widerspricht Befürchtungen aus der Gemeinde Pliening und dem Gemeinderat, dass die beiden Neubaugebiete in Poing eine zu starke Verkehrsbelastung für die Gemeinde Pliening, insbesondere Ottersberg, bringen würden. „Auch wenn uns die Zahlen vielleicht nicht gefallen, so ist es aber nun mal“, sagt Bürgermeister Roland Frick im Gespräch mit unserer Zeitung.

Pliening unterbreitet Poing Vorschlag

Das Verkehrsgutachten wurde im Auftrag der Gemeinde Pliening erstellt, bezahlt worden ist es von Poing. Darauf hatten sich beide Kommunen im Vorfeld geeinigt. Grund für die Erhebungen war der Streit zwischen Pliening und Poing wegen der Neubaugebiete W7 und W8 an der Bergfeldstraße, in Blickweite zu Ottersberg. Die Gemeinde Pliening hat beim Verwaltungsgericht eine Normenkontrollanklage gegen den Bebauungsplan eingereicht. Aus zwei Gründen: Zum einen befürchtet Pliening durch die Neubaugebiete mehr Verkehr in den eigenen Ortsteilen und kritisiert, dass Poing kein geeignetes Verkehrskonzept hierfür hat; zweitens: Pliening fühlt sich, vereinfacht gesagt, übergangen, weil der Gemeinderat von Poing vor Jahren relativ kurzfristig beschlossen hatte, die Bebauung für 2000 Menschen pro Wohngebiet aufzustocken. Ursprünglich war im W7 und W8 Wohnraum für jeweils 1000 Menschen geplant gewesen.

Normenkontrollverfahren läuft weiter

Die Normenkontrollklage bzw. das entsprechende Verfahren läuft derzeit. Wann und wie es endet, ist unklar. Unabhängig davon wird im Lerchenwinkel bereits gebaut. Der Neubau des Gymnasiums allerdings verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Im Gespräch mit unserer Zeitung betonte Roland Frick am gestrigen Montag einmal mehr: „Kein einziges Gemeinderatsmitglied von Pliening ist gegen das Gymnasium in Poing.“ Weil dieses aber Teil des Bebauungsplans ist, könne man es nicht von der übrigen Bebauung trennen, weshalb das Gymnasium ebenfalls im Normenkontrollverfahren beinhaltet ist.

Aufgrund des aktuellen Verkehrsgutachtens hat der Gemeinderat Pliening in nicht-öffentlicher Sitzung laut Bürgermeister Frick einen Vorschlag an die Nachbargemeinde Poing beschlossen. Über den Inhalt wurde strengstes Stillschweigen vereinbart. Am 17. Juni, so hofft Frick, werde der Gemeinderat Poing über den Vorschlag (zur Güte?) beraten.

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