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Musik machen ist keine Frage des Alters: Karoline Eberhart, Günther Schuler senior und Xaver Burghart.   

Musikkapelle Gelting

Und die Tuba spielt der „Pa“

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Alt und jung zusammen, das passt nicht? Aber wie! Das zeigt die Musikkapelle Gelting.

Pliening – Als Günther Schuler senior 1991 zusammen mit ein paar Mitstreitern die Musikkapelle gründete, waren Karoline Eberhart und Xaver Burghart noch gar nicht auf der Welt. Heute musizieren der 16- und die 20-Jährige zusammen mit dem „Pa“, wie Schuler von allen in der Musikkapelle genannt wird. Weil er bald 80 wird, haben wir uns mit ihm und den beiden jungen Musikern zum Generationengespräch getroffen – eine kurzweilige Stunde voller Anekdoten und Geschichten. Und mit einer Überraschung am Schluss.

„Mei“, sagt Günther Schuler, „ich bin schon immer der Pa.“ Seit er vor vielen, vielen Jahren bei einem Theaterstück eine kleine Nebenrolle spielte, deren Figur „Pa“ hieß, sei ihm dieser Spitzname geblieben. Die jungen Musikanten aus der Jugendkapelle nennen ihn so, genau wie die Erwachsenen im großen Orchester. Dessen Dirigent Günther Schuler junior ist.

Zurück zum Senior. Der spielt mit seinen knapp 80 Jahren die Tuba bei den Großen und den Kleinen. Richtig, auch in der Jugendkapelle bläst er das große Instrument. Ist ja sonst keiner da – so wie damals, vor 30 Jahren, als er 50 war. „Der Dirigent der Schützenkapelle Poing hat einen Tuba-Spieler gesucht und mich gefragt, ob ich mir denn nicht eine kaufen und sie lernen möchte“, erzählt Schuler senior. Das hat er dann auch gemacht „und ein Vierteljahr lang jeden Tag geübt“. Und hast-du-nicht-gesehen hatte die Schützenkapelle Poing ihren Tubisten. Bis dahin hat er nur Zither und Hackbrett gespielt, seit er neun Jahre alt ist.

Günther Schuler kauft die Instrumente einfach selbst - für alle

Nicht durch Zufall bzw. eine Frage, sondern dank Weihnachten ist Xaver Burghart vor Jahren zu seinem Blasinstrument, dem Bariton, gekommen. „Das hat mir mein Opa geschenkt“, erzählt der Auszubildende zum Mechatroniker. Karoline Eberhart war die Musik bereits in die Wiege gelegt: Die ganze Familie musiziert seit eh und je, die 20-jährige Schülerin spielt Querflöte und Posaune.

Als junge Musikanten in der Jugendkapelle zusammen mit dem „Pa“ zu spielen, sei nichts Besonderes. „Das war und ist schon immer so“, sagt Xaver Burghart und lächelt. Günther Schuler grinst und nickt. Karoline Eberhart sagt zu ihm: „Mir fällt es immer wieder auf und es ist schön, wie du dich um die Jugend kümmerst.“ Nach jeder Probe gibt es Brotzeit für die Nachwuchsmusiker, spendiert vom „Pa“. „Ja freilich“, antwortet er. Der Zusammenhalt, die Geselligkeit, das gehöre einfach dazu zur Musikkapelle.

In den Wochen vor der Gründung der Musikkapelle Gelting im Jahr 1991 war es eher mau mit Spaß und Geselligkeit. Die damalige Schützenkapelle Poing bestand aus 24 Mitgliedern – 13 aus der Gemeinde Pliening, 11 aus Poing. Aus Gründen, die für Außenstehende selbst beim mehrmaligen Nacherzählen und Zuhören nicht einfach einzuordnen und nachzuvollziehen sind, bildeten sich zwei eigenständige Musikkapellen in Gelting und in Poing. Gemeinsam haben sie heute die Jugendkapelle, unter der Leitung von Christine Westermair.

Am Anfang waren sie nur 13

Zum Start der Musikkapelle Gelting seien es 13 Mitglieder gewesen, erzählt Günther Schuler senior. Heute sind es etwa 40. Damals: 13 Musikanten, aber nur drei Instrumente. „Die anderen gehörten der Schützenkapelle Poing“, erzählt der 79-jährige Gründer. Was tun? „Am Ende ist alles an mir hängen geblieben.“ Er habe aus eigener Tasche Instrumente gekauft, berichtet der „Pa“ und nennt eine Summe im fünfstelligen D-Mark-Bereich. Egal, Geld sei ihm nie wichtig gewesen. Die Musik aber schon. Also habe er nach Absprache mit seiner Frau das Geld in die Musikkapelle investiert.

Xaver Burghart und Karoline Eberhart können es gar nicht glauben, als sie das hören. Nicht nur das: „Eine Musikkapelle braucht eine einheitliche Tracht“, sagt Günther Schuler. Auf einer Votiv-Tafel hinter der Geltinger Pfarrkirche habe er ein Motiv entdeckt mit Menschen in Tracht. Das aus dem Jahr 1748 stammende Gemälde zeigte historische Vorläufer der Geltinger Tracht. Genau die sollte es sein. Also fertigte Schuler zusammen mit seiner Frau Karin Schnittmuster an und fuhr durchs Bayernland und darüber hinaus, um Schneider zu finden, die genau diese historische Tracht herstellen können. Sie haben sie gefunden.

Damit tritt die Erwachsenen-Kapelle nicht nur bei Konzerten auf, sondern auch seit vielen Jahren beim Schützen- und Trachtenzug zum Münchner Oktoberfest. Ganz schön anstrengend sei das, berichten Karoline Eberhart und Xaver Burghart. Mehrere Kilometer marschieren und dabei Musik spielen. Aber dennoch schön, ein ganz besonderes Erlebnis. Das die Musikkapelle Gelting Günther Schuler senior und seinen Kontakten und engen Beziehungen (insbesondere beruflich bedingt) zum Festring und den Oktoberfest-Wirten zu verdankt. Schuler war jahrelang als Spengler beim Auf- und Abbau der Festzelte tätig.

Gemeinschaft und Freude

Wie das Oktoberfest, so sei auch die Musikkapelle selbst ein besonderes Erlebnis, immer wieder aufs Neue, sagen die 20- und der 16-Jährige. „Du bist Teil von einem Ganzen, von etwas richtig Großem“, schwärmt Karoline Eberhart. „Miteinander Zeit verbringen und auf etwas hinarbeiten, was man hört und sieht“, ergänzt Xaver Burghart. „Was bedeutet Musik für Dich, Pa?“, fragen die beiden Günther Schuler. Er antwortet: „Gemeinschaft. Und Freude. Musik wächst in den Körper hinein. Mit Musik erreichst du Lebensziele und Lebenskraft besser.“ „Und welche Musik spielst Du am liebsten?“ „Anspruchsvolle Konzertmusik, die mich fordert“, sagt der Tuba-Spieler. Die beiden Nachwuchsmusikanten sind überrascht: Sie hatten mit der klassischen bayerischen Blas- und Marschmusik gerechnet.

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