Acht Menschen stehen an Biertischen.
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Präsentation des neuen Online-Wochenmarkts für Teile der Landkreise Ebersberg, Erding, Freising und München.

Startschuss

Neuer Online-Wochenmarkt: Regionale Ware direkt vor die Haustür

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Vom Hofladen direkt ins Haus: 17 Erzeuger haben einen Online-Wochenmarkt ins Leben gerufen. Mit dabei sind die Gärtnerei Böck (Neufarn) und der Zehmerhof (Gelting).

Pliening - Gemütlich auf der Couch via Laptop oder Handy bestellen und die Produkte noch über Nacht vor die eigene Haustür geliefert bekommen. Klingt an sich nicht ungewöhnlich, ist es in diesem Fall aber. Denn es geht um Produkte regionaler Erzeuger. Egal ob Brot, Milch, Eier, Käse, Hendl, Fisch, Nudeln, Gemüse oder Salat: Der Kunde muss nicht von Hofladen zu Hofladen tingeln, um all das zu bekommen. Und die Erzeuger bestimmen ihre Preise dabei selbst.

Dachgesellschaft: Wochenmarkt24 aus Bielefeld

Das Ganze firmiert unter dem Dach von Wochenmarkt24 aus Bielefeld. Das Unternehmen hat neben seinem Heimatstandort Tochtergesellschaften gegründet. In Lörrach, Osnabrück – und nun für den Bereich München-Nordost. Das Liefergebiet umfasst Teile der Landkreise Erding, Freising, Ebersberg und München. Mit dabei sind unter anderem die Gärtnerei Böck (Neufarn) und der Zehmerhof (Gelting).

Das Liefergebiet umfasst Teile der Landkreise Erding, Ebersberg, Freising und München. Nicht eingezeichnet, aber auch im Gebiet: VG Wartenberg und Moosburg.

Drehscheibe des Online-Wochenmarkts ist eine Kühlhalle in Thenn bei Wartenberg (Kreis Erding). Von dort aus werden die Produkte sechs Tage die Woche geliefert. Wer wochentags bis 18 Uhr oder samstags bis 14 Uhr bestellt, bekommt seine Ware in der folgenden Nacht bis spätestens 6 Uhr (sonntags 8 Uhr) vor die Haustür geliefert.

Schnelle Lieferung

Nach Ende der Bestellfrist machen sich die Wochenmarkt-Transporter auf den Weg zu den Erzeugern und holen die bestellte Ware ab. In Thenn werden die Produkte – sie können bio, aber auch konventionell sein – auf rund 800 Quadratmetern Fläche in Kühlboxen verpackt, bevor es ohne große Lagerung weiter zu den Kunden geht. Diese bestellen über die Wochenmarkt-Homepage direkt bei den Erzeugern.

17 haben sich bislang in einer Genossenschaft organisiert. Sie bestimmen ihre Preise selbst, einen Anteil ihrer Einkünfte geben sie an Wochenmarkt24 ab. Zwischenhändler gibt es keine. Werden Überschüsse erzielt, entscheiden die Genossen, was mit dem Geld passiert.

Die neu gegründete Genossenschaft

Diese 17 Erzeuger sind Teil der Genossenschaft: Gärtnerei Böck (Neufahrn), Junkers Café Rösterei (Freising), Lieblings-Ei-Familie Wurm (Erharting), Metzgerei Holzer (Wifling), Frischmilchhof Lanzl (Harlachen), Korngesund und Würzgenuss (Bodenkirchen), Zehmerhof (Gelting), Aichbachthaler Landgeflügel GmbH (Niederaichbach), Aichbachthaler Vertriebs- und Verwaltungs GmbH (München), Salat Service GmbH (Aufkirchen), Grieblhof (Weipersdorf/Langenpreising), Michael Kattner (Notzing), Altheimer Plantagen (Altheim), Hofkäserei Hodersberg (St. Wolfgang), Martins Backstube (Dorfen), Frischmilch Huberhof (Wurmsham), Willer Konditoreibetrieb GmbH (Parsdorf).

Mit dem Start ist Geschäftsführerin Katalin Eichinger aus Moosburg zufrieden. Ohne große Werbung habe man in der ersten Woche bereits rund 100 Kunden verzeichnet. Sie hat in den vergangenen Monaten fleißig telefoniert und Klinken geputzt, um eine Halle zu finden und Erzeuger an Bord zu holen.

Regionalität verbreiten

„Wir waren von Anfang an begeistert“, sagt Ludwig Huber vom Zehmerhof in Gelting. Er habe sich schon länger Gedanken über Online-Handel gemacht, die Logistik sei jedoch ein Problem gewesen. Für einen fairen Preis werde ihm diese Sorge nun genommen. Markus Lanzl betreibt einen Frischmilchhof in Harlachen, setzt dabei auf Heumilch. Bereits seit 2003 beliefert er Kunden in Erding, Ebersberg und im Münchner Osten. Nun erreiche er auch Kunden außerhalb seines Liefergebiets. „Die Genossenschaft verbreitet Regionalität“, sagt Lanzl.

Mit Kühlbox im Arm: Geschäftsführerin Katalin Eichinger, hier vor einem Wochenmarkt24-Transporter.

Über den Wochenmarkt können sich auch kleine Betriebe entfalten und eben nicht nur in der direkten Umgebung Kunden beliefern, freut sich Oliver Faltermaier vom Grieblhof in Weipersdorf. Und Philipp Gantner von der Metzgerei Holzer in Wifling findet: „Jeder Handwerksbetrieb muss in die Zukunft denken.“ Seine Metzgerei habe einen Online-Shop, deswegen sei es keine Frage gewesen, mitzumachen. „Wir wollen ein bisserl gegen die Großen ankämpfen“, so Gantner. „Der Online-Handel wird immer wichtiger, deswegen wollte ich mich hier einklinken“, sagt derweil Michael Kattner aus Niederding.

Keine Logistikzentren, nachhaltige Verpackungen

„Bei uns gibt es keine Logistikzentren, die die Haltbarkeiten negativ beeinflussen“, betont Geschäftsführerin Eichinger. „Unsere Hersteller verpacken Ihre Produkte überwiegend in nachhaltigen Verpackungen wie Papiertüten und Gläsern. Unser Logistikkonzept ermöglicht es sogar, die leeren Verpackungen wieder mitzunehmen“, verspricht sie. Pro 100 Kilogramm eingesammeltem Papier pflanze das Unternehmen einen Baum.

Ein Lieferwagen schaffe rund 50 Kunden. Gefahren werde ein optimierte Route „von Haustür zur Haustür“. In der Anfangszeit seien täglich zwei bis drei Transporter im Einsatz. „Stellen Sie sich vor, dass diese 50 Kunden ihr Auto starten und jeweils zum Supermarkt fahren“, gibt Eichinger zu bedenken.

Die Kühlhalle in Thenn wurde 1996 gebaut. Eigentümerin ist Marianne Liebl, die für die Verpachtung an den Online-Wochenmarkt einen Nutzungsänderungsantrag stellen musste. „Ich finde das Konzept mega und habe mir schon selbst die Frage gestellt: Wie bringe ich meine Waren zu den Menschen?“, sagt Liebl.

Bestellung auf www.muenchen-nord-ost.wochenmarkt24.de. Mindestbestellwert: 20 Euro.

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