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Immer auf dem Boden der Tatsachen: Rudi Zapf erwägt, mit der Stadlkultur zu pausieren – mit der Musik aber nicht. Gerade hat er eine neue CD aufgenommen.

Ottersberger Stadlkultur

Erstmal nachdenken

So richtig zufrieden ist Rudi Zapf nicht mit dem Verlauf seiner Ottersberger Stadlkultur in diesem Jahr. Immerhin sagt er: „Es war besser als im Jahr zuvor.“

Pliening –  Rudi Zapf  hat längst, wie er es nennt, ein „Ende der Normalität“ ausgemacht: „Ich habe nur noch Spaß, wenn mehr als 100 Leute in den Stadl kommen. Manchmal waren meine Frau und ich aber auch schon froh, wenn 50 Gäste da waren.“

In seiner Analyse über die vergangene Saison bei ihm im Kulturstadl in Ottersberg kann Zapf, Musiker seit Jahrzehnten und schon auf vielen Bühnen unterwegs, keine Gesetzmäßigkeit erkennen. „Ein Künstler, der noch vor Kurzem die Hütte gefüllt hat, bringt im Jahr darauf kaum mehr 30 Leute auf die Beine. Es ist nicht zu verstehen, weshalb diese Schwankungen so stark sind – vielleicht spielen andere Medien eine zu große Rolle.“

Seit 1995 veranstaltet der Ottersberger im Stadl auf der großen Wiese hinter seinem Haus kulturelle Kleinkunst. „Wir haben einst mit einem Wochenende angefangen. Als meine Frau Ingrid dann von 2000 an auch Brotzeiten anbot, wurde es immer mehr, heuer waren wir bei 15 Veranstaltungen“. Gerne erinnert er sich an die Zeiten, als noch der Schweiger-Kleinkunstpreis ausgelobt wurde.

Denn aus der Schar der damaligen Teilnehmer sind Künstler hervorgegangen, die heute Säle füllen. Das waren wohl auch jene Jahre, als sein Stadl noch besser besucht war. „Mittlerweile kommen die Leute, weil sie einen Künstler, der im Fernsehen war, mal live sehen oder hören wollen. Und wir haben auch eine treue Stamm-Kundschaft, die aber immer älter wird. Die sitzt dann nicht mehr so gern auf Bierbänken ohne Lehne, manchen ist es zu laut oder eine Sängerin gefällt ihnen nicht“, so Zapf. „Die gehen dann auch mal mitten unter der Vorstellung nach Hause.“

Während im Juni eher Kleinkünstler wie Werner Meier, Philipp Weber oder die Wellküren vertreten waren, traten im Juli die Musiker auf. „Vor allem die Cuba Boarischen kamen gut an“, erinnert sich Zapf, „sowie die Drum-Stars. Die haben mit Lichteffekten und Wasser-Spritzen für viel Gaudi bei den Gästen gesorgt“. Dafür, so berichtet Zapf, hätte die kleine Band Cara, die New Irish Folk spielt, nicht mehr sehr viele Besucher nach Ottersberg gebracht.

Wie es in 2018 weiter geht? Im Moment, so gibt der erfahrene Veranstalter zu, habe er noch keine Idee, er denke sogar über eine Pause nach: „Die Gäste wissen ja nicht, wie körperlich anstrengend zwei Tage hintereinander sein können. Zum Glück werden wir von vielen Helfern hier unterstützt. Außerdem ist die Entstehung eines neuen Programms oft schwierig. Denn ich bin diesbezüglich anspruchsvoll: Das Thema muss mich reizen, und der gute Kontakt zum Künstler ist wichtig.“

In jedem Fall macht Rudi Zapf zusammen mit Musiker-Freunden bei einigen anderen Events mit, etwa im Johannissaal des Schlosses Nymphenburg. „Im November spiele ich mit der Gitarristin Ingrid Westermeier dort und gebe im Dezember mit ihr, Sunny Howard (Violine) und Ludwig Klöckner (Kontrabass) ein Weihnachtskonzert der außergewöhnlichen Art.“ Und im Frühjahr 2018 bietet er mit „Weltwärts“ und „Grenzenlos“ zwei zusätzliche Auftritte im Schloss an. Gerade fertig geworden ist auch die neue CD. Hier ist Zapf zu hören, wie er an Pedalhackbrett und Vibrandoneon seine Musikpartnerin Ingrid Westermeier an der Gitarre bei 24 internationalen Melodien begleitet.

Friedbert Holz

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