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Historischer Moment: In der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates am 7. Mai vereidigte Plienings Bürgermeister Roland Frick (li., CSU) Brigitte Freund als 3. Bürgermeisterin.

Gemeinderat

Erstmalig in der Geschichte Plienings: 3. Bürgermeisterin, grün

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Brigitte Freund ist Plienings erste grüne Bürgermeisterin. Zwei Monate nach der verrückten konstituierenden Gemeinderatssitzung sprachen wir mit der neuen 3. Bürgermeisterin. 

Pliening – Es habe hinterher eine Weile gebraucht, bis sie realisiert hat, was da passiert war, gesteht Brigitte Freund: Die 49-Jährige ist in der Geschichte der Gemeinde Pliening die erste Grünen-Politikerin in einem Bürgermeisteramt. In der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 7. Mai wurde sie zur 3. Bürgermeisterin gewählt. In einer Sitzung, in der es bei der Wahl des zweiten Stellvertreters von Bürgermeister Roland Frick (CSU) sehr turbulent zuging. Zwei Kandidatinnen waren benannt worden, neben Freund noch Doris Löffler von der Initiative für Pliening (IfP). Als Frick die Namen verlas, die die Ratsmitglieder in geheimer Wahl auf die Stimmzettel geschrieben hatten, tauchte völlig unerwartet Beatrice Merk (IfP) auf, die acht Stimmen erhielt. Freund kam auf sieben, Löffler auf fünf. „Ich war total verwirrt“, erinnert sich Freund an ihren ersten Gedanken. Es folgte eine Stichwahl, die Freund mit elf zu neun Stimmen für sich entschied.

Zwei Monate danach, nachdem sich die Lage auch wieder beruhigt hat, bittet unsere Zeitung Brigitte Freund zum Gespräch über die Ereignisse sowie über die Gegenwart und Zukunft. Die 3. Bürgermeisterin, die in Landsham-Moos wohnt und in Vollzeit als leitende kaufmännische Angestellte arbeitet, hat als Treffpunkt den Dorfplatz in Landsham vorgeschlagen. Sie kommt mit dem Fahrrad. Erzählt sie von der konstituierenden Sitzung, blickt sie manchmal derart in Gedanken versunken über den leeren Dorfplatz, als würde dort die konstituierende Sitzung noch einmal stattfinden und sie als Beobachterin beinahe ungläubig das Geschehen kommentieren. Den Eklat um die Wahl zur 3. Bürgermeisterin, vor allem aber, dass tatsächlich sie, als Grüne, von der Mehrheit des Gemeinderats ins Amt gewählt worden ist. Und überhaupt: dass der Ortsverband der Grünen, der erst Anfang 2019 gegründet wurde, gleich vier Frauen in den Gemeinderat gebracht hat. Gerechnet habe man mit zwei Mandaten, gehofft auf drei, aber vier?

Pliening: Premiere in der Geschichte der Gemeinde

Dass sie überhaupt 3. Bürgermeisterin wird, damit habe sie nicht gerechnet, sagt Brigitte Freund heute. Sie habe eigentlich gedacht, dass Doris Löffler das Rennen machen werde. Weil sie schon länger Mitglied im Gemeinderat ist und weil die IfP eine etablierte Gruppierung im Kommunalparlament sei. Außerdem, fügt Freund hinzu, sei sie sowieso davon ausgegangen, von der CSU (stärkste Fraktion mit acht Mandaten plus Bürgermeister) keinerlei Stimmen zu erhalten.

Grüne sind zweitstärkste Kraft im Gemeinderat

Insbesondere Menschen aus den Neubaugebieten Landsham hätten grün gewählt, blickt sie auf den Erfolg der Plieninger Grünen bei der Kommunalwahl zurück. Schon bei den Hausbesuchen in Landsham-Süd habe sie viel positive Resonanz und Zustimmung erfahren. Der Kontakt mit den Menschen im Wahlkampf, sowohl bei Besuchen als auch bei Infoständen, sei für sie das Hauptmotiv gewesen, für eines der stellvertretenden Bürgermeisterämter zu kandidieren. Noch dazu kam, dass die Grünen zweitstärkste Kraft im Gemeinderat sind. Was freilich nicht automatisch bedeute, dass man Anspruch auf ein Bürgermeisteramt habe, trotzdem wollten es die Grünen probieren.

Hoffen auf gute Zusammenarbeit

Bei der Wahl zum 2. Bürgermeister unterlag Brigitte Freund noch Franz Burghart (CSU). Das sei zu erwarten gewesen, da macht sie keinen Hehl daraus. Jetzt ist sie neben den beiden CSU-Politikern Frick und Burghart nicht nur als Frau, sondern als Grüne Teil des Plieninger Bürgermeistertrios. Sie werde sich aktiv einbringen und stets gut vorbereitet, informiert und gerüstet sein. „Ich möchte so gut wie möglich in alles einbezogen werden“, sagt sie.

Mittendrin sein, sich interessieren – das war es, warum sie sich überhaupt entschieden habe, in die Kommunalpolitik zu gehen, erzählt die 49-Jährige. Im Jahr 2002 zog sie in die Gemeinde Pliening, sie sagt: „Ich finde, man sollte sich für den Ort interessieren, in dem man lebt.“ Brigitte Freund interessiert sich nicht nur, sie bringt sich auch ein: Bei der Elterninitiative Pliening war sie fünf Jahre Vorsitzende.

In der Kommunalpolitik bzw. in der Arbeit im Gemeinderat ist es Brigitte Freund und ihren Fraktionskolleginnen Margrit Pricha, Tina Lucka und Gabriele Heigl das größte Anliegen, „grüne Themen einzubringen und damit etwas zu erreichen“, sagt Brigitte Freund. Beispiele: sichere Fahrrad- und Fußwege, Klimaschutz. „Grüne Themen umzusetzen dürften eigentlich nicht schwer sein, weil jede Gruppierung in ihrem Programm grüne Themen hat“, hofft sie auf Erfolg.

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