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Am Ende im Scheinwerferlicht: Bürgermeister Roland Frick (Mitte) mit seinem Stellvertreter Franz Burghart und 3. Bürgermeisterin Brigitte Freund.

Gemeinderat

Plieninger Posse: Wahl zur 3. Bürgermeisterin gerät zur Komödie

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Wo normalerweise der Plieninger Theaterverein lustige Stücke spielt, hat der neue Gemeinderat eine Komödie aufgeführt. Die Wahl zur 3. Bürgermeisterin geriet zur Provinzposse. 

Pliening – Normalerweise spielt im Saal des Plieninger Bürgerhauses einmal im Jahr der Verein Pleaninga Theaterbagasch ein volkstümliches und lustiges Stück. Anfang dieses Jahres, als von Corona noch keine Spur war, zeigten die Laienschauspieler die Krimikomödie „Mucks Mäuserl Mord“. Am Donnerstagabend war es der neue Gemeinderat, der im Bürgerhaussaal bei seiner konstituierenden Sitzung eine Komödie in drei Akten zeigte. Vorhang auf für das Stück „Mucks Mäuserl Machtspielchen“.


Prolog:

Bevor die zehn neu gewählten Gemeinderatsmitglieder vereidigt werden, hält Bürgermeister Roland Frick (CSU) eine Grundsatzrede. Er spricht von den Aufgaben und Herausforderungen in den nächsten Jahren (beispielsweise den Bau des Seniorenzentrums) und beschwört mehrmals die „gute, strukturierte und konstruktive Gesprächskultur“, die in den vergangenen Jahren im Gemeinderat geherrscht habe und die auch in Zukunft beibehalten werden möge. „Für Polemik und Beleidigungen ist in diesem Gremium kein Platz“, betont er. Dann sagt er noch, dass er sich freuen würde, mit dem bisherigen 2. Bürgermeister Franz Burghart weiterarbeiten zu dürfen, und dass er sich wünsche, dass eine der beiden Positionen (2. oder 3. Bürgermeister) von einer Frau besetzt werde. Weil: Der neue Gemeinderat besteht aus zehn Frauen und zehn Männern.


Erster Akt

Friede, Freude, Eierkuchen herrscht zu Beginn, als die Protagonisten vorgestellt werden. Frick begrüßt jene zehn Ratsmitglieder, die für weitere sechs Jahre gewählt worden sind, und jene zehn, die neu hinzugekommen sind. Anschließend werden die Neuen (darunter erstmals die Grünen) vereidigt.


Zweiter Akt, erster Teil

In geheimer Abstimmung werden 2. und 3. Bürgermeister gewählt. Die CSU präsentiert den bisherigen stellvertretenden Bürgermeister Franz Burghart als Kandidaten, die Grünen schlagen aus ihren Reihen Brigitte Freund vor. Der Gemeinderat besteht aus 20 Personen plus Bürgermeister Frick, ergibt 21 Stimmen. CSU 9, Grüne 4, Initiative für Pliening 3, SPD 2, Neues Forum 2 und Wählergruppe Gelting 1. Burghart gewinnt mit 12:9.


Kurze Pause.Zeit zum Getränke und Luft holen, bevor die Komödie an Fahrt aufnimmt.


Zweiter Akt, zweiter Teil

Vor der Wahl zum 3. Bürgermeister meldet sich als erstes Markus Uffinger von der Initiative für Pliening zu Wort. Er schlägt seine Kollegin Doris Löffler vor. Margrit Pricha, Sprecherin der Grünen, präsentiert erneut Brigitte Freund. Zwei offiziell benannte Kandidatinnen. Als Bürgermeister Roland Frick das Ergebnis vorliest, Raunen und Staunen im Saal, in dem rund 40 Besucher sitzen: „Ein Stimmzettel ist ungültig, weil nichts draufsteht. Doris Löffler hat fünf Stimmen, Brigitte Freund sieben, Beatrice Merk acht.“ Beatrice Merk? Sie ist ebenfalls Mitglied der Initiative für Pliening und neu im Gemeinderat. Wie ihr Name auf acht der abgegebenen Zettel kommt? Das wird nie rausgekommen, die Wahlen finden stets geheim statt.

Beatrice Merk sorgte für Überraschung und Verwunderung. 

Vor der Stichwahl zwischen Freund und Merk sagt Letztere, dass es nicht in ihrer Planung gewesen sei, 3. Bürgermeisterin zu werden. Zumal sie Beruf und Kinder habe. Dennoch stelle sie sich der Stichwahl, aber: „Ich werde die Wahl nur annehmen, wenn ich mindestens 13 Stimmen erhalte.“ Das Ergebnis: wieder ein einzelner leerer Zettel; elf Stimmen für Brigitte Freund, neun für Beatrice Merk. Damit ist die Grünen-Gemeinderätin Dritte Bürgermeisterin.


Dritter Akt

Als es um die Zahl der Mitglieder in den Ausschüssen geht, kündigt Beatrice Merk an, dass sie die Fraktion der Initiative für Pliening verlassen werde. „Mir ist in den vergangenen Tagen nahegelegt worden, die Initiative zu verlassen“, sagt sie. Verwunderung im Saal. Kurz zuvor hatte Markus Uffinger, der bei der Kommunalwahl im März für die Initiative als Bürgermeisterkandidat angetreten war, noch angekündigt, dass seine Fraktion einen der beiden Plätze in den Ausschüssen an Ludwig Huber von der Wählergruppe Gelting abtreten wolle. Damit jede Fraktion in den Ausschüssen vertreten sei. Das geht nach Merks Austrittsankündigung nicht mehr, weil dadurch der Initiative ein Platz in den Ausschüssen wegfällt.

Vorhang zu.


Zugabe

Unmittelbar nach der Sitzung sagt Markus Uffinger im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er völlig überrascht und enttäuscht sei. Vom Verhalten seiner Noch-Fraktionskollegin Beatrice Merk, aber auch von der CSU. Er, Uffinger, glaube, dass die CSU Merk absichtlich aufs Tapet gehoben habe. René Buchmann, Orts- und Fraktionsvorsitzender der CSU, beruft sich auf die geheime Wahl und sagt, dass es innerhalb seiner Fraktion keine Abstimmungen gegeben habe. Jeder dürfe frei wählen. Beatrice Merk selbst äußert sich am Donnerstabend nicht: „Kein Kommentar“.


Epilog

Beatrice Merk sagt am Freitag im Telefonat mit unserer Zeitung: „Ich wollte das alles nicht.“ Dass sie aus der Fraktion austreten solle, sei ihr in den vergangenen Tagen aus den Reihen der eigenen Gruppierung, der Initiative für Pliening, nahegelegt worden, berichtet sie. Namen möchte sie nicht nennen. Auf die Mindeststimmenzahl von 13 habe sie deshalb bestanden, weil sie haben sehen wollen, ob sie von ihrer eigenen Fraktion noch Rückhalt bekomme.

Wie es jetzt weitergeht? „Ich weiß es nicht“, antwortet Beatrice Merk auf die Fragen, ob sie a) Mitglied im Gemeinderat bleiben wird und b) falls ja, als Parteilose oder in einer anderen Fraktion.

Kommentar zur konstituierenden Sitzung des Gemeinderates Pliening. 

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