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Sie sind für Artenvielfalt und gegen Bienensterben, aber auch gegen eine Pauschal-Verurteilung und -Verantwortung der Landwirte: Zum Start des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ haben am Donnerstagmorgen vor dem Plieninger Rathaus Bäuerinnen und Bauern ihre Sicht der Dinge erläutert. Von links: Johann Körner, Richard Beitinger, Altbürgermeister Georg Rittler, Marlene Bichler, Sophie Kern, Emmeran Königer, Josef Bauer-Eberhart, Anna Pfaffenstaller und Plienings Ortsbäuerin Lisi Burghart.

Volksbegehren

Für Artenvielfalt, gegen Verurteilung

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Zum Start des Bienen-Volksbegehrens haben in Pliening Landwirte gegen den Gesetzesentwurf protestiert. Sie fühlen sich zu Unrecht als Hauptschuldige und -verantwortliche an den Pranger gestellt.

Pliening – Die beiden Parteien stehen nur wenige Meter voneinander entfernt: Vor dem Plieninger Rathaus haben sich am Donnerstag, um 8 Uhr, zwei Grüppchen getroffen – die einen unterstützen das Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“, die anderen nicht. Die einen, das sind unter anderem Mitglieder der Ortsgruppe des Bund Naturschutzes mit ihrem Vorsitzenden Franz Höcherl, die anderen sind Landwirte aus der Gemeinde Pliening.

In den vergangenen Tagen und Wochen haben sich in vielen Gemeinden, auch im Landkreis Ebersberg, Aktionsgruppen gebildet zur Unterstützung des Volksbegehrens. Mit Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen wollen sie möglichst viele Bürger motivieren, sich in die Listen einzutragen für die Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes.

Zum Start des Volksbegehrens am 31. Januar hat Plienings Ortsbäuerin Lisi Burghart aus Ottersberg einen kleinen Infostand organisiert, an dem Landwirte ihre Meinung zum Volksbegehren erläutern. Am allerwichtigsten sei ihnen, so Burghart: „Wir appellieren an die Menschen, dass sie sich den Gesetzesentwurf vor dem Unterschreiben durchlesen.“ Wer das Volksbegehren unterzeichne, sollte wissen, was er unterschreibt. Viele würden nur die plakativen Worte „Rettet die Bienen!“ sehen, glauben Lisi Burghart und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Die Bienen und Artenvielfalt retten bzw. erhalten, das wollen auch die Landwirte, betont sie. Aber: Der Gesetzesentwurf des Volksbegehrens suggeriere, das die Bauern die Schuldigen wären. Obwohl sie, gerade in kleineren Gemeinden wie Pliening, alles Mögliche für Artenvielfalt und den Erhalt der Kulturlandschaft tun würden.

Emmeran Königer aus Landsham beispielsweise berichtet davon, dass viele Landwirte mehrere Fruchtfolgen auf ihren Feldern haben, dass, zum Glück, noch keine Monokultur herrsche. Und er erzählt, dass auf einigen seiner Felder Bodenbrüter wie Kiebitz und Lerche brüten. Nicht auf den Ausgleichsflächen, die von Gemeinden und Landratsämtern angelegt werden als Ersatz für Gewerbe- und Baugebiete.

Bei diesem Thema meldet sich Josef Bauer-Eberhart, Landwirt aus Pliening, zu Wort: „Ich kann es nicht verstehen und mich ärgert es maßlos, dass die Untere Naturschutzbehörde beim Anlegen von Ausgleichsflächen die Humusschicht abtragen lässt. Da ist doch überhaupt kein Nährboden mehr vorhanden.“ Solche künstlich angelegten Wiesen, bei denen die Oberschicht entfernt wird, hätten mit Naturschutz bzw. -erhaltung nicht viel zu tun. Obwohl die Naturschutzbehörde sich so verhalten würde, unterstützt sie das Volksbegehren. „Das passt überhaupt nicht zusammen“, wundert sich Burghart.

Die Landwirte sind an diesem Donnerstagmorgen nicht auf Konfrontation aus, sie erläutern ruhig ihre Sicht der Dinge, sprechen auch mit den Unterstützern des Volksbegehrens. Man kennt sich im Dorf. Aber hat halt unterschiedliche Meinungen. „Euch ist doch auch klar, dass es so nicht mehr weitergehen kann“, sagt Franz Höcherl, Vorsitzender der Ortsgruppe des Bund Naturschutz, zu den Landwirten, und meint damit das große Ganze in Sachen Umweltzerstörung und Natur. „Freilich ist uns das klar“, antworten die Bauern. Aber ausschließlich sie in die Verantwortung zu ziehen, sei nicht fair und nicht richtig. So aber würde es aber im Volksbegehren und im Gesetzesentwurf dargestellt.

Noch einen Punkt sprechen die Landwirte an: Die von den Initiatoren des Volksbegehrens (die Parteien ödp und Bündnis90/Die Grünen sowie der Landesbund für Vogelschutz) aufgestellte Forderung nach Ausweitung des Ökolandbaus auf einen gesetzlich vorgeschriebenen Anteil von 20 bis 30 Prozent. „Wie soll das gehen?“, fragt Emmeran Königer. „Schon heute tun sich Bio-Landwirte schwer, ihre Waren zu verkaufen.“ Weil die Nachfrage zu gering sei, weil zu wenige Menschen ökologische landwirtschaftliche Produkte vor Ort kaufen. „Jeder schaut aufs Geld“, sagt Emmeran Königer. Das könne er auch verstehen, zumal in einer Region wie München, wo hohe Mieten zu bezahlen sind. Selbst wenn das Gesetz entsprechend geändert werden würde für mehr Ökolandbau, würden die Menschen dann mehr solche Produkte kaufen?, fragt Königer weiter. Er glaubt nicht: „Die Leute werden weiterhin zum Discounter gehen und das Billigste kaufen.“ Aber das Gesetz hätte zur Folge, dass die herkömmliche Landwirtschaft eingeschränkt werden würde. Zulasten insbesondere der kleinen Bauern.

Es sind solche Themen, die die Landwirte am Donnerstagvormittag ansprechen. Und auch, dass jeder einzelne Bürger etwas für die Artenvielfalt tun könne, beispielsweise im eigenen Garten oder auf dem Balkon. Zum Beispiel nicht ständig mähen und düngen, sondern die Wiesen und Blumen einfach stehen und wachsen lassen. Aber die Verantwortung fast ausschließlich auf die Bauern zu schieben, dagegen wehren sie sich.

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