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Das Wachstum Poings, insbesondere die Art und Weise, in Richtung Norden ist der Nachbargemeinde Pliening ein Dorn im Auge. 

Neubaugebiete

Pliening mächtig sauer auf Poing

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Nur an sich denken, ohne die Auswirkungen auf andere zu berücksichtigen: Das ist, vereinfacht gesagt, der Vorwurf, den Pliening seiner Nachbargemeinde Poing in Bezug auf die geplanten Neubaugebiete W7 und W8 macht. Sogar der Gang zum Verwaltungsgerichtshof wird in Erwägung gezogen.

Pliening – Insbesondere auf den Ortsteil Ottersberg sehen Gemeindeverwaltung und Gemeinderat von Pliening große Probleme zukommen. Durch die von Poing geplante Ampelanlage an der Einmündung Westring/Plieninger Straße „dürfte es in der morgendlichen Spitzenstunde zu Verkehrsstaus in Ottersberg kommen“, heißt es in der Stellungnahme zu Poings Bauprojekt. Morgens, so die Befürchtung, werde sich der Verkehr von Pliening kommend Richtung Poing in Ottersberg stauen. Sollte die vorgesehene Ampel gar eine Umbaumaßnahme der vor Kurzem von Pliening errichteten Querungshilfe für Fußgänger und Radfahrer notwendig machen, dann dürfe diese nicht zulasten der Gemeinde Pliening gehen. So steht es in der Stellungnahme, die der Bauausschuss des Gemeinderates Pliening einstimmig beschlossen hat.

Laut einer Verkehrsprognose, die in dem Schreiben erwähnt wird, werde durch die Baugebiete W7 und W8 eine Verkehrszunahme von 1500 Fahrzeugen pro Tag in Richtung Ottersberg erwartet. „Dies entspricht einer Steigerung von 13 Prozent“, so Plienings Bürgermeister Roland Frick. Insgesamt werde die Gemeinde Pliening „mit mehr als 17 Prozent des zusätzlich entstehenden Ziel- und Quellverkehrs belastet“. Die geplante Wohnbebauung und das neue Gymnasium im W7 führen nach Ansicht von Frick, der Verwaltung und den Bauausschussmitgliedern „zu einer erheblichen Zunahme der Fahrzeugbewegungen auf der EBE 2 (Plieninger Straße zwischen Ottersberg und Poing,die Red.) und damit letztlich auf die Gemeinde Pliening“.

Und was macht Poing? Von den Verkehrsplanern sind im Zuge der Neubebauung zwei Entlastungen vorgeschlagen worden: ein Kreisverkehr an der Einmündung Bergfeldstraße/Kirchheimer Allee sowie die Ampel am Übergang Westring/Plieninger Straße. „Diese Maßnahmen kommen ausschließlich Poing zugute“, kritisiert Frick. An die möglichen Folgen für die Nachbargemeinde Pliening sei nicht gedacht worden. „Derartige Auswirkungen sind (...) nicht hinnehmbar“, heißt es unmissverständlich in der Stellungnahme an Poing. Darin fordert Pliening „eine qualifizierte interkommunale Abstimmung“ zwischen den beiden Kommunen. Die nach Ansicht von Pliening zu erwartenden Verkehrsprobleme, auch bezüglich des öffentlichen Nahverkehrs, könnten „nur unter Berücksichtigung des überörtlichen Verkehrskonzeptes für den Münchner Osten, dass inzwischen beauftragt wurde, erfolgen“, so das Fazit. Nach Ansicht der Gemeindeverwaltung und des Bauausschusses sei die von Poing vorgelegte Planung für die Neubaugebiete W7 und W8 „in der momentanen Fassung nicht rechtswirksam durchzuführen“, unter anderem, „da das interkommunale Abstimmungsgebot des § 2 Abs. 2 Baugesetzbuch verletzt werden würde.“

In einer weiteren Stellungnahme, konkret bezogen auf das nächste Neubaugebiet W7 nahe Ottersberg, wirft Pliening Poing „städtebauliche Ignoranz“ und „eine völlige Rücksichtslosigkeit gegenüber der angrenzenden Gemeinde“ vor. Eine wie im W7 geplante fünfgeschossige Bebauung unmittelbar an der Gemeindegrenze zu realisieren, könne so nicht hingenommen werden, heißt es in dem Schreiben.

Weil Pliening durch das Bauvorhaben W7 „erhebliche negative verkehrliche und städtebauliche Auswirkungen auf die Gemeinde Pliening“ sieht, erwägt die Kommune, beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einen Normenkontrollantrag zu stellen.

Die Stellungnahmen der Gemeinde Pliening werden im nächsten Schritt von der Gemeinde Poing geprüft und dem dortigen Gemeinderat zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt.

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