Zwischenfall bei Hochzeitsfeier

Plieninger Partygäste gehen Feuerwehrmänner an

  • Michael Seeholzer
    VonMichael Seeholzer
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Ein Fehlalarm auf einer Hochzeitsfeier in Pliening rief die Feuerwehr auf den Plan. Eigentlicher Skandal: Die Gäste begrüßten die Einsatzkräfte mit Sätzen wie „Verpisst euch“.

Pliening -  „Wir wurden eingekreist.“ Es seien Ausdrücke gefallen wie „verpisst euch“ oder „wie viele kommen denn noch von euch?“, sagt der Kommandant auf Nachfrage. Der Vorfall hatte am Montagvormittag ein Nachspiel. Im Bürgerhaus fand eine Besprechung statt, an der Hausmeister Josef Gruber und Rathauschef Roland Frick teilnahmen. Unter bestimmten Umständen können Brandmeldeanlagen nämlich teilweise abgeschaltet werden. „Dann muss aber eine Sicherheitswacht vorhanden sein“, informiert Kreisbrandrat Andreas Heiß. „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“, sagt Frick zu den Bestimmungen, die für das Bürgerhaus gelten. In Pliening schlugen die Rauchmelder jedenfalls Alarm. Die Gesellschaft verständigte selbst die Feuerwehr, die meisten Gäste waren bereits auf dem Vorplatz, als die Einsatzkräfte eintrafen. „Die dann anzugehen, geht moralisch gar nicht“, sagt Heiß. „Ich bin drei Mal angerempelt worden“, berichtet Kommandant Erl.

Dass Feuerwehrler sich von denen, denen sie eigentlich helfen wollen, immer wieder etwas anhören müssen, kennt Heiß normalerweise nur von Verkehrsmaßnahmen, „wenn die Leute trotz Sperre irgendwo durchfahren wollen.“ „Wenn Einsatzkräfte angegangen werden, reagiere ich sehr empfindlich“, kündigt Frick Konsequenzen an, möglicherweise auch strafrechtlicher Art.

So hat sich der Vorgang laut Feuerwehrkommandant Christian Erl zugetragen: Am frühen Sonntagmorgen um 0.20 Uhr sei die Feuerwehr Pliening zu einem Alarm mit dem Stichwort „Brand Heimrauchmelder“ ins örtliche Bürgerhaus in der Geltinger Straße gerufen worden. „Vor Ort stellte sich glücklicher Weise heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Die bereits voll mit Atemschutz ausgerüsteten Kameraden konnten wieder abrüsten.“ Der Einsatz dauerte nur eine halbe Stunde, die Diskussion darüber wird länger dauern.

„Die Mieter des Bürgerhauses, die dort eine private Veranstaltung abhielten, benutzten offensichtlich unerlaubt eine Nebelmaschine, wodurch die automatische Brandmeldeanlage ausgelöst wurde“, berichtet Erl. 

„Nach einem Einsatz wie diesem geht man mit einem unschönen Gefühl nach Hause“

Als das erste Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr wenige Minuten nach der Alarmauslösung das Bürgerhaus erreichte, seien Kommandant und Einsatzleiter massiv beschimpft und teilweise tätlich angegangen worden. „Nur mit Mühe war es möglich, die aufgebrachten Gäste der Feier einigermaßen zu beruhigen und die Brandmeldeanlage schließlich wieder zurückzusetzen. Solche Übergriffe kannten wir bislang nur aus der Presse von anderen Feuerwehren.“ Die Situation entspannte sich schließlich wieder. Im Einsatz waren 18 Feuerwehrmänner. Die Zahl der Gäste schätzt Frick auf 150, „200 waren angemeldet“.

„Grundsätzlich springen wir auch nachts aus dem Bett und kommen unseren Mitbürgern zu Hilfe“, sagt der Plieninger Feuerwehrkommandant in der Rückschau. Wenn es sich dabei dann um einen Fehlalarm handele, sei normalerweise die einhellige Meinung „lieber einmal zu viel alarmiert“. „Wenn aber Reaktionen auf den Einsatz folgen wie diese, gehen die ehrenamtlichen Kameraden mit einem sehr unschönen Gefühl nach Hause. Trotzdem, wenn das nächste Mal die Sirene geht, sind wir wieder für unsere Mitbürger da!“

Umsonst war den Einsatz im Plieninger Bürgerhaus nicht. Frick hat gegenüber der Ebersberger Zeitung angekündigt, dass der Aufwand den Verursachern in Rechnung gestellt wird. „Und zwar definitiv.“

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