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Tisch an Tisch wird gearbeitet bei „Sew“, dem größten Näh-Treff weit und breit.

Näh-Treff

Rattern und schnattern

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Zum dritten Mal haben sich im Bürgerhaus Pliening 200 Frauen zum Nähen getroffen. Es ist weit und breit der größte Treff dieser Art. 

Pliening – Warum sind eigentlich keine Modeschöpfer wie Vivienne Westwood, Calvin Klein, Karl Lagerfeld und Co. da? Sie hätten ihre Freude an dem, was am Samstag zum dritten Mal im Bürgerhaus Pliening zu sehen und zu hören war: 200 Frauen (Durchschnittsalter: Mitte/Ende 30), die Kleidung kreieren, Kleidung nähen und ausgefallene und tolle Kleidung tragen. Nach den beiden ersten Näh-Treffs war auch die mittlerweile dritte Veranstaltung mit dem Titel „Sew“ (englisch: nähen) ein voller Erfolg.

Erfunden hat’s Doreen Richter aus Pliening, selbst ernannte „Hasenchefin“. Der Name steht nicht zufällig auf ihrem - freilich selbst gemachten - T-Shirt: Die Plieningerin betreibt in Poing und Augsburg die feinen Stoffläden namens „Sonntagshase“.

Vom Computer auf den Stoff.

Die Nähmaschinen rattern, die Näherinnen schnattern: So geht’s zu bei „Sew“, mit dem die pfiffige Organisatorin vor allem ein Ziel verfolgt: „Frauen, die sich sonst nur übers Internet durch Näh-Blogs und andere soziale Medien kennen, zusammenbringen.“

Und wie Doreen Richter das gelingt: Die Teilnehmerinnen sind aus dem ganzen Bundesgebiet angereist (den weitesten Weg hatten zwei Hamburgerinnen), auch aus Österreich sind welche da. Tisch an Tisch sitzen sie, nähen sie, geben sich Tipps, unterhalten sich, lernen sich kennen. „Das ist herrlich hier“, schwärmt eine, die bereits zum dritten Mal dabei ist.

Doreen Richter blickt zur Halbzeit, sechs Stunden nach dem Start um 10 Uhr, zufrieden in den Saal des Bürgerhauses, lächelt und sagt: „Mich freut’s!“ Zusammen mit einem 20-köpfigen Helferteam hat sie „Sew“ auf die Beine gestellt, ihr Mann Torsten trägt auf seinem T-Shirt den Namen „Hasenmann“. Er und seine Hasenfrau wuseln den ganzen Tag über, bis zum Ende um 22 Uhr, durchs Bürgerhaus, fotografieren, helfen bei Fragen genauso wie bei der Auswahl an der kostenfreien „Candy-Bar“, die gefüllt ist mit leckeren Süßigkeiten wie Schokolade und Gummibärchen. Eine große Näh-Familie ist das hier. Keine Frage.

Und eine Art Modenschau. Viele der Frauen tragen selbst gemachte Kleider und Shirts, knallig bunt oder mit verrückten Motiven, jedes ein Einzelstück. Teilweise gehen sie in Socken oder barfuß durch den Bürgersaal, ohne Attitüde, dafür selig lächelnd und mit der dazugehörigen positiven Ausstrahlung. Gemütliche und ungezwungene Wohnzimmer-Atmosphäre. Wer ist gleich noch mal Heidi Klum?

Männer? Gibt’s nur im Organisationsteam und Servicebereich. Unten, am Eingang des Bürgerhauses, steht, in einer Ecke neben der Treppe, ein Scherenschleifer. An der Bar im Saal schenkt ein anderer kühle Näherinnen-Getränke aus. An den Nähmaschinen und in den Workshops, in denen es allerlei Profitipps gibt: ausschließlich Frauen. „Ich genieße es, einen ganzen Tag lang ohne Kinder und Mann meinem Hobby nachzugehen“, sagt eine Teilnehmerin am späten Nachmittag.

Mit einem Grinsen fügt sie hinzu: „Ich bleibe bis zum Schluss, das muss ich doch ausnutzen!“ Dann lässt sie ihre Nähmaschine wieder rattern.

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