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Kistenweise Unterlagen schleppten die Polizeibeamten am Dienstag aus dem Haus, das sogenannten Reichsbürgern als Zentrale dient. Die Reichsbürger erkennen die Hoheit der Bundesrepublik nicht an.

Großrazzia

Reichsbürger: Polizei schlägt in Landsham zu

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Das Gelände ist abgesperrt, Spezialeinheiten in dunkler Kleidung sichern das Grundstück an der Erdinger Straße in Landsham (Gemeinde Pliening). In einer groß angelegten Aktion ging die Polizei am Dienstag in drei Bundesländern gegen sogenannte Reichsbürger vor, in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und vor allem in Bayern. 

Landsham– 250 Polizeibeamte waren bei der Aktion im Einsatz. Insgesamt ging es um 15 Objekte. Allein 40 Beamten waren für einen Schwerpunkt im Landkreis Ebersberg zuständig, ein Haus an der Ecke zur Heribertstraße in Landsham. Dort ist die Zentrale des „Bundesstaats Bayern“. Eine weitere Aktion war in Eitting im Nachbarlandkreis Erding.

Die Razzien ausgelöst hatten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II. Mit der Großaktion beauftragt wurde die Ermittlungsgruppe „Wappen“ der Kripo Erding. Es geht unter anderem um den Verdacht der gewerbs- und bandenmäßigen Urkundenfälschung.

Reichsbürger erkennen die Existenz der Bundesrepublik nicht an. Die bisherigen Erkenntnisse der Ermittler ergaben zudem Anhaltspunkte für den Aufbau einer Finanzverwaltung und eines Gewerbeamtes. Es seien „Staatsangehörigkeitsausweise“, „Führerscheine“, „Gewerbescheine“ und „Amtliche Lichtbildausweise“ ausgestellt und gegen Gebühr vertrieben worden.

Ziel der Razzia war laut Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, Beweismaterial zu finden und zu sichern.

Die Aktion begann am Dienstag gegen 6 Uhr früh. Die Einsatzkräfte umstellten das Haus in Landsham großräumig. Eine Eskalation sollte vermieden werden. „Aufgrund der aktuellen Gefährdungseinschätzung der Reichsbürgerbewegung muss davon ausgegangen werden, dass Anhänger ihre Ideologie auch mit Nachdruck unter Gewaltanwendung verteidigen“, heißt es bei der Polizei. Deshalb auch die Spezialeinheiten. Nicht noch einmal sollte bei einer Reichsbürger-Razzia ein Polizist sterben, wie im Oktober im mittelfränkischen Georgsgmünd.

In Landsham agierte die Polizei zurückhaltend. Eine 48-jährige Bewohnerin verließ das Haus, in dem sie im ersten Stock mit ihrem Lebensgefährten (50) wohnt, und fuhr mit einem dunklen Fiat Panda weg. An der Seitentüre prangt ein großes Wappen, das des „Bundesstaates Bayern“. Die Polizei folgte ihr. Die Frau wurde gestoppt und festgenommen, das Auto brachte später ein Abschleppwagen zum Wohnhaus zurück.

Vorbereitet hatten die Einsatzkräfte eine Art Hebebühne, um von dort aus – falls notwendig – leichter von außen in den ersten Stock zu gelangen. Gebraucht wurde die Hebebühne laut Kammerer nicht. Der 50-jährige wurde laut Anwohnern aufgefordert, sich zu ergeben. In der Wohnung befand sich ein weiter Mann (ebenfalls 50), der auch den Reichsbürgern zugeordnet wird. Die drei Personen gelten als vorübergehend festgenommen. Sie wurden verhört. Alles blieb ruhig.

Bilder: Razzia bei Reichsbürgern in Landsham

Verpackt in Umzugskartons wurden Schriftstücke und anderes Material, darunter Blanko-Urkunden, aus der Wohnung über eine Außentreppe in den Hof getragen. Gefunden worden sei auch eine größere Menge Bargeld, „mehrere tausend Euro“, erklärte Kammerer später bei einer Presserkonferenz. Möglicherweise handelt es sich dabei um Gebühren für die Urkunden des „Bundesstaates Bayern“. Waffen wurden in dem Landshamer Haus nach ersten Erkenntnissen nicht entdeckt.

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