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Wegen schweren Raubes stand ein 20-jähriger Plieninger vor dem Amtsgericht Erding. Geständig war er nicht, aufgrund der Indizienkette wurde er jedoch zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt (Symbolbild).

Gerichtsurteil

Schule geschwänzt, Tankstelle überfallen: Plieninger (20) muss drei Jahre ins Gefängnis

  • vonMayls Majurani
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Die Beute betrug 489 Euro: Ein 20-jähriger Plieninger war an einem Raubüberfall beteiligt. Das Gericht verurteilte den jungen Mann nun zu einer hohen Haftstrafe.

  • Tankstelle überfallen, Frau mit Pistole bedroht
  • Prozess gegen Plieninger (20) am Amtsgericht Erding
  • Urteil: Drei Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung

Wegen schweren Raubes ist ein 20-jähriger Plieninger vom Amtsgericht Erding zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt worden – die nicht zur Bewährung ausgesetzt wird. Heißt: Der junge Mann muss ins Gefängnis. Angeklagt war er wegen schweren Raubes – er hatte eine Tankstelle überfallen. Geständig war der Angeklagte nicht, aufgrund der für Richter Michael Lefkaditis überzeugenden Indizienkette verurteilte er ihn zur Freiheitsstrafe.

Vater entdeckt per Zufall das Auto

Bei der Gerichtsverhandlung wurde das Geschehen am Tattag aufgerollt. Am 7. Mai 2019 bekam der Plieninger eine SMS von seinem Vater. Dieser wollte wissen, wieso das Auto in Aschheim sei – er konnte es offenbar orten. „Ich bin nicht in der Schule“, antwortete der Sohn. Unentschuldigt, wie sich später bei den Ermittlungen herausstellte. In Aschheim blieb er dann aber auch nicht, rückwirkend konnte sein Handy zuletzt in Finsing geortet werden, dann war es ausgeschaltet.

Überfall mit Atemmasken und Pistole

Erst nach der Tat konnte die Position des Handys wieder ermittelt werden, diesmal in München. Zusammen mit drei Mittätern war der 20-Jährige in der Zwischenzeit nach Moosinning gefahren. Das Auto wurde auf einem Feldweg fluchtbereit abgestellt. Eine Person blieb am Steuer, drei Personen, gekleidet in weiße Ganzkörper-Maleranzüge und Atemmasken, liefen zur Tankstelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit einer Pistole bedrohten sie die Pächterin, entnahmen 489 Euro aus der Kasse, rannten zum bereitstehenden Fahrzeug und flüchteten.

Angeklagter schweigt zum Raub

Ob der Angeklagte der Fluchtfahrer oder selbst am Raub beteiligt war, konnte nicht geklärt werden – der 20-Jährige äußerte sich zu den Vorwürfen überhaupt nicht. Von der Polizei gefasst werden konnte er, weil sich mehrere voneinander unabhängige Zeugen Fahrzeugmarke, -modell und -farbe sowie zumindest die Buchstaben und einzelne Ziffern des Kennzeichens gemerkt hatten. Nur zu einem einzigen Fahrzeug passten die möglichen Zahlenkombinationen.

Bei einer Hausdurchsuchung stellten die Ermittler Maleranzüge und eine Schreckschusspistole sicher. Außerdem beim Angeklagten daheim: 31 Gramm Marihuana. Bei der Auswertung seiner Handydaten wurde klar, dass er das Cannabis in kleinen Mengen verkauft. Diesbezüglich legte der Mann ein Geständnis ab.

Zeuge filmt Fluchtwagen

Für die Durchleuchtung des Raubüberfalls war dagegen die Anhörung von acht Zeugen notwendig. Eine Moosinningerin, die zur Tatzeit mit dem Auto unterwegs war, hätte die zunächst zu Fuß zum Fluchtwagen rennenden drei Personen fast überfahren. Auch das Auto bemerkte sie: „Auf dem Feldweg habe ich noch nie ein Auto gesehen, deshalb ist mir das aufgefallen.“ Zwischen Moosinning und Eichenried wurde sie dann hektisch von eben diesem Wagen überholt, da ahnte sie, dass irgendwas passiert sein musste. Sie merkte sich zumindest einen Teil des Kennzeichens, drehte um und fuhr zur Tankstelle.

Sieben Minuten später wurde das Auto von der Dashcam eines Erdingers gefilmt. Da waren die Räuber schon bei Fischerhäuser. Als der Zeuge von dem Raub erfuhr, übergab er die Aufzeichnungen der Polizei.

Richter entscheidet sich gegen Bewährungsstrafe

Staatsanwalt Matthias Zweck forderte für den Angeklagten eine Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, Verteidiger Andreas Martin plädierte auf Freispruch in der Raub-Sache – die Schuld seines Mandanten sei nicht eindeutig erwiesen, argumentierte er.

Für Richter Michael Lefkaditis war die Indizienkette allerdings so plausibel, dass er sogar die Forderung Zwecks übertraf und drei Jahre Freiheitsstrafe verhängte. Zwar war der 20-Jährige nicht vorbestraft, „für so eine schwere Tat, die gut organisiert war, kommt aber nur eine Freiheitsstrafe infrage“, so Lefkaditis.

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