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Platz für eine Außenstelle der FOS/BOS könnte nach Ansicht von Landrat Robert Niedergesäß die Dominik-Brunner-Realschule bieten.

Neue Entwicklungen

Dämpfer und Hoffnung für Gymnasium 

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Ob ein neues Gymnasium in Poing gebaut werden kann, darüber soll das Kultusministerium befinden - schon bald. Für Mitte Mai ist ein Gespräch angesetzt. Außerdem besteht die Chance auf eine FOS/BOS-Außenstelle. Allerdings ist am Donnerstag auch bekanntgeworden, dass der Landkreis München in Sachen Gymnasium keine Kooperation mit dem Landkreis Ebersberg eingehen wird.

Zunächst sind es schlechte Nachrichten, die das Landratsamt Ebersberg gestern Nachmittag mitgeteilt hat. Der Landkreis München werde, voraussichtlich in Feldkirchen, auf alle Fälle ein neues Gymnasium bauen – und das ohne Kooperation mit Ebersberg. Und ohne auf Schüler aus den Nachbargemeinden wie Poing und Pliening angewiesen zu sein. „Wir sind sogar froh, wenn gar kein Schüler aus dem Landkreis Ebersberg kommt“, sagte Münchens Landrat Christoph Göbel bei einem Treffen mit seinem Ebersberger Amtskollegen Robert Niedergesäß und den Bürgermeistern Albert Hingerl (Poing) und Max Böltl (Kirchheim, Vorsitzender des Schulzweckverbandes im Landkreis München). Die in Feldkirchen geplante Schule hätte bis zu 1600 Schüler und wäre auf Poinger Schüler auch gar nicht angewiesen. So steht es in der Pressemitteilung vom Donnerstag.

Darin heißt es allerdings weiter (und jetzt kommen die positiven Nachrichten für die Gemeinde Poing): Obwohl eine Kooperation vom Tisch sei, „besteht (...) Klarheit und Einvernehmen, dass ein Gymnasium Feldkirchen nicht der ,Totengräber, für die Poinger Pläne wäre“. Die Pläne, ein 5. Gymnasium im Landkreis in Poing zu bauen.

Dazu schreibt das Landratsamt: „Im nächsten Schritt möchte Landrat Niedergesäß mit Bürgermeister Hingerl ein offizielles Gespräch mit dem Kultusministerium führen, das bereits für Mitte Mai terminiert ist. Darin soll geklärt werden, wie die Verantwortlichen im Ministerium die Pläne in Poing einschätzen, ob eine Schule in Poing genehmigungsfähig wäre und welche Perspektiven es geben könnte.“ Niedergesäß wird mit den Worten zitiert: „Wir bleiben im Dialog und prüfen alle Optionen sorgfältig und ergebnisoffen.“

Überraschend ist die Ankündigung des Landrats, Gedanken für eine FOS/BOS (Fachoberschule/Berufsoberschule) im Landkreisnorden ins Spiel zu bringen. Hierzu habe er eine erste Vorstudie beauftragt, teilt das Landratsamt mit. Zitat: „Diesen Schultyp haben wir im Landkreis noch gar nicht, er wäre sicher eine Bereicherung und gute Ergänzung für uns.“ Im Poinger Gemeinderat ist schon mehrmals über diese Option nachgedacht und diskutiert worden, positive Signale von übergeordneten Stellen gab es bislang allerdings nie.

Jetzt aber scheint Niedergesäß aufs Gaspedal drücken zu wollen. Er könne sich einen Poinger Satelliten der FOS/BOS Erding vorstellen, teilt er mit. Eine Außenstelle, die beispielsweise in einer Erweiterung der Dominik-Brunner-Realschule Platz finden könnte. Das sind ganz neue Töne, hat doch das Schulentwicklungsgutachten, welches der Landkreis Ebersberg vergangenes Jahr hat durchführen lassen, ergeben, dass aufgrund der bereits genehmigten Oberschule in Haar (Kreis München) eine weitere derartige, eigenständige Schule in Poing nicht aussichtsreich sei.

Niedergesäß rechnet nun anders und schreibt in der Pressemitteilung: „Die Erdinger FOS/BOS, an der der Landkreis Ebersberg mit 30 Prozent beteiligt ist, wurde für 750 Schüler gebaut und ist derzeit mit fast 1000 Schülern überbelegt. Eine Außenstelle – ein ,Satellit’ – von Erding im Norden des Landkreises Ebersberg mit einem eigenen Ausbildungszweig wäre sinnvoll und darstellbar. Ein vergleichbar erfolgreiches Kooperationsmodell gibt es bereits in den Landkreisen Mühldorf und Altötting. Baulich könnte dieser Satellit vielleicht durch eine Erweiterung der Dominik-Brunner-Realschule realisiert werden, entsprechende Aufstockungs- und Erweiterungspläne wurden bereits im Rahmen der ursprünglichen Planungen erstellt.“

Diese Idee habe er, Niedergesäß, schon in einem ersten Telefongespräch mit seinem Erdinger Landratskollegen Martin Bayerstorfer vorgestellt, der darauf sehr aufgeschlossen reagiert habe. Niedergesäß: „Wir könnten unsere Kooperation mit Erding vertiefen und für unsere Landkreisschüler mit mittlerem Bildungsabschluss ein sehr attraktives Anschluss- und Ergänzungsangebot mit dem Ziel der fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife schaffen. Insofern sehe ich diese Gedanken im Übrigen nicht als Alternative beziehungsweise Konkurrenz zum Thema Gymnasium. Wir sollten schlichtweg alle Optionen prüfen, um das Bildungsangebot im Landkreis Ebersberg weiter zu optimieren.“

In der zweiseitigen Pressemitteilung des Landratsamtes kommt auch Poings Bürgermeister Albert Hingerl zu Wort: „Poing mit seinem weiteren Zuwachs von circa 5000 Einwohnern benötigt dringend ein Gymnasium vor Ort. Deshalb sollten auch alternative Schulformen wie beispielsweise ein spezialisiertes Gymnasium mit einem besonderen Bildungszweig in die Überlegungen einbezogen werden. Die Schaffung einer möglichen Außenstelle der FOS/BOS-Erding würde ich begrüßen. Ich sehe diese beiden Schularten nicht in Konkurrenz."

Armin Rösl

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