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Pfarrer Michael Holzner bei der Präsentation des Modells für Poings neue, zweite Pfarrkirche. Die Bauarbeiten sind bereits in vollem Gange, die Kirche soll im Juli 2017 fertig sein.

Überraschende Entscheidung

Poings Pfarrer wird strafversetzt

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Poing - Bei einer Routine-Kontrolle der Finanzen und Buchhaltung seien Unregelmäßigkeiten entdeckt worden. Allerdings sei dies nicht der einzige Grund, weshalb Poings Pfarrer abberufen wird.

Er ist dort seit 19 Jahren Pfarrer, "üblicherweise sind die Priester zehn bis maximal 15 Jahre in einer Pfarrei", informiert das Ordinariat.

Michael Holzner muss die Pfarrgemeinde St. Michael Poing bereits Ende Februar verlassen. Am 1. März tritt er in der Pfarrei Neuabing-Westkreuz eine Stelle als Pfarrvikar an. Poings Pfarrer selbst verkündete die Nachricht am Ende des Gottesdienstes am Sonntag in der Pfarrkirche. In wenigen, ruhigen Worten berichtete er, dass das Ordinariat mitgeteilt habe, bei einer Routine-Revision Unregelmäßigkeiten entdeckt zu haben. Deshalb werde er versetzt.

Nachdem Holzner zu Ende gesprochen hatte, herrschte Stille in der Kirche. Dann meldete sich eine Frau zu Wort und dankte dem Pfarrer für alles, was er in den vergangenen 19 Jahren seiner Amtszeit in und für Poing geleistet habe. Daraufhin spendeten die Gottesdienstbesucher dem 55-Jährigen Beifall.

Der Schock in der Pfarrgemeinde sitzt tief

„Wir sind alle aus den Wolken gefallen und geschockt. Einige haben geweint.“ Das berichtet ein Mitglied des Pfarrgemeinderates, der am vergangenen Mittwoch von der Abberufung erfahren hatte – aber Schweigepflicht auferlegt bekommen habe. Niemand könne sich vorstellen, dass Michael Holzner in finanziellen Dingen wissentlich betrogen habe. Vielmehr werde vermutet, dass das Ordinariat den Pfarrer unbedingt zum Abschied habe drängen wollen, sogar von „Mobbing“ ist die Rede. Der Pfarrgemeinderat plant, einen Brief an das Ordinariat zu schreiben. Am Montag bestätigte das Ordinariat auf Nachfrage unserer Zeitung, dass bei der routinemäßigen Revision Unstimmigkeiten entdeckt worden seien. Mehr dazu wolle man nicht sagen, „da es sich um ein laufendes Verfahren handelt“, so die Auskunft. Unter die Lupe genommen werden bei den Prüfungen Buchhaltung, Kassenführung, Kirchenstiftung und mehr. Auch dazu, um welche Geldbeträge es sich im Poinger Fall handelt, gibt das Ordinariat keinerlei Auskunft.

Finanzielle Unstimmigkeiten

Dass die bei der Revision zu Tage getretenen Beanstandungen der Grund für die kurzfristige Abberufung seien, wird von der Verwaltungsbehörde der Erzdiözese München und Freising indes bestätigt. Ebenso, dass schon seit längerer Zeit geplant gewesen sei, Michael Holzner zu versetzen. Weil er bereits seit 19 Jahren in Poing sei. „Üblicherweise sind Pfarrer zehn bis 15 Jahre in einer Pfarrei tätig“, informiert das Ordinariat. Dann werde gewechselt. Bereits vor einem Jahr habe man mit Poings Pfarrer darüber gesprochen. Die offizielle Lesart seitens der Erzdiözese zur jetzigen Abberufung lautet so: „In einem Gespräch sind wir bezüglich eines Wechsel übereingekommen.“ Auf den aktuellen Neubau einer zweiten Kirche in Poing habe diese Entscheidung keinen Einfluss, ebensowenig auf den geplanten Neubau des Katholischen Kindergartens am Endbachweg.

Nachfolger steht fest – Name ist noch geheim

Holzners Nachfolger steht bereits fest, er soll am 1. September seinen Dienst in der Pfarrei St. Michael antreten. Allerdings will das Ordinariat zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekanntgeben, um wen es sich handelt. Bis zum 1. September werde Anzings Pfarrer Bernhard Waldherr zusammen mit Diakon Hans Dimke vom Pfarrverband Anzing-Forstinning die Pfarrgemeinde Poing mitbetreuen.

Michael Holzner wird ab 1. März in Neuaubing-Westkreuz als Pfarrvikar eingesetzt. Als solcher ist er laut Ordinariat ausschließlich für die Seelsorge zuständig. Die Amtsgeschäfte und Finanzen führe der dortige Pfarrer.

Trotz seiner Abberufung wird Holzner bis auf Weiteres im Poinger Pfarrhaus wohnen. Für Sonntag, 28. Februar, plant der Pfarrgemeinderat eine kleine Abschiedsfeier, später soll es noch „ein großes Abschiedsfest“ geben – als Dank für all das, was der Pfarrer für Poing getan habe.

Michael Holzner war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er wolle sich aber, so heißt es, in den nächsten Tagen zu den Vorgängen schriftlich erklären.

Armin Rösl

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