Genossenschaft Ebersberg berichtet

200 Bewerber für 24 Poinger Wohnungen

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Der Markt für Mietwohnungen im Landkreis ist angespannt. Der Siedlungsdruck auf die Landeshauptstadt hat sich längst Wege gesucht – und sich übertragen auf umliegende Räume. 

Landkreis – Wer wüsste das besser als jene über 200 Bewerberinnen und Bewerber? Wohnungssuchende, die sich gemeldet hatten, um an eine der 24 neuen Genossenschaftswohnungen zu kommen, die zurzeit im Bereich Bergfeld 9 a und b in Poing entstehen? Das sind neue Wohnungen, die eine bereits existierende Anlage erweitern zur größten, die die Wohnungsgenossenschaft Ebersberg im Landkreis betreibt.

Besonders Leidtragende in diesem seit Jahren anhaltenden Verdrängungswettbewerb sind, so der Vorstandsvorsitzender der GWGE, Ulrich Krapf, junge Leute am Anfang ihrer Berufsleben sowie Rentnerinnen und Rentner nach dem Ausscheiden aus der Berufswelt. Ihnen überhaupt noch reelle Chancen zu bieten, im ihrer über Jahrzehnte vertraut gewordenen Heimat weiterhin bezahlbar wohnen bleiben zu können - das ist laut Krapf eine der wohnungspolitisch größten Aufgaben, die die relativ kleine Ebersberger Genossenschaft (gegenwärtig 1082 Mitglieder) seit Jahrzehnten erfolgreich angeht.

Krapf nannte einen Vergleich, der die besondere Misere gut ausdrückt: Auf dem freien Markt werden gegenwärtig in München 17 bis 20 Euro Kaltmiete verlangt, im Landkreis 12 bis 15. Damit habe sich der Abstand in den letzten Jahren allerdings halbiert. Eine weitere Annäherung sei nicht ausgeschlossen.

In der renovierten Sieghartsburg in Ebersberg fand nun die Mitgliederversammlung für das Geschäftsjahr 2017 statt. Ein einmal jährlicher Pflichttermin, der unter anderem der Entlastung der Funktionsträger dient. Bei dem aber auch verstorbenen Genossen gedacht wird; heuer Zekija Artukovic aus Ebersberg, Achim Grundke und Wernber Jorczik aus Markt Schwaben, Alfons Königseder aus Poing, Veronika Körner, Anna Ludwig und Hermann Piller aus Markt Schwaben sowie Helga Schlapat aus Grafing.

Stellvertretend für die Situation in nahezu allen Gemeinden schilderte Ebersbergs Bürgermeister die Situation auf dem Wohnungsmarkt. In seiner Stadt habe man sich darauf verständigt, hieß es, ein Wachstum mit Augenmaß anzupeilen. Das bedeute: maximal ein Prozent pro Jahr, was knapp 100 Neubürger per saldo mehr bedeute. Ohne sozial geförderte Wohnungen gehe das nicht. Brilmayer stellte weitere Maßnahmen in Aussicht.

Dass es seit Jahrzehnten kreisweit immer wieder Neubauprojekte unter der Federführung der Genossenschaft gab und auch weiterhin geben wird, unterstrich Vorstandschef Ulrich Krapf in seinem Tätigkeitsbericht. Er verwies auf das gelungene Inklusionsprojekt im Poinger Bergfeld (5 und 7) ebenso wie auf den benachbarten Erweiterungstrakt. Wenngleich hier besonders deutlich geworden sei, wie weit Angebot und Nachfrage auseinander gehen könnten. In beiden Fällen sei von 6,50 Euro Miete ausgegangen worden. Und das bei relativ günstigen Mietnebenkosten.

Ein Betrag, der auch in der Siedlerstraße in Kirchseeon als Nettomiete angesteuert wird. Dort entstehen zurzeit 14 Wohnungen. Gesamtkosten: 2,963 Mio. Euro. In der von-Hazzi-Straße in Grafing startet ein Neubau von 25 Wohnungen 2019.

Besonderen Stolz hat man bei den Genossen, weil man als kleines Unternehmen weiterhin kräftig im Bau neuer Wohnungen unterwegs ist, sondern weil zugleich längst so gebaut wird, dass die Wohnobjekte nach Fertigstellung gar nicht nach Sozialwohnungsbau ausschauen.

So seien auch die Aufwendungen für Modernisierungen und Instandsetzungen zu verstehen; 2017 war das laut Krapf etwas mehr als eine Million Euro. Anschlüsse an nachhaltige Energieformen sind damit ebenso gemeint wie Umbauten von Bädern oder Wasserenthärtungslösungen – zum Beispiel in Markt Schwaben.

Dass das Ganze auch noch geschieht auf einer betriebswirtschaftlich soliden Basis, vernahmen die Besucher der Versammlung sicherlich mit Wohlwollen. Erstmals überschritt die Bilanzsumme die Marke von 50 Mio. Euro. Die erforderlichen Entlastungen wurden erteilt. Zur Freude von Aufsichtsratschef Albert Hingerl, der die Sitzung leitete. Wiedergewählt wurde in dieses Gremium Regine Müller, Inge Zeus schied nach 24 Jahren auf eigenen Wunsch aus. Neue Aufsichtsratsmitglieder sind Sonja Kraus und Helmut Hampel, beide Grafing. Zuvor hatte das Plenum entschieden, die Zahl der Aufsichtsräte von sechs auf sieben zu erhöhen.

Für 50-jährige Mitgliedschaften wurden folgende Genossen ausgezeichnet: Gottfried Bauer, Franz Helmich und Elisabeth Kleininger aus Markt Schwaben, Heinz Marko aus Ebersberg, Günther Schuler aus Pliening sowie Engelbert Tikovsky und Heinrich Wolf (beide Markt Schwaben).

Abgelehnt wurde ein Antrag einer Grafingerin. Sie wollte, dass zur Schlichtung von Nachbarschaftsstreits ein Sozialpädagoge eingestellt werde. Bislang habe man alles so lösen können, versicherte Krapf.

Rubriklistenbild: © dpa / Matthias Balk

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