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Die Neubaugebiete in Poing-Nord gelten als die größte zusammenhängende Fläche in Bayern, die archäologisch untersucht wird. Jetzt durften Interessierte aufs Gelände. 

Archäologie

Wandern durch 4000 Jahre Geschichte

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Das Neubaugebiet von Poing gilt als die größte zusammenhängende Fläche in Bayern, die archäologisch untersucht wird. Gefunden wurden unter anderem 4000 Jahre alte Gräber.

Poing – Wo in naher Zukunft neue Häuser stehen und rund 2000 Menschen leben werden, bestanden in den vergangenen 4000 Jahren schon Siedlungen. Auf dem Areal des Neubaugebiets W7, nördlich der Bergfeldstraße und gegenüber des Zauberwinkels, haben Archäologen über 1300 Befunde und Funde gefunden, aus verschiedenen Epochen. Darunter eine Grabstelle mit Skelettresten, die rund 4000 Jahre alt sind und der Glockenbecherzeit zugeordnet werden.

4000 Jahre alt ist dieses Grab mit Skelettresten, das Archäologen auf dem Areal des Neubaugebiets W7 gefunden haben.

Am Dienstag boten die Archäologen und die Grundstückseigentümer des W7, die Arbeitsgemeinschaft der Bauträger und Investoren ARGE am Bergfeld, interessierten Bürgern die Gelegenheit, auf den Spuren der alten Poinger zu wandeln. Vormittags waren rund 400 Kinder der Grundschule am Bergfeld sowie der Anni-Pickert-Schule dort und haben sich vom Grabungsleiter Ulrich Schlitzer die Geschichte erklären lassen, am Abend waren es gut 100 Erwachsene und Kinder, die zusammen mit dem Archäologen einzelne Fundstellen besuchten.

Anhand von verdunkelten Stellen auf dem gut 16 Hektar großen Areal (entspricht etwa 23 Fußballfeldern) erklärte Schlitzer, wo sein Team bereits tätig war und was es entdeckt und dokumentiert hat. Beispielsweise konnten die Archäologen bislang mindestens 50 Hausgrundrisse rekonstruieren, von unterschiedlicher Größe. „Das lässt darauf schließen, dass hier über mehrere Jahrtausende hinweg Menschen gelebt haben“, so Ulrich Schlitzer. Die Funde reichten teilweise zurück bis in die späte Steinzeit, der Großteil der Häuserreste sowie Tonscherben sei in die Zeit um 2500 vor Christus einzuordnen.

Neben Spuren von Häusern haben die Archäologen bislang sechs Brunnen gefunden. Das Baumaterial stamme ersten Untersuchungen zufolge eindeutig aus vorgeschichtlicher Zeit, der sogenannten endoneolithischen bis hallstattzeitlichen Epoche.

Seit Januar, als die Humusschicht abgetragen worden wurde, sind die Archäologen von Planateam auf dem Gelände des künftigen Neubaugebiets W7 unterwegs. Ulrich Schlitzer schätzt, dass die Arbeiten noch den ganzen Sommer über dauern und noch zahlreiche weitere interessante Funde zutage bringen werden. Insbesondere aus der späten Steinzeit. Nachdem die Wissenschaftler alle Funde ausgegraben und dokumentiert haben, wird hier die Zukunft gebaut mit neuen Wohnhäusern und Poings neuem Gymnasium. Später werden die Archäologen weiterziehen ins nächste und letzte Poinger Neubaugebiet, das W8.

Seitdem nördlich der Bahnlinie gebaut wird, sind die Archäologen tätig. Beim Bau der Realschule wurde beispielsweise ein Wagengrab aus der Bronzezeit entdeckt, das in Wissenschaftskreisen als Sensation gilt. Ein damaliger Fürst wurde zusammen mit einem Wagen aus Holz bestattet. Vermutlich sollte dieser dem Verstorbenen eine standesgemäße Reise ins Jenseits ermöglichen. Auch im W4, dem heutigen „Römerviertel“, kamen interessante Funde zutage, dieses Mal aus der Römerzeit. In einem kleinen Freilichtmuseum sind dort unter anderem die gut erhaltenen Reste eines Töpferofens zu sehen.

Aufgrund der Neubaugebiete gilt Poing-Nord als größte zusammenhängende Fläche Bayerns, die archäologisch untersucht wird, erläuterte Ulrich Schlitzer am Dienstag. Er dankte der ARGE sowie der Gemeinde Poing dafür, dass vor der Realisierung eines Bauabschnitts der Archäologie genügend Zeit eingeräumt wird. Dies sei nicht üblich und deshalb vorbildlich. Interessant ist es allemal hautnah zu erfahren, dass Poing schon immer ein Siedlungsschwerpunkt war.

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