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Oskar Nowicki (li.) und Georg Haller (beide aus Poing) in der Oberbräu-Küche in Markt Schwaben. 

Pilotprojekt

Auf dem „Sprungbrett“ ins Leben

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Ein Pilotprojekt bietet Neuntklässlern die Möglichkeit, den Berufsalltag verschiedener Branchen kennenzulernen. Zwei Poinger Schüler sind dabei.

Poing – Georg strahlt. Gerade eben hat der 13-Jährige – wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben – eine Kartoffelsuppe gekocht. Nicht irgendeine Suppe, sondern eine, die für die anspruchsvollen Kunden des Wirtshauses im Oberbräu am Markt Schwabener Marktplatz gedacht ist. Dort steht sie nämlich an diesem Tag ganz offiziell auf der Mittagskarte. Was in welchem Verhältnis hineingehört in den riesigen Topf vor ihm, hat der Wirt und Gastronom Raphael Brandes dem jungen Poinger Realschüler natürlich zuvor genau erklärt. Schließlich soll auch an diesem Tag nur das auf den Tisch kommen, was ausdrücklich zuvor vom Chef für gut befunden wurde.

Georg Haller, das ist der junge Mann, ist nicht alleine da an diesem Tag. Sein Schulkollege Oskar Artur Nowicki kümmert sich ein paar Meter weiter in der Küche darum, dass weitere Zutaten für die Mittagssuppe hergerichtet werden. Brandes schaut auch hier genau zu, dass alles korrekt abläuft. Auch Oskar ist Schüler der neunten Klasse an der Dominik-Brunner-Realschule in Poing.

Dass die beiden Burschen in der Küche des Restaurants am Schwabener Marktplatz direkt etwas produzieren dürfen für die Gäste, hat mit einem Projekt zu tun, das sich „Sprungbrett“ nennt und von der AG „Schulewirtschaft“ im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (BBW), einem in München ansässigen Verein, erstmals bayernweit als Pilotprojekt angeboten wird.

Das Prinzip: Zehn bis 15 Schüler einer Schule können an fünf Praktikumstagen in fünf Unternehmen unterschiedlicher Branchen einen Arbeitstag lang hineinschnuppern. In kleinen Teams zu zwei bis drei Schülern wandern die Praktikanten so von einem Unternehmen zum anderen. Die Betriebe ihrerseits lernen binnen einer Woche auf diese Weise gleich bis zu 15 junge Leute kennen. Eine Mittelschule in Fürth, ein Gymnasium in Augsburg und eben die Poinger Realschule sind die drei Kooperationspartner, mit denen das BBW heuer gestartet ist. Besser gestartet war, denn am gestrigen Freitag endete die Projektwoche bereits. Das besondere Angebot wendet(e) sich an die Schülerinnen und Schüler, die noch nicht wirklich wissen, was sie einmal beruflich machen wollen, sagt der Projektleiter Stephan Thiel. Die gewählte Form, an jedem Tag einen neuen Ausbildungsberuf kennenlernen zu können, habe aus seiner Sicht für die Teilnehmer individuell den großen Vorteil, seine eigenen Ausschlusskriterien bei der Berufswahl zu schärfen. Viele, so weiß man, probieren gerne mal etwas aus, um dann festzustellen, dass ein Lehrberuf eben nicht taugt – und sie bleiben dann da hängen, was am Ende übrig bleibt.

Die bayerische Wirtschaft, insbesondere der Bereich Metall und Elektro, sponsort das Projekt „Sprungbrett“. Ihre langfristige Intention: Fachkräfte-Nachwuchssicherung. Kosten fallen an, weil die jungen Leute morgens mit dem Shuttlebus abgeholt und am Nachmittag auch wieder eingesammelt werden, um dann am nächsten Tag zu einem anderen Unternehmen gebracht zu werden.

„Wir haben nicht mal Bewerbungen schreiben müssen“, erzählt Oskar, der in seiner Klasse einer von drei Schülern war, der per Losverfahren ins Projekt „Sprungbrett“ rutschte. Auf diese Weise hat er in dieser Woche im DM-Markt in Aschheim, bei IS4IT in Oberhaching, bei MAN in München, im Oberbräu in Markt Schwaben und gestern bei Océ in Poing Eindrücke vom wahren Berufsalltag bekommen können. Oskar zählt sich selber zu den Schülern, denen so ein Tag schon reicht, um eine halbwegs sichere Vorentscheidung für sich zu treffen. Wünscht sich aber, dass noch viel mehr diese Chance auch bekämen. Es gebe, sagt er, auch den anderen Typ Schüler, der für seine eigene Berufsfindung mehr als nur einen Tag brauche. Aber der habe schließlich immer die Chance, sich selbstständig um Praktika zu bewerben, fügt der Poinger an. Der IT-Bereich scheint es für ihn zu werden, verrät er am Ende eines Gespräches mit der Heimatzeitung.

Georg Haller sieht die Vorteile des „Sprungbrett“-Projekts ebenso. Unter dem Beruf „Koch“ habe er sich, gibt er zu, vor seinem Besuch bei Brandes nichts wirklich vorstellen können. Jetzt sei das anders. Zumal ihm der Schwabener Gastronom nicht nur die Suppe, sondern ganz offenbar auch die vielfältigen Möglichkeiten der Gastronomie- und Hotellerie-Branche schmackhaft gemacht hat. Georg jedenfalls hat es im Oberbräu so gut gefallen, dass er mit dem umtriebigen Wirt gleich noch ein längeres Praktikum ausgemacht hat - demnächst einmal.

Stephan Thiel freut so etwas. Im kommenden Jahr ist geplant, das Projekt auf sieben Schulen bayernweit auszudehnen, 2019 sollen es dann 15 Schulen sein. Zuerst aber ist noch eine förmliche Abschlussveranstaltung geplant, bei der noch mehr Schüler über ihre Erfahrungen berichten sollen als Oskar und Georg. Sie findet am 24. November bei Océ in Poing statt.

Internet

www.bbw.de

www.sprungbrett-bayern.de

www.schulewirtschaft-bayern.de

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