Schülerin vor einem Laptop.
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Sechstklässlerin Rosalie Ulm ist sehr zufrieden mit der jetzigen Form des Online-Unterrichts. Wie der funktioniert, steht auf der Internetseite der Schule.

Dominik-Brunner-Realschule Poing

Aus dem ersten Lockdown gelernt: Distanzunterricht kann funktionieren

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Distanzunterricht kann funktionieren. Wie, das zeigt die Dominik-Brunner-Realschule in Poing. Sie hat ein eigenes Konzept erarbeitet, das nun umgesetzt wird.

Poing – Jonas Eittinger sitzt am Esstisch im Wohnzimmer, er trägt Kopfhörer und blickt konzentriert auf den Bildschirm. „Ich passe besser auf, konzentriere mich besser. Weil ich mich nicht mehr so oft ablenken lasse“, sagt der 13-Jährige. Er geht in die 8. Klasse der Dominik-Brunner-Realschule Poing, die ihren Online-Unterricht nach den Weihnachtsferien auf neue Beine gestellt hat. „Seitdem läuft es super“, sagt Jonas’ Mutter Katrin Eittinger. Gleiches gelte für die zehnjährige Tochter Viktoria, die die 5. Klasse besucht. Das Mädchen nickt zustimmend.

Achtklässler Jonas Eittinger beim „Nextcloud-Talk“ am Esstisch. Beim „Talk“ besteht die Möglichkeit, Lehrkräften Fragen zu Hausaufgaben zu stellen. 

Der Unterricht an der Dominik-Brunner-Realschule (686 Schüler, rund 50 Lehrer) läuft ganz normal (!) nach Stundenplan. Von 8 bis 13 Uhr. Die Schülerinnen und Schüler betreten ein virtuelles Klassenzimmer, wo die jeweilige Lehrkraft wartet und sie einlässt. Dann folgt der Unterricht. Ob mit oder ohne angeschalteter Kamera, wird je nach Bedarf entschieden. Die Schülerinnen und Schüler bekommen Aufgaben, sie haben die Möglichkeit, direkt nachzufragen und mit den Lehrerinnen und Lehrern zu kommunizieren. Nachmittags gibt’s zusätzlich eine virtuelle Sprechstunde.

Wir haben aus dem ersten Lockdown viel gelernt.

Realschuldirektorin Sylvie Schnaubelt

„Wir haben aus dem ersten Lockdown viel gelernt“, sagt Realschuldirektorin Sylvie Schnaubelt. Aus Rückmeldungen von Kindern und Eltern sowie eigenen Erfahrungen hat Schnaubelt zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen der erweiterten Schulleitung sowie dem hausinternen „Team Digitale Schule“ das Konzept „Mobiles Lernen“ erarbeitet und im Herbst Schüler und Lehrer geschult. „Wir haben Szenarien erstellt, wie das Lernen, wie Schule im Distanzunterricht erfolgt“, erläutert Schnaubelt. Nachzulesen auf der Internetseite der Schule. Einloggen in die jeweiligen Klassenzimmer und Unterrichtsstunden können sich die Schüler freilich nur selbst, mit eigenen Zugängen und Codes. Wer kein Endgerät zuhause hat, kann sich von der Schule eines leihen.

Fünftklässlerin Viktoria Eittinger beim Unterricht in ihrem Zimmer. Obwohl der gut funktioniere, wolle sie wieder zurück in die Schule, sagt die Zehnjährige. 

Der zweite Lockdown zeigt, dass es sich gelohnt hat, sich darauf vorzubereiten. In der ersten Zeit der Corona-Pandemie und des Online-Unterrichts im ersten Lockdown lief auch an der Realschule nicht alles glatt, manchmal gar chaotisch, berichten Schüler und Eltern. Das ist mit der Umstellung seit diesem Jahr anders, sagt Swantje Ulm, Mutter von Rosalie (11), die in die 6. Klasse der Poinger Realschule geht: „Die Kinder sind jetzt den ganzen Vormittag im Unterricht und werden stets von Lehrern begleitet.“ Das sei eine prima Sache. Findet Rosalie genau so. „Mir gefällt das sehr gut.“ Wieder normale Tagesstruktur, zumindest in Sachen Schule.

Der digitale Unterricht der Dominik-Brunner-Realschule ist seit Anfang 2021 auf zwei unterschiedliche Plattformen aufgeteilt: Nextcloud und Teams. In der eigenen Cloud laden die Lehrer Daten, Arbeitsaufträge und -material hoch. Nachdem die Schüler die Aufgaben erledigt haben, können sie diese wieder einstellen zur Kontrolle.

Schulleiterin Sylvie Schnaubelt im Videogespräch mit unserem Redakteur Armin Rösl. Der Hintergrund ist voreingestellt, sie ist nicht an einem Strand, sondern im Büro.

Arbeitsblätter und Unterrichtsmaterial für den nächsten Schultag sollen von den Schülerinnen und Schülern bereits am Vortrag (von 13 bis 19 Uhr, in Jahrgangsstufen schichtweise aufgeteilt) heruntergeladen und geordnet werden. „Das entspricht quasi dem digitalen Schultasche-Packen“, sagt Schulleiterin Sylvie Schnaubelt und fügt zum Thema Datenschutz hinzu, dass der Daten-Austausch via Nextcloud über einen eigenen Server erfolge.

Der Unterricht selbst findet via Teams-Videokonferenzen statt. Auch Gruppenarbeiten seien hier möglich, erläutert Schnaubelt, in sogenannten „Break-Out-Rooms“.

Es ist Nachmittag, Jonas Eittinger sitzt noch einmal am i-Pad. „Nextcloud Talk“: Wenn sich beim Lernen, Üben und Hausaufgaben erledigen Fragen ergeben, können die Realschüler beim „Nextcloud Talk“ mit ihren Lehrern reden. Ein, zwei Nachfragen, dann ist der Schultag für Jonas erledigt.

Im Homeschooling, sagt der Achtklässler danach noch einmal, sei er konzentrierter bei der Sache. Das sei ihm selbst aufgefallen. „Ich bin jemand, der sich in der Schule leicht ablenken lässt“, gibt der 13-Jährige zu. Seine Noten seien im Distanzunterricht sogar besser geworden, berichtet Jonas. Schriftliche Prüfungen sind derzeit zwar nicht möglich, aber: Es werden mündliche Noten gemacht, so Schulleiterin Sylvie Schnaubelt. Jonas Eittingers Fazit: „Ich könnte auch auf Dauer zuhause bleiben.“ „Nein!“, widerspricht seine Schwester Viktoria, die Fünftklässlerin. „Mir gehen die Freundinnen und Freunde ab. Außerdem kann man im Unterricht gleich direkt den Lehrer einfach was fragen.“

„Für eine gewisse Zeit kann man Distanzunterricht online machen“, sagt Schnaubelt. „Aber nicht auf lange Sicht.“ Als Lehrer müsse man das Kind vor sich haben, die Körpersprache sehen. Und: „Es fehlt das ganze Soziale. Gerade für Heranwachsende ist das wichtig.“ Wie für Rosalie Ulm, die Elfjährige sagt: „Mir gefällt der Online-Unterricht sehr gut, aber die sozialen Kontakte fehlen.“

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