Sechs Senioren an einem Tisch.
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Die Seniorennachmittage der AWO Poing wird es nicht mehr geben. Unser Foto stammt vom ersten AWO-Seniorennachmittag im Jahr 2018 in den damals neuen Gemeinderäumen Anzinger Straße 1.

Wegen Corona und mehr

Aus nach 50 Jahren: AWO Poing beendet Seniorennachmittage für immer

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Nach 50 Jahren stellt der AWO-Ortsverein Poing seine Seniorennachmittage für immer ein. Aus zwei Gründen. Einer davon heißt: Corona.

Poing – Gerade jetzt, in Corona-Zeiten, wären Seniorennachmittage enorm wichtig, sagt Peter Maier. „Senioren aus der Einsamkeit zuhause rausholen und mit anderen zusammenbringen“, nennt er als eigentliche Aufgabe eines Seniorennachmittags. Doch das ist wegen Corona nicht möglich. Selbst, wenn das für die Gemeinderäume an der Anzinger Straße 1 (wo die Seniorennachmittage zuletzt, bis Corona, stattgefunden haben) erarbeitete Hygienekonzept umgesetzt werden würde, wäre ein Seniorennachmittag nicht möglich, weil zu aufwendig, sagt der AWO-Ortsvorsitzende Maier und zählt auf: „Maximal sechs Personen im Raum, nach einer Stunde alle raus, lüften und alles desinfizieren.“

Hochrisikogruppe betreut Hochrisikogruppe.

AWO-Ortsvorsitzender Peter Maier.

Vor Corona bot der Ortsverein Poing der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zwei Seniorennachmittage pro Woche an. Kuchen zum Selbstkostenpreis, Kaffee gratis. Unbezahlbar: ratschen, mit anderen Senioren gemeinsame Stunden verbringen, andere Senioren kennenlernen, gegenseitige Hilfe über den Seniorennachmittag hinaus. Gerade in Corona-Zeiten wäre all dies dringend notwendig, gerade in Corona-Zeiten aber ist all dies nicht möglich. Peter Maier sieht das mit Sorge, sagt er.

Peter Maier, Vorsitzender der AWO Poing.

Vor 55 Jahren wurde die AWO Poing gegründet, seit etwa 50 Jahren bietet sie regelmäßig Seniorennachmittage an. Jahrzehntelang in der AWO-Stube an der Poststraße, zuletzt in den neu geschaffenen Räumen an der Anzinger Straße 1 (wo einst das Liebhart’s Bräuhaus stand). Organisation und Durchführung stets ehrenamtlich, wie die gesamte Vereinsarbeit. Im Laufe der vergangenen Jahre habe der Vorstand des Ortsvereins mehr und mehr festgestellt, „dass Seniorenarbeit in dieser Form ehrenamtlich nicht mehr machbar ist“, sagt Vorsitzender Maier. Die Verantwortung sei zu groß, hinzu kämen all die rechtlichen Vorgaben, die eine ehrenamtliche Seniorenarbeit generell schwierig gestalten. Hinzu komme ein grundsätzliches Problem, das Vereine aller Art betreffe: „Man bekommt ehrenamtlich Engagierte, die projektbezogen mitarbeiten, aber nicht mehr auf Dauer.“

AWO Poing hat aktuell 138 Mitglieder

Der AWO-Ortsverein hat laut Maier aktuell 138 Mitglieder. Der Vorstand ist bis 2023 gewählt. Die Vereinsarbeit bleibt weiterhin bestehen, ebenso die Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum Poing im Projekt MEGA (Mehr-Generationen-Aktiv), betont der Vorsitzende. MEGA veranstaltete vor der Corona-Pandemie jeden Monat einen Seniorennachmittag im Bürgerhaus. Das soll, wenn es die Lage wieder erlaubt, beibehalten werden.

Auch wenn der AWO-Ortsverein die Seniorennachmittage nicht mehr durchführt, sieht Peter Maier die Seniorenarbeit in Poing in guten Händen. Mit Kerstin Bachmann und Volker Sterker hat die Gemeinde zwei hauptamtliche Seniorenbeauftragte eingestellt. Hinzu kommt das Seniorennetzwerk, das auf Initiative von Peter Maiers Frau Monika gegründet worden ist, so der AWO-Vorsitzende.

AWO Poing: gut 200 Euro Kosten pro Monat für Seniorennachmittage

Mit Blick auf die Seniorennachmittage berichtet Maier, dass der Ortsverein hierfür etwa 200 bis 250 Euro pro Monat ausgegeben hat. Für die Zahlung einer Ehrenamtspauschale an die drei Mitarbeiterinnen, die den Café-Betrieb der Seniorennachmittage durchführten, plus Erste-Hilfe-Kurse und Haftpflichtversicherung für das Personal. Das wiederum in derselben Altersgruppe war wie die Besucherinnen und Besucher. Was für die Seniorennachmittage jetzt bedeuten würde: „Hochrisikogruppe betreut Hochrisikogruppe“, sagt Peter Maier.

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