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Auf den ersten Blick fensterlos – doch der Schein trügt. Die Architekten haben sich etwas Besonderes ausgedacht.

Arbeiter aus aller Herren Länder beteiligt

Außergewöhnlich: In Poing entsteht eine besondere Kirche

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Poing - In Poing entsteht gerade eine neue Pfarrkirche. Sie soll die Bürger der durch eine Bahnlinie geteilten Gemeinde enger zusammenbringen – Menschen verbinden. Das gelingt bereits während des Baus.

Auf der Baustelle wird international gesprochen. Männer unterschiedlicher Hautfarben und Glaubensrichtungen errichten in Poing im Landkreis Ebersberg derzeit die einzige komplett neue Kirche im Erzbistum München und Freising. Den Rohbau haben Arbeiter aus aller Herren Länder der Welt erstellt – Christen, Muslime und Andersgläubige. In einem Punkt sind sie sich alle einig. Sie sagen, es sei etwas Besonderes, eine Kirche zu bauen.

Der 14,6 Millionen Euro-Bau ist fürwahr außergewöhnlich. Das vom Ordinariat beauftragte Münchner Büro Meck-Architekten hat eine Fassade erschaffen, die in dieser Art und Weise zumindest bundesweit einzigartig ist: 15 000 weiße, dreidimensionale Kacheln sollen die Kirche wie ein Kristall strahlen lassen. Je nach Einfall des Sonnenlichts schimmern die Keramikziegel unterschiedlich. „Die neue Kirche wird zur weithin sichtbaren Stadtkrone“, sagte Professor Andreas Meck vor gut einem Jahr bei der Präsentation der ungewöhnlichen Fassade. Jetzt, da sie so gut wie fertig ist und fast alle Kacheln montiert sind, steht fest: Er hat Recht gehabt.

30 Meter hoch sowie 30 mal 30 Meter Grundfläche: das sind die Eckdaten von Poings dann zweiter katholischer Kirche, die am Kirchweihsonntag im Oktober dem seligen Pater Rupert Mayer geweiht wird. Kardinal Reinhard Marx wird den Festgottesdienst halten.

Arbeiter verschiedener Nationen und Konfessionen auf der Baustelle der neuen Poinger Pfarrkirche.

Beim Neujahrsempfang Anfang 2017 hatte Poings Pfarrer Christoph Klingan (der vor einem Jahr noch Marx’ Privatsekretär war) mit einem Schmunzeln die Bürger eingeladen: „Schauen Sie auf einen Sprung vorbei in unsere Kirche!“ Der Scherz kommt nicht von ungefähr: Denn wegen Form und Farbe der Fassade hat das Bauwerk in der Poinger Bevölkerung bereits einen Spitznamen: „Skisprungschanze Gottes“. Wer an deren Spitze Glocken sucht, wird sie nicht finden: Sie werden daneben, dem Bauwerk untergeordnet, in einem kleinen Glockenspiel läuten. Bei großen kirchlichen Ereignissen im Zusammenspiel bzw. in Abstimmung mit den Glocken der evangelischen Christuskirche, die nur 100 Meter entfernt steht.

Auf den ersten Blick ist kein einziges Fenster an „Gottes Sprungschanze“ zu sehen. Lediglich am Sockel, der aus Nagelfluh besteht. Der Schein trügt aber. Denn im Inneren erwartet die Besucher Sonne von allen Seiten. „In Analogie zur Dreifaltigkeit prägen drei große Lichtöffnungen den Raum und unterstützen durch die Lichtführung die liturgischen Orte und Handlungen“, erklärt Architekt Meck. Das Licht der vertikalen Zenitöffnung über dem höchsten Punkt der Kirche trifft auf Altar und Tabernakel. Eine zweite Öffnung lasse das Morgenlicht auf den Altar fallen, um den die Bänke kreisförmig angeordnet sind. Die dritte Lichtöffnung befindet sich am Taufbecken und gibt den Blick frei zum dahinter gelegenen, kleinen See. Der Taufort dürfte der belebteste in der neuen Kirche werden, steht Poing doch seit Jahren an der Spitze der geburtenstärksten Gemeinden in Deutschland.

15 000 weiße, dreidimensionale Kacheln werden die Kirche wie einen Kristall strahlen lassen.

Die meisten der jungen Familien leben im neuen Teil Poings, der in den vergangenen drei Jahrzehnten nördlich der S-Bahnlinie entstanden ist. Im Süden der alte Teil mit der bisherigen Pfarrkirche, die künftig als „Werktagskirche“ dienen wird. Die ist laut Ordinariat zu klein geworden für die gut 6000 Katholiken, die in der Gemeinde leben. Und es werden neue hinzukommen: Der Gemeinderat hat vor Kurzem die Planung für zwei weitere Neubaugebiete freigegeben, in denen Wohnraum für insgesamt rund 4000 Menschen geschaffen wird.

Die Trennung der beiden Ortsteile ist seit jeher großes Thema in der Kommunalpolitik sowie bei Alteingesessenen und Zugereisten. Die neue Kirche soll ein Bindeglied sein, so wie es schon das Bürgerhaus ist, das nur einen Steinwurf entfernt in der neuen Ortsmitte steht. Nicht umsonst hat die örtliche Pfarrgemeinde für die Weihe das Motto „Menschen verbinden“ ausgewählt. Schon beim Bau hat die Kirche Menschen aller Art zusammengebracht. Sie ist, wenn man so will, ein konfessionsübergreifendes, ökumenisches Bauwerk.

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