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Ob beim Radlfahren oder in der Stadt: Ronald Heinrich ist auf Begleitung angewiesen.

Begleiter gesucht

Blinder Poinger braucht eine Schulter

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Ronald Heinrich ist blind. Deshalb kann er nicht alleine auf Konzerte gehen. Jetzt hofft er, Begleitpersonen zu finden, die auf seiner Wellenlänge sind.

Poing – Mit öffentlichen Verkehrsmitteln allein zur Arbeit oder zum Marienplatz fahren, ist für Ronald Heinrich kein Problem. Der Informatiker, der bei einem großen Unternehmen als IT-Sicherheitsexperte arbeitet, kennt die Standardwege, hat sie abgespeichert. Allein auf Konzerte gehen, zum Wandern, Radfahren oder Joggen – das geht allerdings nicht. Der 50-jährige Poinger benötigt dazu eine Begleitperson. Die hatte er bis vor Kurzem, nun steht sie aber nicht mehr zur Verfügung. „Das fühlt sich an, als hätte man sich das Bein gebrochen und kann nicht mehr aus dem Haus“, beschreibt Heinrich seine Gefühlslage. Seit 1995 ist er blind, eine Erkrankung hat ihm das Augenlicht genommen.

Ronald Heinrich ist keiner, der mit seinem Schicksal hadert. Im Gegenteil: Er lebt und arbeitet wie jeder andere auch. Nur, dass er für manche Dinge eine Begleitung braucht. „Bei Konzerten, zum Beispiel im Olympiastadion, wo mehrere tausend Menschen sind, brauche ich nicht mit meinem Stock herum zu wedeln.“ Er benötigt „eine Führungsschulter“, wie er es nennt. Er hält sich mit der linken Hand leicht an der rechten Schulter seiner Begleitung fest und lässt sich führen. „Man muss mich nicht warnen, wenn zum Beispiel eine Treppe kommt, oder ständig mit mir reden“, sagt er. Er geht etwa einen halben Meter seitlich versetzt hinter der Begleitperson, in seiner rechten Hand tastet er mit dem Blindenstock den Weg ab.

Seine jahrelange Begleitperson ist weg, weshalb Ronald Heinrich nach einer oder mehreren neuen Helfern sucht. So schnell wie möglich, denn: „Ich habe Karten für das Coldplay-Konzert am 6. Juni und für Depeche Mode am 9. Juni“, erzählt er. Beide Konzerte finden im Olympiastadion statt. Wie bei allen Veranstaltungen, bekommt er auch hier vom Veranstalter ein zusätzliches, kostenloses Ticket für eine Begleitperson. Hat er aber keine, kann er auch nicht zum Konzert. Was schade ist, weil der 50-Jährige großer Musikfan ist. Er besucht Pop-, Rock- und klassische Konzerte, so oft es geht.

Nicht nur das: Er ist viel und gerne draußen. Er fährt Fahrrad (auf dem Tandem), geht Joggen und Wandern. Das alles ist allerdings ebenfalls nicht allein möglich. Gänzlich auf seinen geliebten Sport muss er glücklicherweise nicht verzichten: „Den Weg ins Fitness-Studio im Vau-Haus schaffe ich allein.“ Dort trainiert er mehrmals die Woche. Bungee-Jumping, Fallschirmsprung – hat Ronald Heinrich auch schon gemacht.

Seinen Beruf führt er dank sprachgesteuerter Computer und Handys aus wie jeder andere auch. Er tippt so schnell wie ein Sehender, der Computer und das Mobiltelefon sprechen in einer schnellen Sprache mit ihm, die nur er versteht. „Das ist auch gut so“, sagt er und grinst. Sonst könnte ja jeder beispielsweise den Zugangscode mithören.

Nun hofft er, eine oder gar mehrere Begleitpersonen für seine Freizeitaktivitäten zu finden. Alter und Geschlecht sind egal, „nur die Chemie muss stimmen“.

Kontakt

Wer Roland Heinrich helfen bzw. begleiten möchte, meldet sich bei ihm unter Telefon (0151) 11 72 62 29, oder per E-Mail: ron.begleitung@firemail.de

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