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„Ich sehe mich als Teil der Familie“: Das sagt Doris Schönhofer (re.), die seit 30 Jahren in der Werkstatt von Renate Skoruppa arbeitet. Sie schätzen und respektieren sich – und siezen sich bis heute.

Handwerk

Der charmante Zwei-Frau-Betrieb

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Die Kürschnerinnen Renate Skoruppa und Doris Schönhofer arbeiten seit 30 Jahren gemeinsam in ihrer kleinen und feinen Werkstatt. Besuch beim charmanten Zwei-Frau-Betrieb: 

Poing – Sie arbeiten seit 30 Jahren auf kleinem Raum zusammen, ihre meist weiblichen Kunden kommen aus aller Herren Länder, manche aus der Show- und Glitzerwelt. Mittags setzen sich Renate Skoruppa und Doris Schönhofer auf die Terrasse, trinken Kaffee, ratschen, genießen den Garten mit Wildblumen und hören den Bienen beim Summen und den Vögeln beim Zwitschern zu. Klingt wie ein Paradies? Ist es auch: Renate Skoruppa (60) und Doris Schönhofer (50) sind der vermutlich charmanteste und schönste Zwei-Frau-Betrieb Bayerns. Seit nunmehr 30 Jahren arbeiten die beiden in der Kürschner-Werkstatt von Skoruppa in Poing-Süd, an der Kampenwandstraße, zusammen. Sie mögen sich, sie schätzen sich, sie respektieren sich. Gleich nach ihrer Ausbildung in Grafing und München hat Doris Schönhofer bei Renate Skoruppa begonnen. Als einzige Angestellte, bis heute. „Ich wollte und will hier nie weg. Wenn es passt, dann passt’s einfach“, sagt die Kürschnerin und lächelt.

30 Jahre in der gleichen Werkstatt – „so oft gibt’s das heute nicht mehr“, sagt Kürschnermeisterin Skoruppa und dreht sich um zu ihrer Angestellten: „Oder, Frau Schönhofer?“. Sie nickt.

Tatsächlich: Obwohl sie seit 30 Jahren miteinander arbeiten und lediglich zehn Jahre Altersunterschied auseinander sind, siezen sich Frau Skoruppa und Frau Schönhofer bis heute. „Das ist für mich eine Frage des Respekts und Vertrauens. Chefin ist Chefin.“ Der Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. „Sie setzt meine Designs und Ideen hervorragend um“, lobt Renate Skoruppa ihre Mitarbeiterin. Die lächelt, als die Chefin hinzufügt: „Ich bin ein schrecklicher Pedant, bei mir muss immer alles ganz genau sein.“ „Damit bin ich hier aufgewachsen“, fügt Schönhofer augenzwinkernd hinzu.

Viele Kürschner gibt es nicht mehr, Renate Skoruppa und Doris Schönhofer sind es aus und mit Leidenschaft. Freilich wissen beide um die kritischen Stimmen in Sachen Pelz. Die Meisterin aus Poing verwendet ausschließlich Material von Züchtern, die sie kennt. Und: „Seit zehn Jahren kaufe ich nichts mehr aus Asien. Wo es keine Menschenrechte gibt, haben auch Tiere keine Rechte.“ Vielmehr setzt sie auf regionale Produkte, wie den Rotfuchs. Der aber nicht zu Zwecken der Pelzverarbeitung geschossen wird.

Die beiden Kürschnerinnen haben sich neben Einzelstücken und ausgefallenen Designs (oftmals bei Modeschauen prämiert) auf Recycling spezialisiert. Ein alter schwerer Pelzmantel von der Oma oder Uroma im Schrank? Raus damit! „Die Leute sind immer wieder überrascht, was man daraus machen kann“, sagt Doris Schönhofer. Aus einem Nerzmantel, der sechs Kilogramm wiegt, wird eine schicke Jacke mit 1,4 Kilo. „Früher war ein Pelzmantel für die Ewigkeit“, sagt Renate Skoruppa. Das muss nicht mehr sein. Statt schwer wird daraus leicht, modisch, luftig gar, für jede Jahreszeit. „In einem Pelz schwitzen Sie nie.“ Mit diesem „Sie“ war jetzt aber der Reporter gemeint.

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