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Schnelle und unbürokratische Hilfe: Nicole Braune (li.) hat Weißwürste, Brezen und Senf in ein Labor nach Dresden gefahren, das dem Labor in Poing dringend benötigte Test-Kits geschenkt hat. 

Poinger holten sich Hilfe aus Dresden

Corona-Labor mit ungewöhnlicher Aktion: Tausche Weißwürste gegen Test-Kits

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Im MVZ-Labor Poing werden täglich etwa 500 Testabstriche auf das Coronavirus untersucht. Da auch hier medizinisches Material knapp wird, gab‘s ein ungewöhnliches Tauschgeschäft.

  • Corona-Tests sind derzeit Mangelware in ganz Deutschland.
  • Das MZV-Labor in Poing konnte sich in Sachsen Nachschub beschaffen.
  • Zum Tausch gab es eine ganze Ladung Weißwürste.

Poing – Beinahe wäre der MVZ Ärztliche Laboratorien München-Land GmbH eine der wichtigsten Arbeitsmittel ausgegangen: die einmal verwendbaren Test-Kits. Es fehlt, wie  derzeit überall in Deutschland, an medizinischem Material. In dem Labor in Poing, das für mehrere Corona-Testzentren in Oberbayern die Untersuchungen durchführt, sind vergangene Woche die so genannten Reagenzien knapp geworden.

Am Freitag kam Hilfe: Auf Anfrage kündigte das Medizinische Labor Ostsachsen in Dresden an, den Poingern fünf Kartons Kits (Inhalt: insgesamt ca. 2400 Stück) zu schenken. Chefsekretärin Nicole Braune fuhr vier Stunden mit dem Auto nach Dresden und hatte ungewöhnliches Gepäck an Bord: 120 Weißwürste, 100 Brezen und drei kleine Eimer voll Weißwurstsenf als Dankeschön. Der Laborleiter in Dresden, Thomas Kirchner, bedankte sich via Facebook-Post bei den Oberbayern. So geht unbürokratische und unkomplizierte Hilfe!

Corona-Test-Kits aus Dresden: Poinger Labor tauscht Weißwürste ein

Die Untersuchungen im Poinger Labor können dank dieser Aktion fortgesetzt werden - und mit der Hoffnung, dass es bald neue Lieferungen auf herkömmlichem Wege gibt. Unsere Zeitung durfte einen Blick in die Laborräume werfen:

Niemand läuft mit Ganzkörperschutzkleidung und Mundschutzmasken herum, keine Spur von Hektik – die Atmosphäre ist so ganz anders, als der Besucher es erwarten würde. Wir befinden uns bei der MVZ Ärztliche Laboratorien München-Land GmbH in Poing, einem der Corona-Testlabore. Hinter der schmucklosen 1970er-Jahre Betonfassade werden seit über 30 Jahren Proben von Blut, Urin, Stuhl sowie Abstriche auf Krankheiten aller Art hin untersucht. Seit dem 9. März ist ein neues Aufgabenfeld hinzugekommen: Die Corona-Tests. Am ersten Tag waren es 40 Abstriche/Proben gewesen, die in Poing untersucht wurden, erzählt Geschäftsführerin Petra Borelli. Mittlerweile werden täglich rund 500 Stück angeliefert. Davon sind im Durchschnitt 11,6 Prozent (Stand Montag, 6. April) positiv.

Poing: Corona-Labor für mehrere Städte und Landkreise

Im Labor in Poing werden die Abstriche aus den Abnahmezentren der Gesundheitsämter in Ebersberg, Erding, Dorfen, Penzberg, Weilheim und der Gemeinde Kirchheim (Landkreis München) untersucht. Im eigens eingerichteten Corona-Labor arbeiten sechs Mitarbeiter von 6.30 bis 22 Uhr, in zwei Schichten. Aufgebaut hat es die Molekularbiologin Dr. Stephanie Bröckl, die sich schon zuvor im Gebiet dieser Art von Tests (beispielsweise auf Influenza) spezialisiert hat. Die Tests erfolgen mittels einer PCR-Untersuchung (Polymerase Chain Reaction), bei der RNA (Ribonukleinsäure) extrahiert wird. Ist diese Säure nicht vorhanden, ist die Probe negativ. Wird RNA nachweislich gemessen, ist der Corona-Test positiv. „PCR ist der Gold-Standard unter den Tests“, sagt Geschäftsführerin Borelli. Von Schnelltests hält sie nicht viel, weil diese zu unspezifisch seien.

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Schnelle Umstellung auf Corona-Untersuchungen

Das Labor in Poing ist in München und Umgebung das einzige, das eigentümergeführt ist und nicht an einem großen Verbund hängt. „Deshalb konnten wir relativ schnell reagieren und den Betrieb auf Corona umstellen“, erzählt Geschäftsführerin Petra Borelli. Freilich laufen die anderen Tests und Untersuchungen weiter, allerdings seien diese in den vergangenen Wochen seit Ausbruch der Corona-Pandemie zurückgegangen – weil weniger Menschen zum Arzt gehen oder Arztpraxen wegen eines Coronafalls geschlossen haben.

Corona-Labor Poing arbeitet mit 450 Ärzten/Praxen zusammen

Unabhängig von Corona liefern etwa 450 Ärzte bzw. Praxen dem MVZ-Labor Proben aller Art. Diese werden untersucht in mehreren Räumen und mit unterschiedlichen Techniken. Insgesamt sind hier 120 Mitarbeiter beschäftigt, die Hälfte im medizinischen Dienst, die andere Hälfte in der Administrative. Hierzu gehört beispielsweise der Fahrdienst, der die Proben aus den Praxen und jetzt zusätzlich aus den Corona-Testzentren holt. Von der Anlieferung bis zum Ergebnis einer Corona-Probe dauert es vier Stunden, berichten Borelli und Bröckl.

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So funktioniert der Coronavirus-Test

Die Abstriche befinden sich in kleinen Röhrchen, die luftdicht verschlossen sind. Geöffnet werden sie im Labor hinter einer Schutzscheibe auf einer Klasse 2 Werkbank (so der Fachbegriff), von der die Luft ständig abgesaugt wird. Die Mitarbeiter öffnen die Proben quasi unter Vakuum, nehmen mit einer Pipette den Abstrich heraus und geben ihn in ein kleines Reagenzglas. Dieses wird in ein Einmal-Kit gesteckt, in dem insgesamt 96 Proben Platz haben. Danach übernehmen medizinische Geräte. Nach der Auswertung erscheinen auf dem Computer-Bildschirm rote und grüne Punkte: rot für positive Proben, grün für negativ.

Keine Corona-Ansteckungsgefahr in den Laborräumen

„Man kann sich hier nicht infizieren“, sagt Geschäftsführerin Petra Borelli auf die Frage, warum in den Laborräumen und auf den Gängen niemand Schutzanzüge und Mundschutzmasken trägt. Alle Untersuchungen laufen völlig steril und nach strengen Vorschriften, das gilt nicht nur in Corona-Zeiten.

Der Gasthof Stocker aus Landsham hat in Zeiten des Coronavirus eine ungewöhnliche Idee: Freibier zum Selbstzapfen. Auf Spendenbasis gibt es dort Helles und Weißbier - und das für einen guten Zweck.

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