Blick in eine Straße.
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Blick in den Schlesierweg, der in eine Sackgasse mündet.

Entgegen Ankündigung

Dilemma im Schlesierweg: Verkehrsberuhigt geht nicht

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Eigentlich hätte der Schlesierweg zum verkehrsberuhigten Bereich werden sollen. Das hatte die Gemeinde den Anwohnern zugesagt. Daraus wird nichts.

Es ist ein Dilemma: Als vor Jahren die Neubauten am Schlesierweg und die damit einhergehende Umgestaltung der kleinen Straße geplant und im Gemeinderat diskutiert und genehmigt worden waren, hatte das Gremium bzw. die Gemeinde Poing den Anwohnern zugesagt, dass die Straße als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werde. In einem solchen gilt unter anderem: Schrittgeschwindigkeit, Parken nur auf ausgewiesenen Flächen, Fußgänger dürfen die gesamte Straßenbreite benutzen. Umgangssprachlich wird dies „Spielstraße“ bezeichnet.

Anwohner fordern Verbesserungen

Eine solche ist der Schlesierweg heute, da alles fertig ist, nicht: Er ist eine Tempo-30-Zone – und wird es bleiben. „Ein verkehrsberuhigter Bereich ist nicht möglich“, sagte Bürgermeister Thomas Stark jetzt in der September-Sitzung des Bau- und Umweltausschusses des Gemeinderates Poing. Er räumte ein, dass es bei der Aufstellung des Bebauungsplans im Jahr 2012 (damals war er noch nicht Bürgermeister, sondern Geschäftsleiter im Rathaus) ein Fehler gewesen sei, den Anwohnern einen verkehrsberuhigten Bereich in Aussicht zu stellen.

Nachdem Anwohner immer wieder auf diesen Umstand aufmerksam gemacht haben, hat die Gemeinde Poing nun den Schlesierweg von einem Verkehrsbüro sowie von der Polizei untersuchen lassen. Sibel Aydogdu von Schlothauer & Wauer (Ingenieurgesellschaft für Straßenverkehr mbH) erläuterte in der Ausschusssitzung, warum der Schlesierweg rein rechtlich kein verkehrsberuhigter Bereich werden kann.

Gutachter: Verkehrsaufkommen zu gering

Zusammengefasst: das Verkehrsaufkommen ist viel zu gering und die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h wird überwiegend eingehalten (im Zeitraum zwischen 27. Januar und 14. Mai fanden mehrere Erhebungen und Messungen statt). Des Weiteren handle es sich um keinen Unfallschwerpunkt. In diesem Zusammenhang liegt der Gemeinde Poing eine Empfehlung der örtlichen Polizeiinspektion vor: „Aus polizeilicher Sicht kommen auch wir zu dem Ergebnis, dass hier in Bezug auf Verkehrssicherheit kein Handlungsbedarf angesehen wird.“

Umbaumaßnahmen laut Verwaltung nicht möglich

Wie Bürgermeister Stark in der Ausschusssitzung berichtete, würden Anwohner kritisieren, dass im Schlesierweg häufig zu schnell gefahren werde, dass es keinen Gehweg gebe und dass oft auf der Fahrbahn geparkt werde. Dies alles sei eine Gefahr für Kinder, die auf der Straße spielen.

Der Schlesierweg ist ein Anwohnerweg und mündet in eine Sackgasse. Die Empfehlung der Verwaltung lautet: „Aufgrund des relativ geringen Verkehrsaufkommens (...) schlägt die Verwaltung – auch aus Kostengründen – vor, die 30er-Zone beizubehalten“. Für einen verkehrsberuhigten Bereich müssten einige Umbaumaßnahmen erfolgen. Wegen der auf der Südseite angeordneten Feuerwehrzufahrt bzw. -aufstellfläche sei von der Einfahrt Neufarner Straße bis zum Schlesierweg 2 kein Umbau möglich. Um den Verkehr abzubremsen, hat die Gemeinde im Mai 2020 zwei mobile Verkehrsinseln angeordnet, die bereits aufgestellt sind. Zunächst für ein Jahr.

Kompromissvorschlag: Zone 20

In der Ausschusssitzung sagte Franz Langlechner (CSU), dass er bislang der Meinung gewesen sei, mit den Anwohnern nochmal zu sprechen. Nach einer Ortseinsicht mit Experten und den jetzigen Aussagen des Verkehrsplanungsbüros und der Polizei aber müsse er eingestehen, dass es keine Möglichkeiten für einen verkehrsberuhigten Bereich gebe. Dieser Ansicht sind auch andere Ausschussmitglieder. Marc Salih (FDP) regte einen Kompromiss an: „Man könnte doch prüfen, ob eine Tempo-20-Zone möglich ist.“ Dies werde die Verwaltung laut Bürgermeister Stark tun,

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