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Impfbus erstickt im Andrang: Mobiler Service für alle bald nicht mehr verfügbar

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Von: Raffael Scherer, Helena Grillenberger

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eine Lange Schlange neben dem Impfbus.
Fast eine Stunde verspätet konnte mit den Impfungen in Poing gestartet werden. © Raffael Scherer

Hunderte möchten sich lieber spontan am Impfbus statt mit Termin im Impfzentrum impfen lassen. Diesem Ansturm ist der Bus nicht gewachsen.

Landkreis – „Jetzt wird es schon langsam grenzwertig“, grummelt Margot Markert aus Pliening. Seit 8.15 Uhr steht sie vor dem Poinger Rathaus, um ihre Drittimpfung beim Impfbus zu bekommen. Obwohl es um 9 Uhr losgehen sollte, kommt der Bus eine halbe Stunde später. Wegen einer Panne, erklärt Brigitte Keller vom Landratsamt. „Wenn es schief geht, dann gescheit“, sagt sie und seufzt.

Denn auch ihr ist klar, dass der Impfbus heute wieder einmal dem Andrang nicht gerecht wird. Am Ende des Tages müssen dem Vernehmen nach an die 100 Impfwillige unverrichteter Dinge abziehen. Überforderung zuletzt auch in Anzing, Markt Schwaben oder Zorneding, von wo es Beschwerden hagelte. Auch dort wurden Menschen ohne Impfung weggeschickt.

Impfbus überfordert mit Andrang: Nur noch bis Samstag können sich alle am Bus impfen lassen

Und im Egmatinger Gemeinderat wurden Beschwerden laut: In jüngster Sitzung erklärte CSU-Gemeinderätin Dr. Katalyn Rossmann, die auch als Seuchenexpertin der Bundeswehr im Krisenstab des Landratsamtes sitzt, das Gespräch mit Liam Klages, Chef des Impfzentrums und verantwortlich für den Impfbus, gesucht zu haben. Wegen der Kälte hatten die Egmatinger die Impfwilligen ins Gemeindehaus geholt. Von einem „illegalen Impfzentrum“ sei dabei von Seiten Klages’ die Rede gewesen, so Rossmann im Gemeinderat. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das so gemeint hat“, erklärte sie aber versöhnlich auf Nachfrage der EZ. Klages wollte dies nicht kommentieren und verwies ans Landratsamt.

Viele Menschen stehen draußen in der Schlange an.
Etwa 100 Meter lang ist die Schlange für dem Impfbus vor dem Poinger Rathaus. © Raffael Scherer

„Wir schauen, dass wir die Aktionen bis Samstag noch irgendwie hinkriegen“, so Keller. Ab dann soll der Impfbus wieder nur gezielt für Sonderaktionen eingesetzt werden, wie etwa bei Seniorenheimen oder Schulen. Dafür sei er eigentlich gedacht. „Das Gesamtkonstrukt Impfbus“ sei nicht für große Massen ausgelegt, sondern eine gute Lösung für die Impfflaute im Sommer gewesen.

Termin im Impfzentrum statt Impfbus: Täglich fast das 20-fache Angebot in Impfzentren möglich

Klages sagt: „Ein Impfbus ist einfach nicht dafür gemacht, ein Impfzentrum zu ersetzen.“ Während bei den Bussen nur etwa 100 Impfungen pro Tag vorgenommen werden können, steigere laut Keller das Impfzentrum seine Kapazitäten auf „ein nie dagewesenes Volumen“ von bis zu 1800 Impfungen pro Tag.

In Poing hat sich, wie von Keller befürchtet, um halb 10 eine Schlange von etwa 120 Menschen gebildet. Der komplette Bürgersteig vor dem Rathaus ist voll. „Mir war schon klar, dass da eine Million und siebzehn Leute anstehen werden“, sagt die Plieningerin Margot Markert. Sie ist eine der ersten in der Reihe. Ihr Hausarzt habe ihr erst im Februar einen Termin geben können, darum sei sie lieber spontan gekommen.

Großer Andrang bei Impfbus: Erstimpferin wurde von 3G-Regel am Arbeitsplatz überzeugt

Ein paar Meter weiter in der Schlange steht die 24-jährige Frau Waag, die ihren Vornamen nicht nennen möchte. Die Poingerin ist heute für ihre Erstimpfung da. Grund für ihre Entscheidung sei nur die 3G-Regel am Arbeitsplatz: „Nicht, weil ich Essen oder Feiern gehen will, sondern rein für die Arbeit“, sagt die Gartencenter-Mitarbeiterin.

„Im Prinzip ist das Zwang.“ Besonders überzeugt sei sie von den Impfstoffen nach wie vor nicht. „Aber lieb sein, ich bin kein Querdenker“, stellt sie klar. Weil sie mit dem Online-Portal des Impfzentrums nicht klar kam und ihr Hausarzt derzeit weder Erst- noch Zweitspritzen anbiete, versuche sie nun ebenfalls ihr Glück spontan beim Impfbus.

Impfen lieber spontan statt mit Termin: Impfzentrum überlegt neue Herangehensweise

Dass die Menschen am liebsten spontan kommen, ist sowohl Klages als auch der Kreisbehörde bewusst. Laut Keller laufen in den Impfzentren deshalb Vorbereitungen, dass ab 11. Dezember wochenends wieder ohne Termin geimpft werden könne. Dafür sei laut Keller die Kapazität allein im Poinger Zentrum bald „2,5 Mal so viel wie zur stärksten Zeit“. Um 9.45 Uhr werden vor dem Rathaus Nummern für die Anstehenden verteilt, damit sie später wieder kommen können. Etwa ab der Nummer 20 sei bereits von zwei Stunden Wartezeit auszugehen, heißt es. Mancher Impfwillige sucht bei dieser Information das Weite.

Gemeindemitarbeiter verteilen Tee und Kaffee, welche bei den Minusgraden dankbar als Handwärmer benutzt werden. Um 9.55 Uhr wird schließlich der Erste geimpft. Statt in der Kälte zu warten, sollten Impfwillige lieber stressfrei einen Termin in den Zentren vereinbaren, sagt Klages. Denn Termine gebe es genug, oft binnen einer Woche oder eher.

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